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Oberhavel Sintflut in Oberhavel
Lokales Oberhavel Sintflut in Oberhavel
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09:51 02.07.2017
Land unter in Oranienburg, hier die Kreuzung Stralsunder Straße/Bernauer Straße. Durch die Bugwellen verloren viele Autos ihre Nummernschilder.. Quelle: FOTO: Helge Treichel
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Oranienburg

Anhaltende, wolkenbruchartige Regenfälle haben am Donnerstagnachmittag in Oranienburg und dem restlichen Kreisgebiet Straßen und Häuser überflutet. Der Straßenverkehr kam teilweise zum Erliegen. Um die plötzlich entstandenen, bis zu einem Meter tiefen Gewässer zu umfahren, wichen die Autofahrer kurzerhand auf die Gehwege aus. Gullys liefen über, mehrere Tiefgaragen wurden überschwemmt, Blaulicht und Sirenen noch am Abend in der Kreisstadt. Für die Einsatzkräfte herrschte Ausnahmezustand. Die Verkehrslage in Oranienburg hatte sich erst gegen 19 Uhr wieder etwas entspannt. Auch das Landratsamt in Oranienburg ist schwer beschädigt, der Serverraum wurde überflutet.

Oranienburg gegen 16 Uhr: Land unter. Quelle: Helge Treichel

Oranienburgs Stadtbrandmeister Sven Marten spricht am Nachmittag von einem Ausnahmezustand. Alle verfügbaren Kräfte seien im Einsatz. Anderthalb Stunden nach dem Einsetzen des Wolkenbruchs seien rund 20 Notfälle abgearbeitet worden. Weitere 20 Notrufe waren da noch offen. Das Pumpen dauere sehr lange. „Wir wissen schon gar nicht mehr, wo wir die Wassermassen hinpumpen sollen“, sagt Marten. „Unser Einsatzgebiet steht ganzflächig unter Wasser“, so Marten. Das betreffe auch die Oranienburger Ortsteile, aus denen ebenfalls zahlreiche Hilferufe in der Zentrale eintreffen. Auch die Feuerwache selbst ist überflutet worden.

Auch Veltens Stadtbrandmeister Heiko Nägel hat kaum Zeit, ans Telefon zu gehen. Seine Feuerwehr befinde sich wegen der vielen Einsätze im Ausnahmezustand, sagt er nur kurz, um sofort wieder aufzulegen. Der nächste Hilferuf erreichte die Wehr.

Die Bernauer Straße in Oranienburg. Quelle: Helge Treichel

Die Kremmener Feuerwehr war nach den Worten von Bürgermeister Sebastian Busse gestern den ganzen Tag im Dauereinsatz. In Groß Ziethen ist unter anderem die Ortsdurchfahrt gesperrt, die Feuerwehr pumpt dort das Wasser ab. In Sommerfeld steht der Hof einer Metallbaufirma komplett unter Wasser und zahlreiche Festzelte, die schon fürs Dorfjubiläum aufgebaut waren, stürzten um oder wehten weg. Der Wirtschaftshof ist im vollen Einsatz, um Ordnung zu schaffen. Doch nach Worten von Ortsvorsteher Jürgen Kurth sollen die Feierlichkeiten trotzdem stattfinden.

Am Donnerstagnachmittag sorgten sintflutartige Regenfälle für überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und Ausnahmezustände bei den Feuerwehren im gesamten Kreis Oberhavel. Am schlimmsten erwischte es wohl Oranienburg und seine Ortsteile.

Da es im Mühlenbecker Land lediglich in Zühlsdorf zunächst drei Einsätze gab, unterstützte der Mühlenbecker Löschzug die Einsatzkräfte in Leegebruch und der Schönfließer Löschzug die Hohen Neuendorfer Wehr, sagte der stellvertretende Gemeindewehrführer Lutz Strausdat auf Nachfrage.

Auf der Kläranlage in Liebenwalde war die Situation zwischenzeitlich brenzlig, da die Anlage an ihre Grenze geriet. Inzwischen hatte sich die Lage aber entspannt, sagte TAV-Mitarbeiter Stefan Steger. Im übrigen Stadtgebiet waren gestern Nachmittag zunächst keine größeren Schäden gemeldet.

Bernauer Straße in Oranienburg. Quelle: Kira Treichel

In Neuholland lief das Regenwasser zeitweise in die Abwasserkanalisation, weil die Sickermulden im Dorf die Wassermassen nicht mehr fassen konnten.

In Hennigsdorf blieb die Lage vergleichsweise entspannt, weshalb die Feuerwehrleute zunächst in Velten aushalfen, hieß es aus der Feuerwache. Aus Leegebruch wurde auch „Land unter“ gemeldet. Die drei Ortseinfahrten waren noch gegen 18 Uhr gesperrt. Das Wasser hatte so hoch gestanden, dass es in einen Bus gelaufen war. Sogar ein Schlauchboot wurde dort auf den Wassermassen gesichtet.

Kurz nach 18 Uhr meldete sich auch der Ortsvorsteher von Lehnitz bei der MAZ. „Lehnitz hat es sehr getroffen“, sagte Matthias Hennig. „Die Feuerwehr tut, was sie nur kann.“ Hennig hatte kurz zuvor eine Runde durch den Ortsteil gedreht. Alleine in seinem Umfeld habe er acht vollgelaufene Keller, eine überflutete Wohnung und mehrere Garagen gesehen. „Das sieht schlimm aus hier.“ Aus dem Havelkorso hatte ihm eine Frau gemeldet, ihr komplettes Haus sei betroffen. Auch die Bahnunterführung in Lehnitz hatte komplett unter Wasser gestanden und war gesperrt worden. „Die ist jetzt aber wieder frei.“ Matthias Hennig selbst war auch nicht verschont gebleiben. „Ich pumpe gerade meine Garage aus.“

Nachdem das Wasser gegen 18 Uhr etwas abgeflossen ist: Der Gehweg unter der Bahnbrücke in der Bernauer Straße ist durch die Autos völlig ausgespült worden. Quelle: Kira Treichel

Im Norden Oberhavels blieb es vergleichsweise ruhig.

Von Helge Treichel

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