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Oberhavel Solange die Blutwerte stimmen
Lokales Oberhavel Solange die Blutwerte stimmen
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13:52 28.04.2017
Schlagzeuger Klaus Selmke (unten und rechts) gründete 1972 mit Fritz Puppel (2.v.l.) die Band City. Quelle: Fotos: Dirk Schmidt
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Lehnitz

Insgesamt 23-mal ist Klaus Selmke, Mitbegründer der Rockband City, umgezogen, doch in Lehnitz, wo er 2006 das mit seiner Frau Lu entworfene Haus – rund wie eine Trommel – am See gebaut hat, sei er nun angekommen. „Hier wohnt man einfach schön, es ist ruhig und man ist trotzdem schnell in der Stadt“, so der Vollblutmusiker, der erst während der Lehre als 17-Jähriger die Musik für sich entdeckt hat.

1950 in Berlin geboren, stand für Selmke als Elektroniker zuvor das Handwerk im Fokus. Doch er ist ehrgeizig. An der Abendschule holte er sein Abitur nach, um dann 1970 an der Friedrichshainer Musikschule für Jazz und Tanzmusik Schlagzeug zu studieren. „Das war eine klasse Ausbildung, viele bekannte Bandmusiker gingen durch diese Schule.“ Die Ausbildung war klassisch geprägt. Der Lehrer, heute 94, war Solopauker an der Staatsoper. Aber warum Schlagzeug? „Die Gitarre war auch interessant, aber das Schlagzeug hat mich technisch gereizt“, verrät der 67-jährige Afrikafan, der mit Flüchtlingen im Kulturhaus Lehnitz ein Trommelkonzert gegeben hat. Selmke ist mit Leib und Seele Schlagzeuger. Mit Erfolg.

1972 gründete er gemeinsam mit Gitarrist Fritz Puppel in Berlin die Band City, die bis heute zu den erfolgreichsten Rockbands der ehemaligen DDR zählt und 2016 bei der „Rocklegenden-Tour“ vor über 110 000 Zuschauern gespielt hat. „Mit dem Hit ’Am Fenster’, der 1977 erschien, sind wir über Nacht populär geworden“, so der Lehnitzer. Als Grafiker betreibt er mit seiner Frau Lu, die er in der namibischen Wüste geheiratet hat, zudem eine Werbeagentur. „Ich bin gerne kreativ.“

Und so steht die aktuelle Tour, die Freitag in Schwerin mit vielen Hits des neuen Albums beginnt, nicht unter dem Stern des 45-jährigen Bandjubiläums, sondern unter dem Motto „40 Jahre ’Am Fenster’– Das Jubiläum einer Hymne.“Insgesamt wurde der Hit, auf der Platte sieben Minuten lang, 10,5 Millionen Mal verkauft. 20-mal wurde er gecovert. „Das sehen wir als Ehre.“ Die Platte sei damals zum Preis von 16,10 Mark innerhalb von Stunden ausverkauft gewesen, erinnert sich Selmke. „Die Plattencover waren alle.“ Um der Nachfrage gerecht zu werden, wurden die Platten sogar in Nothüllen verkauft. „Ich freue mich, dass das Lied die Menschen berührt und über Jahrzehnte ein Hit geblieben ist. Der Song weckt Emotionen. Bis heute.“ Jeder Hörer verbinde seine ganz eigene Geschichte mit dem Lied, dessen Botschaften eher zwischen den Zeilen zu hören seien, so Selmke. Die ganz persönlichen Am-Fenster-Geschichten der Fans werden nun unter der E-Mail-Adresse: deinamfenster@city-internet.de von der Band gesammelt.

Trotzdem sei City zu DDR-Zeiten keine wirklich politische Band gewesen. Lediglich auf dem Album „Casablanca“ (1987) gab’s klare, systemkritische Worte. Doch das sei den Funktionären erst drei Monate nach Erscheinen aufgefallen, so Selmke. Sieben von zwölf Titeln kamen auf die Schwarze Liste, durften nicht mehr im Radio gespielt werden. Bessere Werbung gab’s nicht. Sie hätten gut von der Musik leben können, so der Schlagzeuger, weil sie bis zu 200 Konzerte im Jahr spielten. „Die Masse macht’ es.“ Doch wichtiger als Geld seien die Erlebnisse, von denen er bis heute zehre. Keiner habe an Flucht gedacht. „Wir haben uns die Augen ausgeguckt, stellvertretend für 17 Millionen, die das nicht konnten.“

Er sei dankbar dafür, bis heute das zu tun, was ihm Spaß mache, sagt Selmke: auf der Bühne stehen. „Wir machen weiter, solange die Blutwerte stimmen und die Leute in unsere Konzerte kommen.“ Das Leben bestehe aus Herausforderungen. So überstand die Band auch die Wende. „Wir waren schon in der DDR wie eine Firma, mussten uns um alles kümmern, von Genehmigungen, Werbung bis zur Musik.“

Von Ulrike Gawande

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