Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Schüler drehen Zeitzeugen-Film

Oranienburg Schüler drehen Zeitzeugen-Film

18 Schüler des Oranienburger Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums drehen derzeit eine Dokumentation in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Im Mittelpunkt steht Reinhard Wolff, der drei Jahre im Speziallager Sachsenhausen inhaftiert war. Unterstützung gibt es von einer Grimme-Preisträgerin.

Voriger Artikel
Der Klimaschutzmanager
Nächster Artikel
So nutzten Abiturienten ihre zweite Chance

Reinhard Wolff beantwortet Fragen der Oranienburger Schüler..

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. Noch Jahre später schlief er schlecht. „Ich hatte Alpträume“, sagt Reinhard Wolff. Drei Jahre verbrachte er als Jugendlicher im Speziallager Sachsenhausen. Über das Schicksal des heute 87-Jährigen drehen Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums (OSZ) in Oranienburg derzeit im Rahmen eines Seminarkurses einen Film – zusammen mit Loretta Walz, die 2006 für ihre Dokumentation „Die Frauen von Ravensbrück“ den Adolf-Grimme-Preis erhielt.

„Es soll ein Film werden, mit dem sich die Schüler, die ihn gemacht haben, am Ende identifizieren können. Es ist ihr Film“, so die Regisseurin. Solange noch Zeitzeugen am Leben sind, sei solch eine Aufarbeitung „wichtig und notwendig.“ Es werde nur schwierig bei den vielen Geschichten, die Reinhard Wolff zu erzählen hat, zu entscheiden, welche es in den Film schaffen, sagt ihr Kollege Knut Gewers.

Die filmische Aufarbeitung hat am 16

Die filmische Aufarbeitung hat am 16. September Premiere.

Quelle: Marco Winkler

18 Zwölfklässler erarbeiten mit den Experten den einstündigen Dokumentarfilm, der am 16. September in der Gedenkstätte Sachsenhausen seine Premiere feiern soll. Die Schüler filmen aktuell letzte Sequenzen, feilen am Drehbuch, Thore Klapötke schreibt die Musik – „zwischen traurig und dramatisch, aber nicht theatralisch“, so der junge Musiker.

Die Schüler sind inspiriert von Reinhard Wolffs Geschichte. „Er hat sein Schicksal in die Hand genommen“, so die 17-jährige Constanza Filler. Mitschülerin Martha Rübenstahl: „Man kann sich nicht vorstellen, wie Menschen leiden mussten.“ Dass die Anwohner nichts unternommen haben, sei bei allem Verständnis für die politische Lage schon „feige“ gewesen.

Eine typische Interviewsituation

Eine typische Interviewsituation.

Quelle: Marco Winkler

Das Speziallager Sachsenhausen befand sich direkt in Oranienburg. Der sowjetische Geheimdienst sperrte hier zwischen 1945 und 1950 60 000 Menschen ein, darunter etwa 3000 Jugendliche. Einer von ihnen war Reinhard Wolff. Wolff, 1929 geboren, wuchs mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof in Altlandsberg (Landkreis Märkisch-Oderland) auf. Weil er ein Jahr zuvor eine Nierenoperation hatte, wurde er im Januar 1945 bei der Musterung zur Wehrmacht zurückgestellt.

Ein paar Monate später wurde er als 16-Jähriger wegen angeblichen Waffenbesitzes und des Verdachts, Mitglied der nationalsozialistischen Untergrundbewegung „Werwolf“ zu sein, verhaftet – am 23. Dezember 1945 kam er ins Speziallager Sachsenhausen. Alltag: In der Holzwerkstatt Fässer bauen, Hunger, Wassersuppe, schlechte Hygienebedingungen, Angst und Tod.

DDR hat dieses Geschichtskapitel tabuisiert

Reinhard Wolff hat sofort zugesagt, als er von dem Projekt, gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, hörte. „Es gibt nicht mehr so viele Zeitzeugen, die in der Lage sind, zu berichten“, sagt er. Auch in der Schule ist das Thema Speziallager eher ein untergeordnetes. „Im Lehrplan ist es nicht direkt ausgewiesen“, so Geschichts- und Gedenkstättenlehrer Uwe Graf. „Die DDR hat es bis heute geschafft, die Geschichte gut zu verschleiern.“ In der damaligen Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen war dieses Kapitel bis zum Ende der DDR tabuisiert.

Alleine im Speziallager Sachsenhausen starben 12 000 Menschen an Krankheiten und Hunger. Reinhard Wolff wurde am 18. August 1948 entlassen. Der Tag sei sein zweiter Geburtstag. Bis heute engagiert er sich dafür, dass die Geschichte nicht vergessen wird, unterstützt seit 25 Jahren die Gedenkstättenarbeit.

Von Marco Winkler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg