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Oberhavel Sie bleibt bis zum Tod an seiner Seite
Lokales Oberhavel Sie bleibt bis zum Tod an seiner Seite
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12:49 02.08.2016
Kathrin Henkel im Büro des ambulanten Hospiz-Dienstes in Oranienburg. Quelle: Marion Bergsdorf
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Oranienburg/Kremmen

Schwerkranke bis zum Tod begleiten? Das ist nicht jedermanns Sache. Das Thema Sterben schieben viele Menschen gerne von sich weg.

Nicht so Kathrin Henkel aus Kremmen. Sie hat gerade einen 100-Stunden-Lehrgang als Hospizbegleiterin absolviert. Schon während ihrer Ausbildung betreute die 44-Jährige Justizbeamtin eine 71-jährige Frau, die bereits im stationären Hospiz in Oranienburg untergebracht war. Natürlich sei es traurig, wenn ein Mensch sterbe. Doch auf dem Weg dorthin, „gibt es so viel Positives, dass einem das Herz aufgeht“, sagt Kathrin Henkel und erzählt: „Wenn ich zur Tür reinkam, hat sie gestrahlt. Sie war meist witzig und gut gelaunt. Wenn ich ging, winkte sie mir nach, bis ich nicht mehr zu sehen war.“

Vor vier Jahren hatte Kathrin Henkel nach einem Burnout Zeit zum Nachdenken. Sie suchte einen Ausgleich zum Job und wollte, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, nicht nur Sklave von Haus und Hof sein. Das Schicksal schwerkranker alter Menschen ging ihr nahe. Mitarbeiter von Pflegediensten würden zwar fragen „Na, wie geht es heute?“, doch die Antwort könnten sie oft nicht abwarten. Kathrin Henkel entschloss sich, Schwerkranken Zeit zu schenken. Das Handy abzuschalten und ganz für sie da zu sein. „In meinem Job geht es um Straftaten, da entstehen keine Glücksgefühle. Mit meiner Arbeit als Betreuer habe ich sie.“

Ambulanter Hospizdienst in Oberhavel

Der Oberhavel Hospiz e. V. ist ein ambulanter Hospizdienst mit Sitz an der Sachsenhausener Straße 36 in Oranienburg, Telefon: 03301/20 74 45, E-Mail: oberhavel-hospiz@gmx.de. Ansprechpartner sind Ines Knospe und Argid Rutenberg.

Die Leistungen des ehrenamtlichen ambulanten Hospizdienstes sind für die Betreuten und deren Angehörige kostenfrei.

Leistungen: Der Verein hilft bei der Vermittlung von ambulanten Pflegediensten, Pflegemitteln und behördlichen Anträgen. Ziel ist es, den Betreuten das Leben in ihrer gewohnten Umbebung im Kreis ihrer Familie zu ermöglichen.

Ihr Mann möchte von Hospiz, von Sterben und Trauer, nichts hören. Doch er lässt sie machen und ist auch stolz auf sie, dass sie sich um Schwerkranke kümmert. Kathrin Henkel betreut mittlerweile den Ehemann ihrer verstorbenen ersten Patientin. Dieser hatte beim Hospizverein angerufen und gefragt, ob Frau Henkel, die er als Begleiterin seiner Frau kennengelernt hatte, auch ihn unterstützen könnte. Der 77-Jährige ist schwerstkrank und sitzt im Rollstuhl. Er rief im Hospizverein an, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden und nichts zu seiner häuslichen Versorgung geklärt war. Mittlerweile ist ein Pflegedienst eingeschaltet. Als der Antrag auf einen elektrisch betriebenen Rollstuhl abgelehnt worden war, half der Hospizverein beim Schreiben des Widerspruchs. Nun kann der Mann mit seinem elektrischen Rollstuhl auch draußen spazieren fahren und seinen Hund ausführen. Wenn sich Kathrin Henkel zum Besuch ankündigt, hat er schon das Tor seines Grundstückes geöffnet und freut sich auf das Gespräch mit seiner Hospizbegleiterin.

87 ehrenamtlich tätige Begleiter, darunter 13 Männer, sind für den ambulanten Hospizdienst, ein gemeinnütziger Hospiz-Verein für Oberhavel mit Sitz an der Sachsenhausener Straße in Oranienburg, tätig. Sie gehören diversen Berufen an, kommen aus dem Sozialbereich, Bankwesen, der Justiz, sind Informatiker oder Erzieher. Alle sind durch persönliche Erlebnisse zu diesem Ehrenamt gekommen. Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Man müsse gerne auf Menschen zugehen, sagt Ines Knospe vom Hospiz-Verein. Und man dürfe das Thema Tod nicht von sich weisen. Denn emotional gehe es schon zur Sache. Die Begleiter wollen schwerkranke Menschen und ihre Angehörige in der letzten Lebensphase unterstützen. Da werde geweint und gelacht. „Diese Arbeit erdet einen“, so Knospe. Das hat auch Kathrin Henke bereits erfahren. „Ich merke, dass ich toleranter geworden bin.“

Jeder Hospizbegleiter hat eine Ausbildung von rund 100 Stunden zu absolvieren. Maximal zwei Begleitungen sind pro Jahr vorgesehen. Denn die Ehrenamtlichen sollen auch für sich selbst Sorge tragen. Jederzeit kann sich jeder Begleiter eine Auszeit nehmen, falls eine private Situation ihn zu sehr beansprucht. Oder falls ihm der Tod eines Betreuten nahegeht. Für solche Fälle gibt es die Supervision, ein Psychologe steht dann auch dem Betreuter zur Seite.

Von Marion Bergsdorf

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