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Sexuelle Nötigung: Nein heißt nein!

Oranienburg Sexuelle Nötigung: Nein heißt nein!

Mann aus Oberkrämer nötigt seine Ehefrau sexuell – das Schöffengericht verurteilt ihn zu zweieinhalb Jahren Haft. Der Verteidiger hatte das allerdings anders gesehen.

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Justizia hat das Urteil gefällt.

Quelle: Fotolia

Oranienburg. Der vor dem Oranienburger Schöffengericht verhandelte Fall gegen einen Mann aus Oberkrämer passt genau in die zurzeit viel diskutierten „me-too-Enthüllungen“. Es ging um sexuelle Nötigung – in der Ehe. Im Gesetz ist klar festgelegt: Nein heißt nein!

Diese Erfahrung musste Marcel W. am Donnerstag machen. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Eindringlich brachte es die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer mit den Worten auf den Punkt: „Weder das Ehegelübde, die körperliche Überlegenheit oder ein besoffener Kopf gibt dem Mann das Recht, seine Frau zu missbrauchen.“ Daher wurde eine zweieinhalbjährige Gefängnisstrafe gefordert. „Wir haben es mit dem tragischen Ende einer Ehe zu tun, wo einer dem anderen nichts Gutes mehr gönnt. Eifersucht ist nicht strafbar“, versuchte der Verteidiger den Angeklagten in Schutz zu nehmen. Für ihn wäre die sexuelle Nötigung nicht zweifelsfrei erwiesen. Er beantragte einen Freispruch.

Nach dem Mädelsabend ging es los

Was war geschehen? Am 12. Februar vorigen Jahres machten sich die Ehefrau des Angeklagten und ihre Freundin Cindy D. einen „Mädelsabend“. Sie gingen ins Kino und fuhren anschließend nach Berlin. Währenddessen saßen ihre Männer – beide Ehepaare sind seit Längerem befreundet – beim Bier in der heimischen Garage des Angeklagten. Der wurde immer nervöser und versuchte, seine Frau permanent übers Handy zu erreichen, sagte Thomas D. als Zeuge aus. Als die Frauen nach Hause kamen, wurde die Stimmung zwischen den beiden immer gereizter, deshalb zog sich das andere Pärchen zurück. Marcel W. warf seiner Frau vor, sich mit einem anderen Mann eingelassen und die Freundin als Alibi dabei benutzt zu haben. Er habe sie versucht zu vergewaltigen. Sie konnte sich befreien und kam mit blauen Flecken an Armen und Oberschenkel davon, sagte Kathrin W. aus. 16 Jahre leben sie schon zusammen. Kurz nachdem der erste Sohn geboren war, wäre er schon einmal handgreiflich geworden, sagte sie. Sie habe sich von ihm getrennt, worauf er sich entschuldigte und versprach, nicht mehr zu trinken.

Ein Kasten Bier am Tag ist kein Problem

Das ging anfangs gut, er wurde aber rückfällig. „Einen Kasten Bier schafft der locker am Tag“, führte die Zeugin weiter aus. Durch den Alkoholmissbrauch wurde er immer aggressiver und eifersüchtiger, er hatte einen „Kontrollwahn“. Nach diesem Vorfall habe sie sich von ihm getrennt. Nur zwei Wochen später waren sie bei ihren Freunden zu einer Party nach Neulöwenberg eingeladen. Um den Schein zu wahren und mit dem Versprechen, dass er nichts trinken wird, ließ sie sich darauf ein. Aber er betrank sich wiederum und bedrängte sie sexuell im Gästezimmer, obwohl die beiden Kinder dort schliefen. Freunde kamen zu Hilfe und warfen den Störenfried hinaus und holten die Polizei. Die fand den Angeklagten im Kofferraum seines Pkws. Inzwischen ist die Scheidung beantragt. Marcel W. darf sich der Frau und den Kindern nicht nähern.

Die Richter beließen es bei einer Bewährungsstrafe, weil sie dem Angeklagten zugute hielten, dass er sich inzwischen erfolgreich einer mehrmonatigen Suchttherapie unterzogen habe.

Von Helmut Schneider

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