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Schwalben bringen Glück

Leegebruch Schwalben bringen Glück

Gabriele Kind und Thomas Schwentke geben Rauchschwalben in ihrer Garage ein Quartier. Für ihr Engagement für die gefiederten und gefährdeten Glücksbringer wurde das Leegebrucher Paar vom Naturschutzbund (NABU) mit der Schwalbenplakette ausgezeichnet.

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Vier hungrige Mäuler mussten ein Schwalbenelternpaar in diesem Jahr in der Leegebrucher Garage füttern.

Quelle: privat

Leegebruch. Es ist ein kleines Paradies, das sich Gabriele Kind und Thomas Schwentke, beide 67 Jahre alt, rund um ihr Leegebrucher Haus erschaffen haben: Über den Gartenteich führt eine kleine Brücke, eine Laube birgt schattige Plätzchen und vom Wintergarten bietet sich ein regen- und windgeschützter Blick auf das knapp 680 Quadratmeter große, idyllische Gartenreich. „Wir sind Pflanzenliebhaber.“

Und Tierliebhaber, denn es fühlen sich nicht nur Igel, Gimpel und andere Singvögel, sondern auch Rauchschwalben bei dem Leegebrucher Pärchen überaus wohl. So wohl, dass sie 2014 in der Garage des Paares heimisch wurden. Damals lag Gabriele Kind nach einem Schlaganfall im Krankenhaus, als sich ein Rauchschwalbenpärchen den Kasten des Torantriebs der Garage als Nistplatz erwählte.

Nest auf dem Torantrieb

Nest auf dem Torantrieb

Quelle: privat

„Schwalben bringen Glück“, ist deshalb die Leegebrucherin von der Wahrheit des weit verbreiteten Sprichwortes überzeugt. Denn schon einmal habe es sich bewahrheitet, so die heute wieder Genesene. 1967 sei ihre Mutter schwer krank ins Krankenhaus gekommen. Doch gleichzeitig beschloss ein Pärchen Mehlschwalben, am Haus der Familie, damals wohnte sie noch in Hennigsdorf, ein Nest zu bauen. Da habe ihre Mutter Mut geschöpft und gesagt: „Schwalben am Haus, dann werde ich gesund.“ Und wirklich genas Gabriele Kinds Mutter und konnte ihren 91. Geburtstag feiern.

Rauchschwalben in Leegebruch

Rauchschwalben in Leegebruch

Quelle: privat

Und so taten und tun Gabriele Kind und Wolfgang Schwentke heute alles dafür, dass es ihre Schwalben bei ihnen gut haben. Sie lasen und informierten sich. Als Nisthilfe wurden Schwalbennester an den Garagenwänden angebracht. Sie isolierten das Garagendach, kühlten es bei Hitze sogar mit Wasser und sorgen für ständige Durchlüftung, so dass es den gefiederten Untermietern im Sommer nicht zu warm wird. Damit Katzen und Marder der Schwalbenbrut nicht zu nahe kommen, versperrt nachts ein Netz das offene Garagentor. Jeden Tag sieht Gabriele Kind, die mit ihrem Mann früher bei Bombardier gearbeitet hat, nach den Rauchschwalben. Setzt aus dem Nest gefallene Küken wieder zurück und hilft bei Bedarf mit der Zufütterung von Heimchen auch bei der Aufzucht der Brut.

Die kleinen Rauchschwalben werden immer größer

Die kleinen Rauchschwalben werden immer größer.

Quelle: privat

„In diesem Jahr hatten wir zwei Pärchen mit drei und vier Jungtieren“, so die ehemalige Hennigsdorferin, die 2002 eigentlich nicht nach Leegebruch ziehen wollte, weil sie den Ort als „grau“ in Erinnerung hatte, dann jedoch überrascht war, wie grün und positiv er sich entwickelt habe. „Wir hatten damals nur eine Wohnung, von der man aus im Wald Rehe und Füchse sehen konnte, und einen Garten am Havelkanal“, erzählt Gabriele Kind. In Leegebruch habe man nun beides zusammen. Ohne lange Wege.

Auszeichnung für das Engagement durch Yvonne Schuldes vom NABu (r)

Auszeichnung für das Engagement durch Yvonne Schuldes vom NABu (r.).

Quelle: Ulrike Gawande

Für ihr Engagement für die gefiederten Glücksbringer wurden Kind und Schwentke nun vom Naturschutzbund (NABU) mit Urkunde und Schwalbenplakette ausgezeichnet. „Schwalben haben es immer schwerer, weil Menschen sie immer weniger dulden. Menschen wollen in der Natur leben, aber nicht mit der Natur“, berichtet Yvonne Schuldes, Schwalbenexpertin des NABU in Oranienburg. Finden Mehlschwalben, die außen an Häusern brüten, noch eher eine Nistmöglichkeit – das Entfernen von Nestern ist übrigens strafbar –, sei es für Rauchschwalben, die in Gebäuden brüten, deutlich schwerer einen Nistplatz zu finden. Früher nutzten Rauchschwalben vor allem Ställe. Dort war es nicht zu warm und immer offen. „Schwalben leben gern in Menschennähe, mögen Betriebsamkeit“, weiß Gabriele Kind. Auch die Nahrungs- und Nistmaterialsuche gestalte sich für die Tiere immer schwerer. Es fehlen Wiesen und Pfützen, wo Schwalben Insekten im Flug fangen können. „Wer Schwalben hat, hat weniger Mücken“, lacht die Leegebrucherin.

Im September fliegen die Schwalben gen Süden

Im September fliegen die Schwalben gen Süden.

Quelle: privat

Doch in den nächsten Tagen machen sich die gefiederten Nachbarn auf den Flug gen Süden. Bis nach Südafrika ziehen die Tiere. Nicht alle kommen im nächsten Frühjahr ab April wieder. Kind: „Sie werden von uns sehnsüchtig erwartet.“ Denn die Tiere sind standorttreu. „Es sind unterhaltsame Zeitgenossen. ich mag ihr fröhliches Gezwitscher, wenn sie auf der Lampe sitzen oder ein Bad im Teich nehmen“, freut sich Gabriele Kind auf den nächsten Sommer mit ihren Glücksbringern.

Von Ulrike Gawande

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