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Stippvisite in Eden

Oranienburgs Bürgermeister auf Tour Stippvisite in Eden

Die Eden-Genossenschaft in Oranienburg hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Aus der einstigen Obstbausiedlung, bevölkert von wenigen Vegetariern, ist eine Wohnsiedlung mit Schule, Kita, Musikwerkstatt, Bibliothek und vielem mehr entstanden. Über die neuesten Pläne der Genossenschaft ließ sich Hans-Joachim Laesicke am Freitag informieren.

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Geschäftsführer Marco Fredersdorf (l.) führt den Bürgermeister übers Gelände.

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke ist wieder auf Unternehmenstour. In schöner Regelmäßigkeit besucht er Betriebe und Einrichtungen in der Stadt, will mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen, die neuesten Entwicklungen erfragen und wenn nötig, bei Problemen helfen. Bei der Stippvisite am Freitag in der Eden-Genossenschaft erfährt er so manches, was auch ihm noch neu ist.

„Nach der Wende haben wir uns an einige Experimente gewagt, die aber nicht zum Tragen gekommen sind“, erzählt Geschäftsführer Marco Fredersdorf. Stattdessen musste die Genossenschaft einen harten Sanierungskurs fahren, weil die Einnahmen bei Weitem nicht die Ausgaben deckten. In den letzten drei Jahren musste sich die Eden-Gruppe von verschiedenen Bereichen trennen, zum Beispiel vom eigenen Bauhof und der Küche, die sich nicht mehr trugen. Auch die Musikwerkstatt wurde in die Hände eines neuen Trägers gegeben.

Die Regeln der Genossenschaft

Die „Vegetarische Obstbaukolonie Eden e.G.m.b.H.“ wurde am 28. Mai 1893 gegründet. Die 18 Gründungsmitglieder waren alles Vegetarier und wollten in einer genossenschaftlichen Siedlung zusammenleben.

1901 wurde die Satzung geändert. Jeder, der sich einer gesunden Lebensweise verschrieben hatte, konnte Mitglied der Genossenschaft werden.

Die Eden-Genossenschaft in Oranienburg ist Eigentümer von 120 Hektar Grund und Boden. Sie hat etwa 500 langfristige Erbbaupachtverträge geschlossen. Zurzeit gibt es circa 385 Genossenschaftsmitglieder. Geschäftsführer ist Marco Fredersdorf.

Die ehemalige Obstbausiedlung liegt am westliche Stadtrand. Heute leben dort etwa 1500 Menschen.

Die Satzung der Genossenschaft orientiert bis heute darauf, dass die Grundstücke überwiegend gärtnerisch zu nutzen sind. Etwa 70 Prozent der Neuansiedler haben eine grüne Gesinnung und bauen selbst Gemüse an.

„Seit 2012 haben die Vorstandsmitglieder alles mitgetragen, um organisch wieder wachsen zu können“, sagt Fredersdorf. Was so leicht klingt, war schwere Arbeit, denn eine Genossenschaft ist eine urdemokratische Rechtsform. „Und das kann manchmal auch anstrengend sein.“ Denn so mir nichts dir nichts können Geschäftsführer und Vorstand nichts entscheiden. Die 385 Genossenschaftsmitglieder haben ein Wörtchen mit zu reden. „Wir hatten einen großen Instandhaltungsrückstau.“ Die Kita war jahrelang sich selbst überlassen worden. Einige Immobilien mussten saniert werden. Nun ist der Wohnungsbestand in Ordnung. Die Grundstückssituation wurde neu geordnet, wodurch mehr Erbbaurechte vergeben werden können. „Und nun haben wir uns bis zum großen Mostereigelände vorgearbeitet.“ Die Kernidee für das alte Gebäude lautet: Wohnen. Etwas anderes scheint nach langen Überlegungen keinen Sinn zu machen. Großes Gewerbe anzusiedeln, liegt nicht im Interesse der Genossenschaft. Und würde sich vielleicht auch nicht vereinbaren mit dem Eden-Cafè und der Musikwerkstatt in unmittelbarer Nachbarschaft.

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In schöner Regelmäßigkeit schaut Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke bei Betrieben und Einrichtungen in seiner Stadt vorbei. Am Freitag war er zu Besuch in der Eden-Genossenschaft und erfuhr von den neuesten Plänen in der Obstbausiedlung.

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Noch stecken die Vorstellungen für die alte Mosterei in den Kinderschuhen. Doch eine Architektin hat bereits mehrere Gespräche mit dem Denkmalschutz geführt, um zu sondieren, wie realistisch die Sanierung und der Umbau des alten Fabrikgebäudes zu Mietwohnungen ist.

Aber die Genossenschaft hat noch diverse Baustellen. „Wir wollen die Siedlungsordnung auf Vordermann bringen“, sagt Fredersdorf. Restriktionen seien schwer durchsetzbar. „Und ein eigenes Ordnungsamt haben wir nun mal nicht.“ Die Genossenschaft ist Eigentümer von 120 Hektar Land und hat etwa 500 langfristige Erbbaupachtverträge geschlossen, an denen nicht zu rütteln ist. „Wir haben ein großes Vermögen an Grund und Boden, doch der wurde zu preiswert vergeben.“ Jedenfalls aus heutiger Sicht.

Mit der Auflösung des Betriebes Anfang der 1990-Jahre werden Apfelsaft und andere Produkte in Eden nicht mehr selbst produziert. „Der Zug ist abgefahren, wir haben gar keine eigenen Anbauflächen mehr“, sagt Marco Fredersdorf. Jetzt geht es darum dass eine Art Gesamtbild von der Siedlung entsteht. Nach Auffassung von Bürgermeister Laesicke ist die Genossenschaft auf dem besten Weg dahin. „Der Ansatz der Genossenschaft past doch gut ins 20. Jahrhundert.“

Ein Edener Urgestein

Rainer Gödde, 67 Jahre alt, ist ein Edener Urgestein und Mitglied im Vorstand der Eden-Genossenschaft.

MAZ: Herr Gödde, sind Sie ein richtiger Ur-Edener?

Rainer Gödde: Das kann man so sagen. Ich wurde 1947 in Eden geboren und bin wohl einer der Letzten, die bei Frau Landmann, der Hebamme, zur Welt gekommen ist. Allerdings sind meine Eltern in den 1950er-Jahren in die Heidelberger Straße umgezogen, weil sie die Bewirtschaftung des Grundstücks in Eden nicht mehr geschafft haben. Aber ich hatte Sehnsucht nach Eden. Und Mitte der 1990er-Jahre bin ich sozusagen wieder auf die heimische Scholle zurückgezogen.

Die Obstbausiedlung wurde mal von Vegetariern gegründet. Sind die meisten heute immer noch Vegetarier?

Gödde: Nein. Es gibt zwar noch Vegetarier und es ziehen auch immer mal welche zu. Aber den Vegetarismus mussten wir schnell aufgeben. Der Zuzug war schwierig.

Gibt es aber immer noch strenge Regeln für das Genossenschaftsleben?

Gödde: Ja, wir bestehen darauf, dass auf den Grundstücken kein Schlachtvieh gehalten wird. Das war früher so, und das ist auch heute nicht erlaubt. Da sind wir hartnäckig. So etwas gehört schließlich zum Alleinstellungsmerkmal von Eden. Das größte Viehzeug, das bei uns erlaubt ist, sind Hühner.

Wie sieht es denn mit dem Alkohol aus, der war ursprünglich auch mal verboten?

Gödde: Oh, das Verbot von Alkohol ließ sich nicht einfach durchsetzen. Aber ganz nach dem Prinzip, dass keine Lebensmittel vernichtet werden, wurde zum Beispiel vergorener Apfelsaft nicht weggegossen. Der wurde tapfer getrunken. Aber wenn jetzt jemand in Eden eine Brauerei aufmachen wollen würde, bekämen wir Probleme.

War es nicht das Prinzip der Obstbausiedlung, sich von dem Angebauten selbst zu ernähren?

Gödde: Die Regelgröße für Grundstücke lag damals bei 2800 Quadratmetern. Auf 500 Quadratmetern sollte so viel angebaut werden, dass sich eine Person das ganze Jahr über davon vegetarisch ernähren kann. 300 Quadratmeter war die Anbaufläche, um ein Kind zu ernähren. Dann gab es noch eine bestimmte Quadratmeterzahl für die Hausfläche und die Zuwegungen. Da in Eden meist große Familien lebten, mussten also auch die Grundstücke sehr groß sein.

Und wie ist das heute?

Gödde: Heute gibt es keinen Edener mehr, der sich ausschließlich aus seinem Garten ernährt. Inzwischen sind die großen Grundstücke in den meisten Fällen geteilt worden. Die Grundstücksmindestgröße für einen Hausneubau liegt heute bei 1350 Quadratmetern. Und ein paar freie Grundstücke gibt es immer noch.

Von Andrea Kathert

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