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Stiftungsdirektor kritisiert OVG-Zählung

Bus-Streit in Oranienburg Stiftungsdirektor kritisiert OVG-Zählung

Der Streit um die Busanbindung zur Gedenkstätte Sachsenhausen geht in eine nächste Runde. Jetzt hat der Landkreis die Fahrgäste gezählt – im Januar. Für Stiftungsdirektor Günter Morsch ist das eine „Irreführung der Öffentlichkeit“. Er kritisiert die Zählung.

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Die Gedenkstätte sieht sich seit Jahren mit steigenden Besucherzahlen konfrontiert, die Anbindung ist aber dieselbe geblieben.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Am Mittwoch legte der Landkreis zusammen mit der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) die Resultate der Fahrgastzählung der Buslinie 804 vor. OVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Fischer betonte, dass die angebotenen Kapazitäten im Januar – dem Zählmonat – ausreichend waren ( MAZ berichtete). Stiftungsdirektor Günter Morsch geht jetzt in die Offensive. Die Zahlen würden keinesfalls die Schlussfolgerung zulassen, dass die Buskapazität ausreichend sei. „Aus unserer Sicht ist die Zählung der leicht durchschaubare Versuch einer Irreführung der Öffentlichkeit“, so Morsch.

Ministerin Münch fordert mehr Busse

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) hat sich in den Streit um die Busverbindungen zur Gedenkstätte Sachsenhausen eingeschaltet und den Einsatz von mehr Fahrzeugen gefordert. „Die Gedenkstätte Sachsenhausen ist nicht nur eine der wichtigsten und größten KZ-Gedenkstätten in Deutschland - sie lockt mit ihrer herausragenden Aufklärungs- und Gedenkarbeit jedes Jahr rund 700 000 Besucher an, darunter viele aus dem Ausland“, betonte die Ministerin. „Ihnen ist es nicht zu vermitteln, warum eine bessere Anbindung dieses international bekannten Gedenkortes nicht möglich sein soll.“ Die Verantwortlichen im Landkreis müssten sich nun an einer konstruktiven Lösung beteiligen, forderte die Ministerin am Dienstag.

56 Fahrgäste fahren laut OVG im Monatsdurchschnitt Januar auf der gesamten Strecke der Linie 804, 17 Fahrgäste pro Bus auf dem Abschnitt zwischen Bahnhof und Gedenkstätte. Trotz Nebensaison sei die Auslastung der Busse wochentags von 10 bis 16.30 Uhr hoch gewesen. Zu Spitzenseiten mussten bis zu 120 Fahrgäste zwischen Bahnhof und Gedenkstätte transportiert werden. „Unsere Busse können bis zu 150 Fahrgäste gleichzeitig transportierten“, so Klaus-Peter Fischer. „Ab 120 Personen sehen wir aufgrund des tatsächlich verfügbaren Platzangebotes einen Handlungsbedarf.“ Im Zeitraum der Zählung hätte sich die Auslastung bis auf eine Ausnahme immer unterhalb dieser Grenze bewegt.

Morsch: Zählung am Kern des Problems vorbei

Für Günter Morsch ist das Ergebnis vorhersehbar gewesen. „Die Zählung geht bereits vom methodischen Ansatz her am Kern des Problems vorbei“, so der Stiftungsdirektor. „Die vielen Gedenkstättenbesucher, die den Weg zwischen Bahnhof und Gedenkstätte zu Fuß zurücklegen, weil sie die lange Wartezeit auf den nächsten Bus nicht in Kauf nehmen wollen, werden überhaupt nicht erfasst.“ Jeder Oranienburger, der die Situation am Bahnhof kennt, könne nur verwundert mit dem Kopf schütteln über die Ignoranz, mit der auf ein reales Problem reagiert wird.

Die Ignoranz offenbare „einmal mehr den Unwillen des Landkreises, die vielen hunderttausende Gedenkstättenbesucher aus aller Welt gastfreundlich und serviceorientiert zu empfangen,“, so Morsch. Für Ralf Wunderlich, Kreistagsabgeordneter der Linken, ist die Zählung ebenfalls nicht ausreichend: „Es ist für Oberhavel ein Armutszeugnis, wenn internationale Gäste nach Oranienburg kommen und bei Wind und Wetter zur Gedenkstätte kein ausreichendes Busangebot vorfinden.“

VCD fordert Testphase für verlängerte Linie 824

Egmont Hamelow, Erster Beigeordneter, kündigt weitere Zählungen an – auch in Absprache mit der Gedenkstättenleitung. In der Debatte um eine bessere Busanbindung zur Gedenkstätte ist also noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Die Kreisgruppe des Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert den Kreis jetzt auf, in die Busanbindung zu investieren. Für einen Testzeitraum von einem Jahr soll die Buslinie 824 zur Gedenkstätte verlängert werden. „Dass Gedenkstättenbesucher aus aller Welt regelmäßig am Bahnhof lange warten beziehungsweise den Fußweg nutzen müssen, wirft schon seit Jahren kein gutes Bild auf Oranienburg und den Landkreis“, sagt Christoph Rudel, Sprecher der VCD-Kreisgruppe. Der Oranienburger Bündnisgrüne Henning Schluß hatte zur Verlängerung der Linie 824 eine Online-Petition ins Leben gerufen, die 102 Oranienburger unterzeichneten.

Von Marco Winkler

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