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Sie sorgt für Aha-Erlebnisse

Velten Sie sorgt für Aha-Erlebnisse

Tatjana Stuchly bietet seit zehn Jahren touristische und geschichtliche Führungen in Velten an. Die Stadtspaziergänge stießen anfangs auf Skepsis, etablierten sich aber schnell. An dem Programm wird ständig gefeilt.

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Tatjana Stuchly vor dem Gebäude einer historischen Ofenfabrik in der Veltener Wilhelmstraße.

Quelle: Heiko Hohenhaus

Velten. „Eine Führung durch Velten? Da gibt es doch nichts Interessantes.“ Das bekam Tatjana Stuchly zu hören, als sie vor zehn Jahren mit ihren Stadtspaziergängen begann. Seitdem hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Einwohner und Gäste Veltens vom Gegenteil zu überzeugen.

2007 hatte die Veltenerin einen Kurs für Reiseleiter und Gästebetreuungen bei der Industrie- und Handelskammer gemacht und nötige Praxis in Potsdam gesammelt.

Gleich beim ersten Stadtspaziergang sei die Resonanz sehr positiv gewesen, gab es zahlreiche „Ahas“ bei den Teilnehmern. „Das hat mich ermutigt, weiterzumachen“, erzählt die studierte Bibliothekswissenschaftlerin, die die Führungen nebenberuflich anbietet. Wesentliche heimatgeschichtliche Vorarbeit hatte unter anderem Kantor Gustav Gericke schon 1894 mit seiner Ortschronik geleistet.

Von Tatjana Stuchly erfahren die Stadtspaziergänger, dass Velten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Dorf mit typischem Anger (Breite Straße) mit wenigen hundert Einwohnern war, die überwiegend in der Landwirtschaft tätig waren. Erst mit dem industriellen Aufschwung Berlins kam der Wandel. Mit der Kachelindustrie entwickelte sich Velten zur Ofenstadt.

Die Gruppen, die an den Führungen teilnehmen sind ganz unterschiedlich. Manchmal sind es Klassentreffen, Geburtstagsrunden oder ganz gemischte Gesellschaften wie beim Keramikfrühling. Da müsse man sich immer auf das unterschiedliche Klientel einstellen.

Die Stadtspaziergänge beginnen meist an der evangelischen Kirche, „feiner friderizianischer Barock und eines der ältesten Gebäude Veltens“, inklusive Besichtigung des Altarraumes und der Orgelempore. Erste Stationen sind das Pfarrhaus und die Jugendstilvilla sowie die Concordia-Apotheke. Dort berichtet Tatjana Stuchly auch von der weiblichen Geschichte Veltens. Apothekergattin Emma Ihrer machte sich im 19. Jahrhundert für Frauenrechte stark, gab die Zeitschrift „Die Arbeiterin“ heraus. Das wurde dem Apotheker-Ehepaaar in Velten zum Verhängnis, wie Polizeiakten belegen. Sie gaben nach großem Druck schließlich auf und verließen die aufstrebende Stadt.

Die Stadtspaziergänge führen an der Töpferei Malenz in der Alten Feuerwache, den Schulen, der katholischen Kirche , dem Rathaus und historischen Ofenfabriken entlang. So wird die Entwicklung der Ofenstadt lebendig.

Anekdoten, wie die vom „Herrentuten“ gehören dazu. Während der dörflichen Epoche Veltens gaben Hirten zur Weihnachtszeit und an Silvester mehr oder weniger beliebte Konzerte mit selbst gebastelten Blasinstrumenten. Belohnt wurde es von den Bauern überwiegend mit Naturalien. Nachdem das „Herrentuten“ nach der Wende kurzzeitig wieder auflebte, sei es mit dem Ende des Gewerbe- und Traditionsvereins wieder eingeschlafen, bedauert die Stadtführerin.

Den Schlusspunkt der Spaziergänge bilden meist das Ofen- und Keramikmuseum sowie das Hedwig-Bollhagen Museum, die von vielen Teilnehmern der etwa zweistündigen Führungen noch besucht werden.

Im Verlauf der vergangenen zehn Jahre sei Veltens Stadtbild freundlicher geworden, schätzt die Fachfrau ein. Mit Rats- und Museumsgasse seien neue Verbindungsachsen geschaffen. „2007 haben Besucher noch einen Schock bekommen, wenn sie am Bahnhof ankamen“, sagt Tatjana Stuchly. Der Bahnhof habe inzwischen mit der Sanierung des Gebäudes deutlich gewonnen, auch wenn die Sanierung von Bahnsteig und Fußgängerbrücke noch ausstehen.

„Führungen sind nie etwas Statisches, weil auch die Städte nicht statisch sind. Mein Programm entwickelt sich weiter, passt sich an“ , sagt die Stadtführerin. Sie hofft, dass sie ihren Gästen bald Neues von Bahnsteigsanierung und S-Bahn-Anschluss in Velten erzählen kann. Nächster Termin ist am 11. Juni um 14 Uhr an der Kirche.

Von Heiko Hohenhaus

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