Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Sie bangen um ihr Vereinsheim

Brieftaubenzüchter aus Oranienburg Sie bangen um ihr Vereinsheim

Jedes Wochenende treffen sich die Brieftaubenzüchter in der Saarlandstraße in Oranienburg. Von dort aus schicken sie ihre Tauben in weit entfernte Orte in ganz Europa. Hunderte Kilometer fliegen die Tiere von dort zurück zu ihren Züchtern und orientieren sich dabei nur an der Sonne. Seit 36 Jahren leben sie ihr außergewöhnliches Hobby. Nun aber bangen die Züchter um ihr Vereinsheim.

Voriger Artikel
Das Gebälk ist morsch
Nächster Artikel
Mann fährt Kind bei Ausflug an und flüchtet

Enrico Gerson, Heinz Hucke und Lutz König (l.) sind leidenschaftliche Brieftaubenzüchter .

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. Es ist Freitag. Für die Brieftaubenzüchter ein fester Termin. Am Abend bringen sie ihre Tiere zur Brieftaubeneinsatzstelle in die Saarlandstraße. Dort hat der Sportverein Reisevereinigung Oberhavel sein Vereinsgebäude und eine seiner drei Einsetzstellen.

Im Vereinsraum stehen die Boxen übereinandergestapelt. „Etwa 20 Tiere kommen in eine Box“, erzählt Enrico Gerson, der Oranienburger Vereinsvorsitzende. Die aufgestapelten Aluboxen reichen für 1000 Brieftauben.

Am Sonnabendvormittag haben Gerson und seine Mitstreiter eine Menge zu tun. Die Tauben werden in einen Lkw verladen und an den Ort gebracht, wo sie aufgelassen werden, um dann so schnell wie möglich den Weg nach Hause zu finden. Das spannende daran: Welche Taube legt am schnellsten die Strecke zurück? Das ist der Wettbewerb unter den Züchtern. „Dieses Mal geht’s nach Minden, das sind etwa 300 Kilometer“, erzählt Gerson. Die Tauben orientieren sich nur an der Sonne und finden so ihr Zuhause. Bis zu 100 Stundenkilometer schnell könne die Tiere fliegen. Ausgestattet sind sie mit einem Elektronikring am Fuß. Landen sie bei ihrem Züchter wieder im Taubenschlag, wird das registriert. „Und wir werten das am Sonntag aus“, erzählt Lutz König. Er ist der Elektronikexperte im Verein.

Letztes Wochenende mussten die Brieftauben aus Apeldoorn in Holland ihren Weg zurückfinden. „Und 2012 waren wir sogar bei der Olympiade in London dabei“, sagt Gerson. 960 Kilometer – das war eine besondere Herausforderung, denn die Tauben mussten etwa 100 Kilometer über den Kanal fliegen. „So was kennen sie von hier doch gar nicht.“ Bis die Brieftauben so etwas beherrschen, müssen die Züchter viel Arbeit investieren. „Wir beginnen mit kleinen Strecken von 50 Kilometern“, sagt Gerson. In der Saison von April bis Ende September treffen sich die Taubenzüchter jedes Wochenende in der Saarlandstraße. Und dort sitzen die Vereinsmitglieder auch mal zusammen.

Aber vielleicht wird das bald nicht mehr lange so sein. „Wir sind ein wenig irritiert“, sagt Gerson. Das Grundstück an der Saarlandstraße hat der Verein gepachtet. „Aber unser Vereinshaus haben wir 1981 mit eigenen Händen aufgebaut“, erzählt Heinz Hucke. Der 75-Jährige muss es wissen, er hat den Verein mitgegründet und war damals selbst ernannter Bauleiter. „Hier war damals gar nichts“, erzählt Heinz Hucke. „Bloß drei Bombentrichter, die wir zugeschoben haben.“ Von Jahr zu Jahr wird der Pachtvertrag mit dem Verein verlängert. Eine Verwalterin ist damit beauftragt, weil keine Erben nach der Wende gefunden wurden. Die Verwalterin hat nun dem Verein mitgeteilt, das Grundstück solle verkauft werden. Würden die Brieftaubenzüchter 87 000 Euro auf den Tisch legen, könnten sie es haben. Natürlich haben sie dieses Geld nicht. Die Männer vermuten, dass nun doch ein Erbe aufgetaucht ist.

Am 4. Juli gibt es einen Termin mit der Verwalterin. Die Männer hoffen nur, dass vielleicht ein Kompromiss zustande kommt. Denn sonst verlöre der Verein seinen Hauptsitz und wüsste nicht wohin. Vielleicht fände sich auch noch ein anderes Domizil. Doch nach 36 Jahren die Einsatzstelle an der Saarlandstraße zu räumen, das kann sich keiner der Männer wirklich vorstellen.

Die Brieftaubenfreunde

Im Sportverein Reisevereinigung Oberhavel sind Brieftaubenzüchter organisiert. Seit 36 Jahren ist der Vereinssitz in der Saarlandstraße, wo sich auch eine der drei Einsatzstellen befindet.

Der Verein hat 90 Mitglieder, die sich in der Saison von April bis Ende September jedes Wochenende in den Einsatzstellen zu Wettbewerben treffen.

Das Vereinsgebäude wurde in Eigenarbeit errichtet. Das 900 Quadratmeter große Grundstück ist gepachtet.

Von Andrea Kathert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg