Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Sexueller Missbrauch bringt Nachbarschaft auf

Glienicke Sexueller Missbrauch bringt Nachbarschaft auf

Sexueller Missbrauch und Menschenhandel eines Netzwerks von Pädophilen in mehr als 500 Fällen – zwei Männer stehen deshalb in Berlin vor Gericht. Laut Staatsanwaltschaft haben sie sich an Jungen vergangen und die Kinder an Freier vermittelt. Gezielt sollen sie dabei schwierige Familienverhältnisse ausgenutzt haben. Einer der Tatorte liegt in Glienicke/Nordbahn.

Voriger Artikel
Zwei Mark Trinkgeld
Nächster Artikel
Triebwagen verliert Dieselkraftstoff

Insgesamt 511 Taten werden den vier Beschuldigten zur Last gelegt, davon entfallen 426 auf die beiden Hauptbeschuldigten.

Quelle: dpa

Glienicke/Berlin. „So ein Dreckschwein!“ „Unfassbar!“ „Solche Schweine haben das Recht auf Leben in einer Gesellschaft für immer verwirkt“. „Und alle hielten ihn für einen hilfsbereiten, netten Nachbarn in Glienicke.“ Einige Einwohner der Nordbahngemeinde haben im sozialen Netzwerk bereits ihr Urteil über Jens B. gefällt – die Justiz noch nicht. Gegen den 51-Jährigen mit den Decknamen „Marco“ und „Markus“ wird seit dem 3. Februar vor dem Landgericht Berlin verhandelt. Ihm wird vorgeworfen, Kopf eines Pädophilen-Netzwerks in Berlin gewesen zu sein. Konkret geht es um sexuellen Missbrauch und Menschenhandel in 511 Fällen.

Ex-Polizist sitzt ebenfalls auf der Anklagebank

Neben dem Hauptangeklagten, der als ehemaliger Bauunternehmer mit seiner Mutter in einem Einfamilienhaus mit Sauna in Glienicke lebte, sitzt der 53-jährige Ex-Polizist Harald W. alias „Harry“ aus Berlin auf der Anklagebank. Ihre beiden mutmaßlichen Komplizen, 78 und 80 Jahre alt, sind laut Gutachter zu krank für einen Prozess. Ihr Verfahren wurde bereits vor Prozessbeginn abgetrennt.

„Marco“ soll laut Berliner Staatsanwaltschaft Kern eines in Berlin aktiven Netzwerkes gewesen sein, das mehr als sieben Jahre lang kleine Jungen sexuell missbraucht habe. 13 Jungen werden als Geschädigte genannt, das jüngste Opfer sechs Jahre alt, das älteste 13. „Die Jungen stammten aus wirtschaftlich prekären und dissozialen familiären Verhältnissen“, heißt es. Die Angeklagten hätten dies gezielt ausgenutzt, „indem sie die Jungen für sexuelle Dienste entlohnten oder sie an andere Freier vermittelten“. Mal habe es 15 Euro gegeben, mal 20, 50 oder 80 Euro. Tatzeitraum: Juli 2002 bis Ende 2009. Sieben der mutmaßlichen Opfer nehmen als Nebenkläger am Prozess teil.

Im Kleinbus, im Keller und in der Sauna missbraucht

Jens B. werden 379 Taten zur Last gelegt, Harald W. 47, Hans S. 74 und Peter Q. elf. In einem grünen Kleinbus habe „Marco“ seine jungen Opfer abgeholt, sich an ihnen vergangen und sie zu anderen Pädophilen gebracht. Als weitere Tatorte werden die Wohnungen von Komplizen genannt – und der Keller sowie die Sauna im Glienicker Einfamilienhaus der Mutter.

Laut Staatsanwaltschaft verschaffte sich Jens B. den Zugang zu den Familien der betroffenen Kinder, indem er bei Einkäufen und anderen Angelegenheiten ausgeholfen und zudem eine finanzielle Unterstützung gegeben habe.

Im April 2015 wurde „Marco“ verhaftet. Acht Wochen später wurde er gegen Auflagen von einer weiteren Untersuchungshaft verschont. Flucht- oder Verdunklungsgefahr wird nicht befürchtet.

Ermittlungsergebnisse waren seit Jahren bekannt

Der ehemalige Polizist Harald W. sitzt nicht zum ersten Mal als Angeklagter vor Gericht. „Harry“ war 45 Jahre alt, als er wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt wurde. Damals stand für den Richter fest: Über mehrere Jahre hinweg hatte er sich an drei Opfern vergangen. Das damalige Urteil bezog sich auf 25 Fälle. Nach den Worten seiner Anwältin habe er seine Taten „vollständig verbüßt und eine Therapie gemacht.“ Die ihm jetzt zur Last gelegten Taten stünden aber in einem zeitlichen Zusammenhang mit den früheren. Deshalb bekam er keinen neuerlichen Haftbefehl mehr.

Auch die jetzt verhandelten Taten waren der Justiz seit vielen Jahren bekannt. Bereits im Juli 2011 hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungsakten erhalten, aber bis zum Herbst 2014 nicht bearbeitet. Wie es zu diesem Zeitverzug kam, blieb an den ersten beiden Verhandlungstagen zunächst offen.

Von Helge Treichel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg