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Oberhavel Sehnsucht nach der dritten Havelquerung
Lokales Oberhavel Sehnsucht nach der dritten Havelquerung
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19:17 29.06.2018
Mit den Redakteuren der MAZ am Stammtisch in der Redaktion in der Mittelstraße. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Warum schließen eigentlich immer mehr Geschäfte in der Innenstadt? Zehn von 85 stehen inzwischen leer! Sind sie chancenlos gegen Amazon & Co? Ein wichtiger Diskussionspunkt am MAZ-Stammtisch am Mittwochabend zum Abschluss der Reihe „Zu Hause in...“, bei der die MAZ in der Oranienburger City unterwegs war.

„Die Berlinnähe ist zweifellos Fluch und Segen zugleich“, so Nicole Walter-Mundt. Die Händler beklagten fehlende Parkplätze, die Kunden Öffnungszeiten, die für Berufstätige inakzeptabel seien. Das sieht auch Stefan Wiesjahn, Geschäftsstraßenmanager der Händlergemeinschaft CGO so. Doch das werde von den Händlern nicht immer erkannt, dass Berufstätige erst nach 18 Uhr einkaufen können.

Ralf Leymann fehlt vor allem eine digitale Plattform, auf der er alle Händler der Stadt auf einen Blick findet: „Wen gibt es, wann hat er geöffnet und wie schnell kann er liefern. Wenn ich das nicht sofort finde, bestellt doch jeder bei Amazon.“ Walter-Mundt regte an, die Gebühren der Stadt für Werbeträger zu überdenken, „als Signal der Unterstützung“. Sie sieht einen Mangel an Wertschätzung der Händler bei der Stadt. Vermieter und Hauseigentümer müssten an einem Tisch um gegenseitiges Verständnis ringen.

„Man sollte auch noch mal darüber nachdenken, die Bernauer Straße zur Fußgängerzone zu machen“, regte Dirk Bletterman an. „Wir sind leider auf dem Weg zur Schlafstadt“, sieht es Ralf Leymann.

Zündstoff bot auch die Verkehrssituation in Oranienburg: „Wenn die Dropebrücke gebaut wird, werden wir sehen, dass wir die dritte Havelbrücke in der Verlängerung der Bothestraße längst brauchen“, so Nicola Walter-Mundt .

„Gedankenlosigkeit und Intoleranz vieler Verkehrsteilnehmer auf den Straßen“ ärgern Ralf Leymann. Allerdings wären manche Regelungen auch nicht nachzuvollziehen. Wie die neuen in der Lehnitzstraße, so Blettermann. Er riskiere lieber zehn Euro und fahre auf dem Fußweg, zum Beispiel an der Schlossbrücke, wo der Radweg plötzlich im Nichts endet oder auch auf der Lehnitzstraße an den gefährlichen Inseln.

Es gibt viel zu viele verschiedene Regelungen, „darf ich hier eigentlich fahren oder wie muss ich hier fahren“, das fragt sich auch Stefan Wiesjahn oft. Ralf Leymann schlug vor, statt einer dritten Brücke, die Fahrbahn unter die Erde zu bringen und einen Tunnel zu planen. Ja, das sei teuer, aber weitsichtig geplant.

Eine verkehrsgerechte und keine autogerechte Stadt zu planen, dafür brach auch Dirk Blettermann eine Lanze. Gerade bei der dritten Havel-Querung müsse man sehen, ob man eine Mehrheit für einen Brückenbau auch zusammenbekomme. „Wir brauchen Lösungen, wo sich alle wiederfinden.“ Für die Brücke ist Christin Spindler: „Alle wollen sie, doch nur die nicht, die dort wohnen.“

Eine Debatte rankte sich auch um die Frage: Warum die Einwohner kaum Interesse an kommunalpolitischen Entscheidungen zeigen: Es gebe kaum Bürgeranfragen in den Fachausschüssen. Noch weniger Publikum“, so Walter-Mundt. Sie wünscht sich, „dass man auch mal zu vielen Sachverhalten zuhört. Auch wir machen das alles ehreamtlich.“ SPD-Chef Blettermann sieht den Bürgerhaushalt als Schritt in die richtige Richtung.

„Wenn man die Leute kriegen will, muss man zu ihnen hingehen, auf den Spielplatz, in die Unternehmen. Die Resignation ist groß. Ich erlebe das bei Freunden, in der Familie, im Unternehmen“, so Christin Spindler. „Die Politik sollte besser zuhören“, findet sie. „Die Hausbesuche im Wahlkampf, die waren gut“, so die Geschäftsfrau. „Viele Entscheidungen müssen einfach auch besser erklärt werden“, findet Leymann.

Christin Spindler wollte auch noch Erfreuliches loswerden. Nach ihrem Appell am letzten MAZ-Stammtisch in Sachsenhausen, bei dem sie beklagte, dass sich junge Leute nicht mehr fürs Handwerk interessieren, „hat sich bei uns die Bewerberzahl verfünffacht. Zum 1. August haben wir drei Azubis und sind dann 14 Mitarbeiter. Es gibt tolle junge Leute, man muss sie nur finden.“ Das ginge nur über Präsenz, in den sozialen Medien oder Schulprojekten wie das ihrer Zimmerei in der Clermontschule.

Von Heike Bergt

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