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Oberhavel Schreie aus dem Keller
Lokales Oberhavel Schreie aus dem Keller
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08:24 01.09.2017
Der Meißnerhof, um 1840 ein nach dem Erbpächter Meißner benannter Teerofen, war in den 1920ern ein Naturfreundehaus und danach KZ. Quelle: Foto: Privat
Hennigsdorf

„Die Kellerräume waren gefliest“, sagt Klaus Euhausen, „So konnte man das Blut wegspritzen.“ Der Hobby-Historiker aus Stolpe-Süd hat sich mit einem der dunkelsten Kapitel der Hennigsdorfer Geschichte befasst, dem wilden KZ Meißnerhof. Anfang Mai 1933 bauten es die Nazis aus einem ehemaligen Naturfreundehaus zwischen Velten und Hennigsdorf im Forstbezirk Hohenschöpping. Im Keller kauerten bis zu 60 Gefangene, die Verpflegung war schlecht. Die Gefangenen wurden misshandelt und mussten sinnlose Arbeiten verrichten. „Die Leute wurden massiv eingeschüchtert und schlecht behandelt, man nahm auch Tote in Kauf“, so Euhausen. Zwei bis drei Todesfälle seien ihm bekannt.

Betrieben wurde das Lager von der Nauener SA-Standarte 224. Der Hof bestand aus mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. „Die Nazis haben sich den Hof angeeignet und die ersten Gegner, zu diesem Zeitpunkt in erster Linie Kommunisten, mit einer gewissen Brutalität ausgeschaltet“, erklärt Euhausen. Auch Sozialdemokraten und Gewerkschafter, aber auch Juden oder Pfarrer wurden inhaftiert. Meißnerhof mit seiner Lage nördlich des Stahlwerks sei abgelegen genug gewesen. „Man wollte, dass die Bevölkerung das möglichst nicht mitbekommt.“

Neun dieser frühen Konzentrationslager richteten die Nazis bis zum Sommer 1933 in Brandenburg ein. In leerstehende Fabrikgebäuden, Garagen, Schulen oder Keller verschleppten SA-Standarten, SS-Männer oder Polizisten mehr als 7000 politische Gegner des jungen Hitler-Regimes, das nach dem Reichstagsbrand per Notverordnung nach Gutdünken regieren konnten. In der Region entstanden im März 1933 die Lager in Börnicke (bei Nauen in der alten Brauerei von Oranienburg an der Berliner Straße und eben in Meißnerhof. Nur über wenige Insassen gibt es Informationen. Da ist der Stahlwerker Richard Ungermann, der oben im Gebäude des KZ Meißnerhof von Lagerleiter Heinrich Krein verhört wurde. SA-Männer aus Hennigsdorf und Eichstädt prügelten ihn halbtot. Der Grund: Ungermann hatte am Streik der Veltener Ofenarbeiter mitgewirkt, Demonstrationen organisiert. So war er ins Visier der Nazis geraten. Zwei Tage nach dem Verhör, so ist es überliefert, wurde Ungermann erschossen und in der Havel versenkt.

Am 24. Juni 1933 verfügte der Potsdamer Regierungspräsident Fromm die Schließung des KZ Meißnerhof, die Gefangenen kamen ins KZ Oranienburg. Von dem Gebäude gibt es heute keine Spuren mehr, nicht einmal ein Fundament existiert noch. Es gibt auch keine Gedenktafel, erklärt Hobby-Historiker Klaus Euhausen. Dort, wo einst Menschen gefoltert wurden befindet sich heute ein Firmengelände am Stichkanal.

Von Marco Paetzel

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