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Oberhavel Sind die Häuser noch zu retten?
Lokales Oberhavel Sind die Häuser noch zu retten?
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00:17 08.02.2016
Die Mittelstraße in Liebenwalde sieht teilweise sehr verfallen aus. Quelle: Robert Roeske
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Liebenwalde

Verfallen, grau, schmutzig, unansehnlich – es gäbe sicher noch viele Attribute, um zu beschreiben, wie es nach der Wende in Liebenwalde aussah. 1993 begann die Altstadtsanierung. Marion Michalski, Sachgebietsleiterin im Bauamt von Liebenwalde, war von Anfang an dabei. „23 Jahre machen wir das nun schon und sind immer noch nicht fertig“, sagt sie. Viele Straßenzüge sind zwar inzwischen ein Kleinod. Doch noch immer gibt es verfallene Fachwerkhäuser und Grundstücke, auf denen nur noch Ruinen stehen. Die Stadt hofft nun auf ein neues Förderprogramm. Davon soll als ein Schwerpunkt das letzte Sorgenkind der Stadt, die Mittelstraße, profitieren. „Es ist ganz schwierig, die Privaten mit ins Boot zu holen“, sagt Marion Michalski. Das war schon die ganzen Jahre so. Nun fällt mit dem neuen Programm auch noch die Fördermöglichkeit für Privatleute weg. Bei deren Grundstücken hat die Stadt schlechte Karten, um die baulichen Missstände beseitigen zu lassen. Doch viele Eigentümer ignorieren die Aufforderungen der Stadt, stellen sich taub, sind nicht auffindbar oder sitzen die Sache aus. Marion Michalski kann lange Geschichten davon erzählen. Das Bauamt versucht es trotzdem weiter, schreibt seit 2014 immer wieder die Eigentümer an und bittet sie, sich um ihre Häuser und Grundstücke zu kümmern. Notfalls muss die Stadt sich selbst was einfallen lassen.

Beim Grundstück Nummer 20 passiert so etwas. „Der Eigentümer wird es an uns verkaufen“, erzählt die Sachgebietsleiterin. Denn das Grundstück nebenan, die Nummer 22, gehört bereits der Kommune. Beide Flächen können dann gemeinsam entwickelt werden. Im Moment steht nur noch ein Nebengebäude auf dem Grundstück. Das Grundstück Nummer 18 ist inzwischen auch frei. Der Besitzer hat das baufällige Haus abgerissen. Das ging ohne Probleme, das Haus stand nicht unter Denkmalschutz. „Wir sind schon zufrieden, dass es beräumt ist“, sagt Marion Michalski.

Die Häuser Nummer 12, 14 und 16 sind in Privathand und alle in Ordnung. Daneben sieht es schon wieder ganz anders aus. Auf den beiden Flächen Nummer 8 und 10 stehen noch die Reste von Ruinen. Nach dem Abriss vor vielen Jahren hat sich nichts mehr gerührt. Inzwischen sind ansehnliche Birken darauf gewachsen. Der Eigentümer hat gewechselt, der Gläubiger will nun eine Zwangsversteigerung anmelden. „Vielleicht tut sich was in diesem Jahr“, hofft die Sachgebietsleiterin. Auch die Stadt dürfte bei der Zwangsversteigerung mitbieten.

Auf der anderen Straßenseite steht das Haus Nummer fünf. Es ist ein Einzeldenkmal. Ein junger Mann hatte es gekauft, als das rote Gebäude noch recht gut in Schuss war. „Aber seit Jahrzehnten wurde nichts gemacht“, weiß Marion Michalski. Jetzt wird das Ackerbürgerhaus zum Verkauf im Internet angepriesen. „Der Kaufpreis ist für die Stadt aber zu hoch.“ Sie hat sich ausgeklinkt.

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Das ist die hässliche Seite der Mittelstraße.

Gleich nebenan steht eine ganze „schlimme Bruchbude“, wie es die Sachgebietsleiterin beschreiben würde. Der jetzige Eigentümer reagiert nicht auf die Briefe der Stadt, wechselt immer wieder den Wohnsitz. Die Geschichte um dieses Haus hört sich ziemlich skurril an. Die ursprüngliche Besitzerin wollte mit dem Haus nichts mehr zu tun haben und meldete es als herrenlos. In solchen Fällen gehen die Immobilien an das Land oder die Kommune. Beide wollten es nicht haben. Nachdem es im Internet angeboten wurde, meldete sich ein junger Ingenieur und ließ sich ins Grundbuch eintragen. Der junge Mann entwickelte die tollsten Ideen, was aus dem Haus zu machen ist, schrieb sogar seine Ingenieurarbeit darüber. Doch das war’s dann. Er verkaufte das Haus an eine GmbH, die es ihrerseits auch nur weiter veräußern wollte und es als saniertes, sofort bewohnbares Einfamilienhaus anpries. Es gingen Gerüchte von Geldwäscherei um. Die GmbH als jetziger Eigentümer ist nicht auffindbar, das Haus verfällt immer mehr. Die Stadt hat deshalb beim Denkmalschutz und der Bauaufsicht eine Abrissgenehmigung beantragt und sie auch bekommen. Allerdings mit großen Auflagen. Es musste sogar ein Ingenieurbüro beauftragt werden, um ein Abrisskonzept zu erarbeiten. Das bedeutet wieder Geld, was die Kommune für andere ausgibt. Doch Bürgermeister Jörn Lehmann ist gewillt, alle Forderungen des Denkmalschutzes zu erfüllen, nur um den Schandfleck beseitigen zu können. Das ist alles problematisch, weil das Haus eben nicht der Stadt gehört. „Deshalb versuchen wir immer weiter, an den Eigentümer ranzukommen.“

Und nebenan geht es gleich weiter mit merkwürdigen Geschichten. Beim Haus Nummer 9, einem Doppelhaus, war sich die Stadt sicher, dass es nur noch abzureißen ist. In dieser Annahme kaufte sie das vollkommen verfallene Gebäude im Vorjahr für wenig Geld vom Eigentümer – einem alten, pflegebedürftigen Mann, der an der Ostsee lebt. Nun gibt es ein Problem. „Der Denkmalschutz sagt jetzt: kein Abriss. Das Haus soll saniert werden.“ Das Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung (ibs) aus Berlin wird nun ein Konzept erarbeiten.

Das Grundstück Nummer 13 gehört einem Privatmann, steht leer und könnte bebaut werden.

Bei der Nummer 15 handelte es sich um ein Einzeldenkmal. Nachdem eine Hälfte plötzlich abgebrannt war, durfte der Rest abgerissen werden. Nur wenige Ruinen standen noch. Der Eigentümer wurde das Grundstück aber nicht los. Die Stadt hat es ihm für wenig Geld schließlich abgekauft. Vor zwei Monaten wurde die Fläche komplett beräumt. Interessenten für einen Kauf und Neubau sind der Stadt willkommen. „So ein Neubau ist durchaus machbar“, sagt Marion Michalski. Schließlich sind in der Liebenwalder Altstadt schon mehrere neue Häuser gebaut worden. Und in der Mittelstraße könnten es gerne noch viel mehr werden.

Die Förderung für aktive Stadtzentren

1993 begann in Liebenwalde die Altstadtsanierung, gefördert vom Bund und vom Land, die ebenso wie die Kommune je ein Drittel der Kosten für Sanierungsprojekte übernahmen.

Seit fünf Jahren gibt es aus diesem Programm keine Fördermittel mehr. Was jetzt noch gemacht wird, sind sozusagen die „Nachwehen“ der Altstadtsanierung. „Noch ist das Konto nicht auf Null“, meint Marion Michalski. „Doch spätestens 2017 ist Schluss.“

Im neuen Förderprogramm von Bund und Land mit der Abkürzung ASZ für Aktive Stadtzentren sieht die Stadt eine Chance, die unter anderem die Altstadt weiter zu sanieren.

Ziel des Programms ist die Stärkung von zentralen innerstädtischen Versorgungsbereichen, die durch Funktionsverluste, insbesondere gewerblichen Leerstand, bedroht oder betroffen sind.

Im Oktober 2015 hat die Stadt beim Landesamt für Bauen und Verkehr in Cottbus ihr Interesse bekundet.

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Quartierentwicklung Mittelstraße. Die Förderung greift allerdings nicht für private Eigentümer.

Das Büro Stadtpartner ist schon dabei, ein Stadtentwicklungskonzept zu erarbeiten, im Frühjahr soll es fertig sein. Auch die Ortsteile haben nun die Möglichkeit, Maßnahmen zur Förderung zu beantragen.

Neubauten in der Mittelstraße dürfen nur in der Bauflucht entlang der Straße entstehen. Sie müssen der Gestaltungssatzung Rechnung tragen. Die hinter dem Haus liegenden Grundstücke werden über eine Tordurchfahrt erschlossen.

Von Andrea Kathert

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