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Sie können für sich selbst sprechen

Behindertenarbeit in Oranienburg Sie können für sich selbst sprechen

Was ihnen wichtig ist, was ihnen gefällt und wo sie große Probleme haben _ all das formulierten Behinderte sehr deutlich auf einer Veranstaltung in der Caritas-Einrichtung St. Johannesberg. SPD-Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann, der dazu eingeladen hatte, nahm einige der Anregungen mit nach Potsdam.

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Es war eine rege Diskussion, in der es um die Belange von Bewohnern und Beschäftigten von Behindereinrichtungen ging.

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. „Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag Politiker wären?“ So lautete die Eröffnungsfrage bei der Diskussionsrunde in der Caritas Einrichtung St. Johannesberg am Donnerstagabend. Moderator Robert Tiesler, seines Zeichens Autor, Journalist und Mitarbeiter der MAZ moderierte die Veranstaltung, zu der SPD-Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann eingeladen hatte.

Die Bewohner und Werkstattbeschäftigten des St.Johannesberges, der Nordbahn gGmbH udn der Lebenshilfe Oberhavel-Süd ließen sich ich lange bitten. Sie hatten sich bestens vorbereitet und viel zu sagen zum Thema Behinderte in Oranienburg.

Das Thema Gewalt sorgte bei allen Teilnehmern für Betroffenheit

Das Thema Gewalt sorgte bei allen Teilnehmern für Betroffenheit.

Quelle: Andrea Kathert

Würde Björn Lüttmann wirklich mal für einen Tag seinen Sessel im Landtag räumen, dann würden die Bewohner einiges in der Stadt ändern. Dann wäre Schluss mit dem Beamtendeutsch und den komplizierten Anträgen, die niemand versteht. Alles müsste in einer einfachen Sprache formuliert sein. Dann gäbe es keine hohen Bordsteine mehr in der Stadt und Busse, die so voll sind, dass gehbehinderte Menschen erst gar nicht mehr mit reinkommen. Dann würde es eine gerechtere Bezahlung für die Arbeit in den Werkstätten geben. Dann würde es mehr Wohnungen in Oranienburg geben, in denen auch Behinderte leben können. Es gäbe mehr Parkplätze in der Stadt. Und die Drehkreuze in den Supermärkten würden verschwinden. Auf den Bahnhöfen, besonders in Lehnitz, würden die Aufzüge ständig funktionieren. Der Bus der Linie 804 würde im 20-Minuten-Takt fahren, die Gehwege wären immer gestreut, und auf Plakaten und Aushängen gäbe es keine kleine Schrift mehr.

Thomas Schneider erzählte, dass es vielen behinderten schwer fällt, die Sprache der Politiker zu verstehen

Thomas Schneider erzählte, dass es vielen behinderten schwer fällt, die Sprache der Politiker zu verstehen. An seiner Seite die Vorsitzende des Werkstattrates Corinna Derasch.

Quelle: Andrea Kathert


Wie man merkt, hatten die Behinderten ein ganzes Paket von Anregungen geschnürt, die sie mit Björn Lüttmann, mit Holger Dreher, dem Behindertenbeauftragten der Stadt, mit Uta Gerber, Geschäftsführerin der Lebenshilfe und mit Christoph Lau, dem Leiter der Caritas Werkstätten, diskutierten. Ein Thema jedoch löste bei allen Betroffenheit aus. Irena Saenger aus dem St. Johannesberg wünschte sich, „dass Menschen mit Behinderung weniger Gewalt erleben müssen.“ Corinna Derasch, Vorsitzende des Werkstattrates sagte: „Insbesondere bei sexueller Gewalt sind die Zahlen sehr hoch.“ Es gebe Studien, „die besagen, dass jede zweite Frau mit Behinderung bereits sexuelle Grenzverletzungen oder Missbrauchserfahrungen machen musste.“ Nicht seltener seien auch Männer davon betroffen. Auch verbale Gewalt erleben die Behinderten häufig. „Du bist doch blöd, das kannst du sowieso nicht“, sidn Sätze, die sie öfter hören.
„Wir wissen, dass so etwas vorkommt“, sagte Uta Gerber. „Wir stehen bereit, um Sie zu unterstützen. Kommen Sie zu uns, zu ihren Betreuern, wehren Sie sich.“

Holger Dreher konnte verkünden, dass in der Stadtverwaltung gerade daran gearbeitet wird, das Thema leichte Sprache umzusetzen und Behördenbriefe anders zu formulieren. Dreher regte auch an, den Discountern Auflagen zu erteilen, um die Drehkreuze abzuschaffen. Zum Thema Parkplätze verwies er darauf, dass Behinderte mit einer Sondergenehmigung überall kostenlos parken können.

Björn Lüttmann, der sich über die Mitarbeit der Bewohner sehr freute, wird Themen wie Gespräche mit der Bahn, Wohnungsbau und andere Anregungen mit nach Potsdam nehmen. Er regte auch an, derartige Veranstaltungen öfter durchzuführen.

Von Andrea Kathert

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