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Stahlwerker ziehen vors Kanzleramt

Hennigsdorfer protestieren Stahlwerker ziehen vors Kanzleramt

Am Montag werden rund 100 Mitarbeiter des Hennigsdorfer Stahlwerks an der Demonstration für die Zukunft der Industrie teilnehmen. Die Zukunft des Werks ist unter anderem wegen der Billig-Konkurrenz aus China und Weißrussland gefährdet. Es stehen rund 630 Arbeitsplätze in Hennigsdorf auf dem Spiel.

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Im vergangenen Jahr besuchte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) das Hennigsdorfer Stahlwerk.

Quelle: Foto:Paetzel

Hennigsdorf. Wenn Stahlwerker merken, dass es um ihren Arbeitsplatz geht, dann werden sie wach, sagt Betriebsrats-Chef Hans-Jürgen Spitzer. Am Montag haben die Arbeiter Gelegenheit dazu. Ab 14 Uhr findet vor dem Kanzleramt der Stahlaktionstag zur Zukunft der Branche statt. Mit dabei sein werden Stahlwerker aus ganz Ostdeutschland und Bremen. Auch in Duisburg und Saarbrücken wird es am Montag Aktionen vor Stahlwerken geben.

In Hennigsdorf geht es schon ab elf Uhr schon vor dem hiesigen Werkstor los, unter anderem werden Riva-Werkleiter Alain Creteur, der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher und Hennigsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz sprechen. Danach werden zwei Busse rund 100 Stahlwerkern zum Kanzleramt nach Berlin fahren. „Von denen, die wegen der Kurzarbeit nicht arbeiten können, erwarten wir, dass sie mitfahren“, sagt Spitzer. Es könne auch sein, dass weitere Stahlwerker mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Demo fahren.

Die Sorgen im Hennigsdorfer Werk sind groß. Seit Anfang März gibt es Kurzarbeit in Stahl- und Walzwerk, die Produktion wurde erheblich gedrosselt. 173 der 632 Beschäftigten sind für zunächst vier Monate in Kurzarbeit gegangen. In der Woche vor Ostern ruhte die Produktion im Stahlwerk sogar komplett. Hans-Jürgen Spitzer sieht die Zukunft des traditionsreichen Standortes gefährdet. Grund ist der ruinöse internationale Wettbewerb. Staatlich subventionierte Unternehmen aus China, Weißrussland und anderen Ländern bieten Stahlprodukte zu Dumping-Preisen auf dem europäischen an. Sorgen bereitet der Branche auch die geplante Verschärfung der Handelsrechte mit Kohlendioxid-Emissionen. Der deutschen Stahlindustrie drohen durch ein neues EU-Gesetz jedes Jahr Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro. Das sei laut Gewerkschaft nicht aufzufangen und würde Investitionen, etwa in CO 2-senkende Maßnahmen, unmöglich machen. Um die Abwanderung zu verhindern, müssten die zehn Prozent der umweltfreundlichsten Anlagen kostenlose Emissionsrechte erhalten, lautete eine Forderung der Gewerkschaft und des Branchenverbandes Wirtschaftsvereinigung Stahl.

„Der Gegner sitzt in Brüssel, dort entscheiden andere über uns“, sagt Hans-Jürgen Spitzer. Von der EU fordert die Branche einen effektiven Handelsschutz, um Verzerrungen im internationalen Handel auszugleichen. Spitzer hofft, dass die Bundesregierung EU-Politiker dazu bewegen kann, auch in Sachen Emissionshandel umzudenken. Ansonsten sei die ganze Branche in Europa gefährdet. Er sei aber dennoch optimistisch, dass alles noch ein gutes Ende nehme. Spitzer ist seit 1978 im Stahlwerk und habe schon etliche Krisen überstanden. „Wenn ich in acht Jahren in den Ruhestand gehen, will ich das Werk vernünftig übergeben“, so Spitzer.

Von Marco Paetzel

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