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Oberhavel Sie schneidet Obdachlosen kostenlos die Haare
Lokales Oberhavel Sie schneidet Obdachlosen kostenlos die Haare
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11:38 10.05.2017
Anders als sonst bekommt Jens Kolecki dieses Mal keinen „Iro“ gestylt. Quelle: Marco Winkler
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Oranienburg

Frage: „Wie immer?“ Antwort: „Nee, mach’ mal was Vernünftiges.“ Rauer Ton? Mitnichten! Eher typisch Brandenburg. Etwas laut, direkt, ohne Schnörkel. Janette Budtke und Garbriela Trümner gucken sich nach der Antwort erstaunt an. Damit hätten sie nicht gerechnet: Jens Kolecki, der seine Haare meist zu einem Irokesen gestylt hat, verlangt nach einem „richtigen Haarschnitt“ von der Friseurmeisterin Janette Budtke, die in Borgsdorf den Salon „Fönix Haarsysteme“ betreibt.

„Jensi“ sitzt in der Oranienburger Obdachlosenunterkunft auf einem Stuhl in der Küche, die zum kleinen Friseursalon umfunktioniert wurde. Janette Budtke schneidet an dem Tag den Menschen hier die Haare – kostenlos. „Es geht um mehr als nur einen Haarschnitt“, so Gabriela Trümner vom Verein der Johanniter-Unfall-Hilfe. Sie ist Ansprechpartnerin in der städtischen Unterkunft. Es gehe um Gesellschaft, das Wiedersehen, Unterhaltungen.

Patrick Tresen lässt sich von Janette Budtke die Haare schneiden. Seit Ende März lebt der 20-Jährige im Obdachlosenheim. Quelle: Marco Winkler

Jens Kolecki kommt dazu extra aus Velten. Dort wohnt er seit Oktober vorigen Jahres in einer Pension. „Davor war ich fast sechs Jahre lang obdachlos.“ Er hat lange in einem Zelt am Oranienburger Havelufer gelebt. Immer dabei: Seine Hündin, Halt- und Angelpunkt. Später musste er sie abgeben, weil er krank wurde. Bauchspeicheldrüse. Er hat sich selbstständig um eine Betreuerin gekümmert – und machte eine Erfahrung, die viele Obdachlose tagtäglich machen müssen: Sie fühlen sich im Stich gelassen.

Patrick Tresen kennt das. Der 20-Jährige lebt seit Ende März in der Oranienburger Unterkunft. „Es ist scheiße gelaufen, jetzt bade ich es aus“, sagt er. Janette Budtke kürzt seine langen Haare etwas, schneidet viel „Mähne“ raus. Der junge Mann will wieder Anschluss finden. Viele Bewohner der Unterkunft bleiben jedoch über Jahre – weil die Perspektive fehlt oder, wenn sie eine Wohnung finden, es keine notwendige Nachbetreuung gibt.

Mehr als nur ein offenes Ohr

Janette Budtke, die auch „Rock im Hirsch“ organisiert, hat mehr als ein offenes Ohr: sie hat Verständnis. Ihr Umgangston ist herzlich-rau. Als alleinerziehende Mutter, selbstständig noch dazu, kennt sie die Höhen und Tiefen des Lebens. Auf einmal stand sie auch da – nur noch mit zwei Koffer in der Hand, mehr nicht. Doch sie hat sich aufgerappelt. Jetzt gibt sie zurück: „Das erdet mich.“

Da hat sich am Dienstag der Einsatz für die Friseurin richtig gelohnt! Quelle: privat

Für sie ist jeder Haarschnitt ein Stück „Wertschätzung in unserer Wegwerfgesellschaft.“ Für ihre Aktion sammelt sie seit Jahren schon Spenden von Kunden, Freunden, über Facebook. Alle wollen helfen, spenden Kaffee, Shampoo, Duschzeug. „Was man im Alltag eben braucht.“

Ihr großer Vorteil: Sie kann mit den Obdachlosen ungezwungen reden, versinkt weder in Mitleid, noch betüdelt sie sie. Die Friseurmeisterin kommt mit ihrer unkomplizierten Art und der sympathischen Kodderschnauze an. Augenhöhe ohne Blatt vor dem Mund. Das merken besonders am Dienstag ihre Kunden wie Jens Kolecki und Patrick Tresen, die für ihre neuen Haarschnitte viel Lob bekommen.

Von Marco Winkler

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