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Spurensuche im KZ-Außenlager

Grüneberg Spurensuche im KZ-Außenlager

Im Projekt „überLAGERt“ begeben sich Jugendliche aus verschiedenen Orten Brandenburgs in ihrer Stadt, ihrem Dorf auf historische Spurensuche, um die Geschichte der KZ-Außenlager zu erforschen. Wo waren die Lager, welche Spuren sind erhalten? Wer waren die Menschen, die dort von den Nazis inhaftiert wurden und Zwangsarbeit leisten mussten? Haben sie überlebt? Wie hat sich die ortsansässige Bevölkerung verhalten? Wie wird heute mit dieser Geschichte umgegangen?

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Pfarrerin Ruth-Barbara Schlenker zeigt Lisa Mohrholz, Claudia Koeppen, Tony Sieg und Roman Guski (von rechts) die Stelle, an der die Baracken gestanden haben.

Quelle: Stefan Blumberg

Grüneberg. Bei ihrem ersten Interviewversuch bekam sie gleich eine Abfuhr. „Nein, ich möchte nicht darüber sprechen. Das interessiert doch niemanden mehr. Und außerdem würde sich eh nichts ändern, die Leute machen doch immer noch die gleichen Fehler.“ Das war die Antwort, die Claudia Koeppen erhielt. Sie ließ sich aber nicht entmutigen. Sie entgegnete, dass sie sich sehr wohl dafür interessiere, wie sich die Existenz des ehemaligen KZ-Außenlagers von Ravensbrück in Grüneberg auf das Dorf auswirkte. Sie wolle das gern weitergeben. „Wir möchten mit unserer Arbeit festhalten, wie es hier war, welche Empfindungen die Grüneberger hatten“, sagt die 22-Jährige. Sie macht mit beim landesweiten Projekt „überLAGERt“, in dem sich Jugendliche auf die historische Spurensuche begeben, um die Geschichte der KZ-Außenlager zu erforschen. Am Sonnabend traf sich die kleine Grüneberger Gruppe ein weiteres Mal. Ein Stamm von vier Leuten gehört dazu: Tony Sieg (20), Claudia Koeppen (22), Lisa Mohrholz (22) und Anne Pohlandt (21). Dazu stoßen sporadisch noch einige andere.

Der Ort, an dem einst die Baracken standen

Seit Monaten graben sie in der Geschichte des Ravensbrücker Außenlagers. Dort, in Grüneberg, wurden 1800 weibliche Häftlinge gezwungen, für die Wehrmacht Munition herzustellen. Aufseher wohnten im Dorf. Am Samstag nahmen die Jugendlichen den Ort in Augenschein, an dem die Baracken gestanden haben, ganz in der Nähe der Bahngleise in der Straße zum Bahnhof. Kartenmaterial von 1945, das sie sich aus dem Landesarchiv besorgten, und von 1995 dienten als Hilfe. Die jungen Leute tragen alles zusammen, was sie über die damalige Zeit finden. Sie recherchieren in Ravensbrücker Dokumenten, reden mit Zeitzeugen, stöbern im Landesarchiv. Die Magisterarbeit von Susanne Neumayer (Berlin) enthielt Informationen, die Verwendung finden. Bilder, alte Postkarten und Videos gehören auch dazu. „Wir haben zum Beispiel erfahren, wie Häftlinge bestraft wurden“, sagt Tony Sieg. „So hat man sie mit Wasser übergossen – dann würden sie stundenlang in der Kälte stehengelassen.“ Geschlagen wurden sie, bis sich Blutklumpen bildeten, so Pfarrerin Ruth-Barbara Schlenker, die ebenfalls in das Thema involviert ist und viele Informationen zusammengetragen hat.

Material soll am 21. Oktober gezeigt werden

Tony Sieg hatte nach einem Gespräch mit der Pfarrerin im vergangenen Jahr über Faceboock einen Aufruf zur Mitarbeit gestartet. Claudia Koeppen meldete sich und motivierte weitere Grüneberger zum Mitmachen. Jetzt sind sie in der Phase, wo das gesamte Material gesichtet und geordnet werden soll, denn sie möchten es am 21. Oktober der Öffentlichkeit präsentieren. Zu den Ausstellungsstücken könnte auch  ein  3-D-Modell von dem Barackengelände gehören; Claudia Koeppen will das selbst produzieren.

Roman Guski koordiniert das überLAGERt-Projekt in Brandenburg. An fünf verschiedenen Orten forschen junge Leute. „Vergleichen kann man die Arbeiten nicht, jede Gruppe ist speziell. In Lauchhammer sind es 12- bis 13-Jährige, die daran arbeiten“, sagt er. Beachtlich findet er, dass in Grüneberg so viele Jugendliche Interesse an der Arbeit hätten, auch wenn nicht immer alle kämen. Ein Jahr lang geht das Projekt. Tony Sieg sagt, was der Gruppe wichtig ist: „Unsere Arbeit soll nachhaltig sein. Am Ende wollen wir an bestimmten Stellen – Bahnhof, Schranken, Barackengelände, Munitionsfabrik – Stelen oder Tafeln aufstellen.“

Von Stefan Blumberg

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