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Oberhavel Ein neues Auto für Arne – aber kein Happy End
Lokales Oberhavel Ein neues Auto für Arne – aber kein Happy End
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07:14 09.02.2018
Lichtblick für Familie Neuendorf: Bis Ende April stellt ein Unternehmen übergangsweise ein eigens umgebautes Fahrzeug zur Verfügung. Quelle: Helge Treichet
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Hohen Neuendorf

Der Autoklau von Familie Neuendorf aus Hohen Neuendorf Anfang Januar des Jahres (MAZ berichtete) sorgte bundesweit für Aufregung. Seit einem Badeunfall im Mai 2013 liegt der inzwischen siebenjährige Sohn Arne im Wachkoma. Mit dem VW T5 Multivan hatten die Eltern regelmäßig Krankenhaus- und Behandlungstransporte ihres Kindes unternommen. Wer also stiehlt einer Familie mit schwerbehindertem Kind das dringend benötigte Fahrzeug?

Die Anteilnahme war groß, die Suchmeldung nach dem Multivan, angepasst mit einer Rampe für Arnes Rollstuhl, wurde hundertfach geteilt. „Die Resonanz, die damals auf uns einprasselte, war überwältigend“, erinnert sich die zweifache Mutter, Maria Neuenfeld, an den 5. Januar. „Die Situation war für uns schrecklich. Ohne Auto sind wir aufgeschmissen. Die vielen positiven Rückmeldungen haben uns in dieser Zeit viel Kraft gegeben.“

Versicherung kann erst nach vier Wochen tätig werden

Erst nach vier Wochen Fahndung durch die Polizei konnte die Versicherung tätig werden, berichtet Vater Sven Neuenfeld. Die vier Wochen sind seit Montag dieser Woche verstrichen. „Von dem Auto gibt es nach wie vor keine Spur. Die Fahndung blieb bis heute erfolglos“, erklärt Pressesprecherin Dörte Röhrs von der Polizei.

Firma aus Baden-Württemberg stellt vorübergehend Auto bereit

Das Echo zu dem gestohlenen Wagen über die Grenzen Oberhavels hinaus sorgte unterdessen für ganz praktische Hilfe. Der TV-Sender RTL sei darauf aufmerksam geworden und habe sich auf die Suche nach einem Ersatzfahrzeug gemacht, erzählt Sven Neuenfeld. So zog am Dienstag ein Ford Tourneo bei der Familie ein, den die Firma Paravan aus Pfronstetten (Baden-Württemberg) vorübergehend bis Ende April zur Verfügung stellt. „Wieder mobil zu sein, nimmt uns eine riesige Last von den Schultern“, berichtet der Familienvater erleichtert.

Neues Auto für Arne aus Hohen Neuendorf, nachdem im Januar das Auto der Familie mit dem schwerbehinderten Kind gestohlen wurde. Quelle: privat

Denn die Klärung mit der Versicherung sei noch lange nicht ausgestanden. Für knapp 35 000 Euro hatten Neuenfelds das Auto vor einem guten Jahr erworben. Bezahlt von Arnes Rente. „Wir zahlen das Auto weiter ab, auch wenn wir es nicht mehr haben“. Aktuell laufen die „nicht immer einfachen“ Gespräche mit der Versicherung. So werden „die Kosten für die im Auto befindliche und ebenfalls gestohlene Rollstuhlrampe wohl nicht übernommen, da diese laut Versicherung nicht zum Auto gehöre“, berichtet Sven Neuenfeld.

Verein „Carpe Diem“ unterstützt Familie zukünftig

Hilfe versprechen sich Neuenfelds, die bis zum Diebstahl des Familienwagens Geld für eine Sauerstofftherapie ihres schwerkranken Sohnes gesammelt hatten („Davon müssen wir uns jetzt erst einmal verabschieden. Die Mobilität für Arne hat Priorität.“) zukünftig über die Zusammenarbeit mit dem Verein Carpe Diem e.V. „Die Mitarbeiter kamen im Oktober 2017 auf uns zu, haben sich Arnes Wohnsituation angeschaut und geschaut, wo sie helfen können“, berichtet Maria Neuenfeld. “Bislang haben wir uns um alles allein gekümmert.“ Das koste Zeit, „die uns für unser Kind fehlt.“ Auch sei über den Verein die Ausstellung von Quittungen für Spenden einfacher. Und die wird Familie Neuenfeld für die Anschaffung eines neuen, behindertengerechten Familienwagens wohl brauchen.

Der Parkplatz vor Neuenfelds Haus bleibt vorerst leer. „Das Auto steht über Nacht auf dem Grundstück unserer Eltern. So einen Schreck wie im Januar möchten wir nie wieder erleben“, sagt Maria Neuenfeld. Sobald die zweifache Mutter – sie laboriert ebenso wie ihre Söhne Arne und Sören aktuell an einer schweren Erkältung – wieder fit ist, soll es den ersten Ausflug mit dem neuen Auto geben: „In den Zoo oder an die Ostsee.“

Hintergrund: Carpe Diem e.V.

Der Verein „Carpe Diem e.V.“ wurde von Menschen gegründet, die sich besonders dem Schicksal schwerst- und chronisch kranker Kinder widmen und in ihrer Freizeit ehrenamtlich Hilfe leisten. „Die kranken Kinder nicht alleine lassen, den Familien Mut und Kraft zu schenken, ist unser erklärtes Ziel“, schreibt der Verein auf seiner Website. Mit Spenden sollen professionelle Hilfe und gezielte Therapien für kranke Kind, Eltern und Geschwister, die „einem enormen psychischen und physischen Druck ausgesetzt“ sind geholfen werden, damit diese nicht an ihrem Schicksal zerbrechen.

Von Nadine Bieneck

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