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Oberhavel Seniorenbeirat: Sieben auf einen Streich
Lokales Oberhavel Seniorenbeirat: Sieben auf einen Streich
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22:55 08.05.2017
Kerstin Kausche (CDU), Ina Nehls (Moderation), Alexander Laesicke (parteilos), Enrico Rossius (Linke), Kevin Blüthgen (parteilos), Jan Radke (AfD), Jennifer Collin (SPD) und Heiner Klemp (Grüne, v. l). Nicht dabei: Friedemann Humburg (parteilos). Der Pfarrer begleitete dine Beerdigung. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

Wird in Oranienburg mehr für Reiche als für Arme gebaut? Wie viele Neubürger verkraftete die Stadt, um nicht das einzubüßen, was sie lebenswert macht? Und wie kann man erreichen, dass die Ortsteile besser und vor allem öfter per Bus angefahren werden? Und das nicht erst in 100 Jahren? Fragen, mit denen sich gestern Vormittag Bürgermeisterkandidaten von Oranienburg im Regine-Hildebrandt-Haus konfrontiert sahen. Eingeladen hatte der Seniorenbeirat der Stadt – die Moderation lag in den Händen von Journalistin Ina Nehls. Rund 40 Interessierte kamen.

Wir brauchen Wohnraum für alle Schichten“, sagte Heiner Klemp (Grüne). Das ginge vor allem dort am besten, wo die Stadt Eigentümer der Grundstücke sei. Allerdings sei die Balance wichtig. Er lehne es ab, „dass der Landkreis in Lehnitz-Ost 1:1 Sozialwohnungen baut“, damit entstehe ein neuer sozialer Brennpunkt. „Wir müssen da unsere kommunale Planungshoheit in die Waagschale werfen“, forderte er.

„Wir müssen die gezielt unterstützen, die es brauchen, wie Alleinerziehende oder behinderte Menschen“, so Enrico Rossius (Linke). Die Woba tue das nicht. 29 Wohnungen für Bedürftige in der Gartenstraße stünden fünf Stadtvillen an der Havel entgegen. Vor allem Junge zögen weg, weil sie keine Wohnung in fänden. Es erinnere ihn an die Nachwendezeit, als alle in den Westen gingen, „weil sie hier kein Zukunft sahen.“

„Es ist doch eine Illusion, immer für jede Gruppe den richtigen Wohnraum parat zu haben“, findet Alexander Laesicke (parteilos). Wichtiger sei die Frage: Wie stark soll die Stadt wachsen, „ohne die Idylle zu zerstören, die wir so schätzen? Wir leben am Rande eine Millionen-Metropole“, das beschere immer Kapazitätsprobleme, ob bei Schulen, Kitas, Wohnraum.

Für Kerstin Kausche (CDU) ist die entscheidenden Frage: „Wollen wir für die Oranienburger bauen, damit sie nicht weggehen oder die Zuzügler. Ich bin für Erstes. Das hat Vorrang." AfD-Kandidat Jan Radke ist überzeugt: „Oranienburg muss langsam wachsen. Wir müssen uns das auch leisten können und dürfen der nächsten Generation keine Schulden hinterlassen.“

Ziemlich einig waren sich die sieben Kandidaten zum Thema Buslinien. Ob in der City oder in die Ortsteile: Sie fahren einfach zu selten. Einer Stadtbuslinie gehöre die Zukunft. Und dazu ergänzend ein „Bürgerbus“, so der Vorschlag von Jennifer Collin (SPD). Die Meinungen gingen auseinander, ob die Stadt die Stadtbuslinie in Eigenregie betreiben sollte oder mit Kreis eine Lösung findet muss.

In der nächsten Stadtverordnetenversammlung soll das neue Nahverkehrskonzept beschlossen werden, „und ein separater Beschluss, die Stadtbuslinie auch umzusetzen“, so Rossius. Er sieht darin eine generelle Misere: „Wir beschließen etwas und die Verwaltung kümmert sich einen feuchten Kehricht darum“, polterte er. „Wir möchten ein Busnetz, damit die Leute vom Auto wegkommen. Wir brauchen ein Umdenken. Die Stadt ist schon jetzt mit Autos verstopft“, so Laesicke. „Wir sollten mit dem Kreis gemeinsam nach einer Lösung suchen“, so Kerstin Kausche.

Zu einem Blick in die Zukunft forderte Ina Nehls die Kandidaten auf bei der Frage: Und wie stellen Sie sich Ihr Leben mit 75 vor? Heiner Klemp sieht sich „in Lehnitz mit einem Bus nach Oranienburg“. „Mit Kind und Kegel unter einem Dach und einem Haus in der Stadt, in dem sich Jung und Alt engagieren können“, hofft Jennifer Collin. Jorg Radke: „Im Eigenheim und nicht allein“. Kevin Blüthgen: „Wenn als Bürgermeister alles gut gelaufen ist, möchte ich Erreichtes gemeinsam mit allen genießen.“ Enrico Rossius hofft „die Kinder in der Nähe zu haben, aber auch eine Kita, einen tollen Strand am Lehnitzsee und einen Bus, der in die City bringt.“ Alexander Laesicke wünscht sich, „so wie jetzt in einem Generationenhaus mit der Familie zu leben, gesund zu sein und ein Buch zu schreiben“ und Kerstin Kausche möchte unbedingt „Klavierspielen lernen“.

Von Heike Bergt

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