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Selbsthilfegruppen geht die Luft aus

Inklusion in Hennigsdorf Selbsthilfegruppen geht die Luft aus

Immer weniger Mitglieder haben die Hennigsdorfer Selbsthilfegruppen, erklärte der Behindertenbeauftragte Jörg Rühle kürzlich im Sozialausschuss. Grund ist vor allem, dass das Durchschnittsalter der Menschen mit Behinderung steigt und es genug Alternativen in Berlin gibt. Bei der Barrierefreiheit ist er zufrieden, kritisiert aber den Postplatz und Arztpraxen.

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Den Tag mit behinderten Menschen gibt es wieder am 28. April auf dem Postplatz.

Quelle: Foto: M.Paetzel

Hennigsdorf. „Besorgnisserregend“ nennt Jörg Rühle die Tatsache, dass das Durchschnittsalter von Behinderten in Hennigsdorf klettert. Eine Konsequenz daraus: den Selbsthilfegruppen (SHG) in der Stadt gehen die Mitglieder aus. Die SHG für Krebskranke Frauen und die SHG „Dolce Vita“ für Diabetiker mussten sich deshalb im vergangenen Jahr auflösen, eine dritte Gruppe stand kurz davor, erklärte Hennigsdorfs Behindertenbeauftragter im Sozialausschuss.

Nun gibt es nur noch sieben Gruppen, unter anderem die Ortsgruppe der Rheumaliga, die Gruppe Morbus Parkinson oder die Lebenshilfe-Gruppe für geistig Behinderte. „In Hennigsdorf haben wir etwa 5000 Menschen mit Behinderung, aber nur ein verschwindend geringer Prozentsatz besucht diese Gruppen“, so Rühle. Neben dem steigenden Alter sei ein anderer Grund, dass es in Berlin schon etliche Gruppen gebe. „Und die Anbindung nach Berlin ist ja gut.“ Das sei nicht grundsätzlich schlecht, der Behindertenbeauftragte wolle aber auch in Hennigsdorf viele Selbsthilfegruppe halten. Immerhin könne man sie hier gezielt fördern. Die Gruppen seien wichtig für die Menschen. „Sie laden sich zum Beispiel Experten ein, die zum Krankheitsbild informieren, außerdem kann man kann sich austauschen.“

Ansonsten zeigt sich Hennigsdorfs Behindertenbeauftragter zufrieden, vor allem bei der Barrierefreiheit. In der Stadt habe sich seit der Wende viel getan. „Die Bordsteine sind fast überall abgesenkt, für Blinde gibt es das richtige Oberflächenmaterial, so dass sie Gefahrenstellen bemerken. Und die meisten Gehwege sind so ausgebaut, dass Rollifahrer gut rüberkommen“, so Rühle. Eine Ausnahme ist hier der Postplatz mit seinem Holperpflaster. Rollifahrer würden durchgeschüttelt, weil Rollstühle keine Federung hätten. „Das geht auf die Gelenke und die Blase“, so Jörg Rühle. Er hofft, dass der Platz so schnell wie möglich barrierefrei ausgebaut wird. Laut Stadtverwaltung soll der Platz nach Wiedereröffnung des Ziel-Centers im Frühjahr 2017 saniert werden. Rund 900 000 Euro Fördermittel kommen dafür vom Land. Eigentlich sollte das Projekt schon 2015 fertig werden, samt glattem Betonpflaster, Leitsystem für Menschen mit Handicaps, neuen Sitzmöglichkeiten, Fahrradständern und Beleuchtung – doch die schlechte Haushaltslage verhinderte das.

Ein großes Problem sei außerdem, dass viele Arztpraxen nicht für Rollifahrer zugänglich seien. „Behinderte Menschen sind als von der freien Arztwahl ausgeschlossen, das ist ein unhaltbarer Zustand!“ Würden die Praxen barrierefrei gestaltet, hätten doch auch die Ärzte etwas davon, nämlich mehr Patienten, sagt Rühle.

Von Marco Paetzel

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