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Oberhavel Sodomie: Die Dunkelziffer ist hoch
Lokales Oberhavel Sodomie: Die Dunkelziffer ist hoch
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09:59 06.07.2016
Edmund Haferbeck kämpft gegen Sodomie in Deutschland. Quelle: Peta
Hennigsdorf

Mehrere Minuten lang muss Karl Thiemke mit ansehen, wie seine hochträchtige Stute von einem Hennigsdorfer (39) missbraucht wird. Der Mann hatte sich Ende Juni auf einer Koppel nahe Hennigsdorf an drei Ponys vergangen.

Es ist das erste Mal, dass Sodomie in Brandenburg öffentlich wird, doch ein Einzelfall in Deutschland ist es nicht. In der Vergangenheit kamen bereits einige schreckliche Taten ans Licht: Ein 35-jähriger Mann verletzte Muttersau und Kuh bei einer Schändung schwer; ein 30-Jähriger verging sich an Hühnern, die danach jämmerlich verendeten und ein Kater wurde missbraucht, der sich mit blutendem After nach Hause schleppen musste.

Tochter zeigt Vater an

Der Verein Bund gegen Missbrauch der Tiere stellt regelmäßig Strafanzeigen gegen die Täter, wenn Fälle ans Licht kommen. So auch bei einer Tat, die erst kürzlich öffentlich wurde. „Ein Mann aus der Eifel missbrauchte seine Kälber jahrzehntelang sexuell und hatte sie dabei immer mit einem Strick angebunden. Die Tochter zeigte ihn an“, sagt Torsten Schmidt vom Bund gegen Missbrauch der Tiere.

Auch die Tierrechtsorganisation Peta engagiert sich gegen diese Missbrauchsfälle. Im Interview spricht Edmund Haferbeck, Manager der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von Peta, über den Kampf gegen Sodomie, die Dunkelziffer und die rechtliche Entwicklung in Deutschland.

Vom Land in die Großstadt

Wie viele Fälle von Sodomie gibt es offiziell in Deutschland?

Haferbeck: Viele der Taten bleiben im Dunkeln. Offiziell sind noch nicht einmal eine Hand voll Fälle bekannt. Sodomie gilt als Ordnungswidrigkeit und wird strafrechtlich nicht verfolgt. Es ist auch sehr schwierig, diese Handlungen nachzuweisen.

Wie hoch ist die Dunkelziffer?

Haferbeck: Die ist enorm hoch, es gibt wohl kaum einen Bereich mit einer höheren Dunkelziffer als in diesem Bereich. In Deutschland gibt es etwa 10 000 bis 15 000 Menschen, die sich konkret in dieser Szene bewegen. Wir wissen das, weil wir anonym in Chatforen unterwegs sind und das einschätzen können: Allein dort tummeln sich 4000 bis 5000 Leute, die sich zu solchen sexuellen Handlungen mit Tieren verabreden.

Sind Ihnen bisher weitere Fälle aus Brandenburg bekannt?

Haferbeck: Bisher ist Brandenburg noch nicht in den Fokus geraten, mir sind keine Zuspitzungen in den Chatforen bezogen auf dieses Bundesland bekannt. Da Sodomie häufig in ländlich geprägten Regionen und auf Bauernhöfen anzutreffen ist, passt Brandenburg leider dennoch in das Bild. Bisher traten die Fälle meist in Nordrhein-Westfalen und an der Grenze zu den Niederlanden auf. Doch es ist auch schon in die Großstädte hineingewabert - Berlin etwa ist ein großer Standort, dort befindet sich die Zeta-Gruppe.

Was sind die Inhalte dieser Gruppe?

Haferbeck: Sie sagen ganz offen, dass sie sexuelle Handlungen mit den eigenen Tieren begehen und handeln sehr aktiv. Die Gruppierung scheiterte an der Eintragung ins Vereinsregister und existiert somit als juristische Person nicht.

Was genau passiert auf den Internetplattformen?

Haferbeck: Leute legen sich Profile für sich an und beschreiben, welche Tiere sie für den Sex bevorzugen. Dort können sie dann von den Hunde- oder Pferdehaltern kontaktiert werden. Durch die Chatforen wissen wir auch, dass es Tierbordelle gibt: In Hinterhöfen können Menschen sexuelle Handlungen mit Tieren kaufen. Derzeit ist der Fall Viersen aktuell – es wurde ein Verfahren gegen eine Frau eingeleitet, die ihren Hund wohl auch Dritten zur Verfügung stellte. Die Informationen stammen aus ihrem unmittelbaren Umfeld, die Landkreisverwaltung ermittelt.

Wie kann es sein, dass diese Taten nur als Ordnungswidrigkeiten gelten?

Haferbeck: Bis 1969 galten diese Handlungen als Straftaten, doch durch massive Lobbyarbeit vor allem eines CSU-Abgeordneten lag Sodomie über 45 Jahre lang im rechtsfreien Raum und galt noch nicht einmal als Ordnungswidrigkeit. Nur wenn die Taten Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes überschritten, also wenn erhebliche Schäden und Leiden des Tieres nachgewiesen werden konnten, wurden die Täter bestraft. Doch das konnte man nicht so einfach beweisen und in dieser Zeit ist viel passiert. Erst 2013 wurde das Tierschutzgesetz novelliert, doch es war ein unglaublicher Kampf, diesen Punkt zu integrieren. Die Bundesregierung hat es in schwacher Form aufgenommen. Den Tätern droht allenfalls ein Bußgeld in Höhe von bis zu 25 000 Euro.

Warum nur in schwacher Form?

Haferbeck: Weil der Gesetzgeber bei allem, was mit Tieren zusammenhängt, so wenig wie möglich Verbote aussprechen will, man möchte alles einfach so laufen lassen. Es soll keine starke Einschränkung im Umgang mit Tieren erfolgen, sie sollen dem Menschen fast uneingeschränkt dienen. Doch wir fordern, dass Sodomie eine Straftat ist. Leider hat die jetzige Bundesregierung ganz klar erklärt, dass es keine Novellierung des Tierschutzgesetzes in dieser Legislaturperiode mehr geben wird.

Hat sich die Anzahl der Menschen, die diese Neigungen haben, in den letzten Jahren erhöht?

Haferbeck: Die Mitgliedzahlen in den Chatforen steigen deutlich. Durch das Internet und die neuen Medien gibt es inzwischen eine wesentlich größere Ansichtsfläche und es ist leichter, sich zu zeigen und zu verabreden. Das war früher so nicht der Fall.

Wie kämpfen Sie konkret gegen Sodomie?

Haferbeck: Wir versuchen zusammen mit den Landeskriminalämtern, die Identitäten der Menschen in den Chatforen herauszubekommen und stellen konkrete Strafanzeigen. Es handelt sich für uns ganz klar um Cyberkriminalität.

Welchen Schaden nehmen die Tiere durch Sodomie?

Haferbeck: Die Tiere leiden dadurch erheblich, sind nach solchen Taten sehr verschüchtert und können Verhaltensstörungen erleiden, die sie ihr Leben lang begleiten. Es ist Missbrauch und Tierquälerei. Auch Tiere haben eine Würde.

Von Melanie Höhn

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