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Eldorado in Stolpe

Traum von Golf- und Pferdesportanlagen platzte Eldorado in Stolpe

Noch heute rottet das frühere Rittergut, wo Clubhaus, Gewerbe und ein Golfodrom entstehen sollten, zum Ärger der Anwohner vor sich hin. Auf dem Stolper Feld, wo eine Pferdezucht mit Reitanlage entstehen sollte, wuchert weiter Unkraut. Stolpe sollte zu einem Eldorado des Golf- und Pferdesports werden - dieser Traum platzte jedoch.

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Gipfeltreffen im Juni 1997 auf dem Stolper Golfplatz: Rolf Deyhle, Manfred Stolpe, Bernhard Langer, Uwe Roßknecht, Uwe Kärgel (v.l.) vor einem Modell der geplanten Golf- und Pferdesportanlage.

Quelle: Hajo Eckert

Stolpe. Eine Todesnachricht erinnert an hochfliegende Pläne für das kleine Dorf Stolpe. Der Stuttgarter Medientycoon Rolf Deyhle schied Anfang Mai im Alter von 76 Jahren während eines Kuraufenthalts in Badenweiler aus dem Leben. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Olympiasieger im Springreiten und Pferdezüchter Alwin Schockemöhle aus Mühlen im Münsterland, wollte Deyhle Stolpe in Oberhavel zu einem Eldorado des Golf- und Pferdesports nördlich von Berlin entwickeln.

In diesem Zusammenhang war der 28. Juni 1997 ein denkwürdiger Tag für den Ort, der heute zu Hohen Neuendorf gehört. Es gab quasi ein Gipfeltreffen auf dem neu entstandenen 18-Loch-Ost-Golfplatz. Die Protagonisten: Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe, der sich als Namensvetter heute noch dem Ort besonders verbunden fühlt, Rolf Deyhle, der Spitzengolfer Bernhard Langer gemeinsam mit dem wohl versiertesten deutschen Golfplatzgestalter Uwe Roßknecht und dem einstigen Golfklubchef Uwe Kärgel.

Der damalige Stuttgarter Milliardär Deyhle, gemeinsam mit Friedrich Kurz (Stella AG) bekannt auch als Musicalproduzent (Cats, Das Phantom der Oper) sowie als größter Golfplatzbauer der Republik geachtet, erläuterte Manfred Stolpe an einem Modell die Zukunftspläne für Stolpe. Die wollten er und Schockemöhle auf 244 Hektar Berliner Stadtgüterflächen neben den beiden inzwischen von Roßknecht entwickelten 18-Loch-Golfplätzen hin zur Hohen Neuendorfer Flur verwirklichen.

Für Stolpe, das im Jahr 1806 Napoleon Bonaparte auf dem Rittergut beherbergte und an dessen Südflanke Franzosen nach 1945 einen alliierten Flugplatz bauen wollten, sollte das Projekt einen neuen wichtigen Markstein seiner Entwicklung bilden. Doch so, wie der Flugplatzbau scheiterte – die Franzosen wählten Tegel als Standort und übergaben 1948 das Stolper Terrain an die Sowjets – so lösten sich schließlich auch die Deyhle-Schockemöhle-Pläne in Luft auf.

Die Berliner Finanzverwaltung hatte ohne Bieterverfahren und ohne Zustimmung des Abgeordnetenhauses ein Koppelgeschäft mit dem Deyhle-Prokurist und dem Schockemöhle-Anwalt vereinbart. Was sich schließlich wegen einer nicht gewollten Presseveröffentlichung zur Stadtgut-Affäre Stolpe auswuchs, war der Umstand, dass die Finanzverwaltung das Projekt gegenüber dem Abgeordnetenhaus quasi als geheime Kommandosache behandelt hatte. Die Stadtgut-Affäre entwickelte sich in Berlin zu einem regelrechten politischen Skandal. Es wurde bekannt, dass ein rechtskräftiger Vertrag mit Schockemöhle schon am 28. August 1997 abgeschlossen worden war – der damalige Finanz-Staatssekretär gab an, erst am 17. September davon Kenntnis erhalten zu haben und aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände darüber erst am 24. September habe berichten können.

Für 244 Hektar stand im Kaufvertrag der damals gegründeten Alwin Schockemöhle & Co. Stadtgut Stolpe GbR mbH ein Kaufpreis von 2,25 Millionen D-Mark. Dieser Preis wurde in der Folge von Berlin auf 4,3 Millionen D-Mark erhöht, eine spätere Wertaussage ergab sogar die Summe von 10,6 Millionen D-Mark. Es implizierte aber auch die Frage der Parteien im Abgeordnetenhaus, ob man überhaupt Berliner Stadtgutflächen in Brandenburg veräußern wolle.

Das dürfte der endgültige Schlussstrich unter die hochfliegenden Pläne von Deyhle und Schockemöhle gewesen sein. Also rottet heute noch das frühere Rittergut, wo Clubhaus, Gewerbe und ein Golfodrom entstehen sollten, zum Ärger der Anwohner vor sich hin. Auf dem Stolper Feld, wo eine Pferdezucht mit Reitanlage entstehen sollte, wuchert weiter Unkraut.

Und es gibt über die Stadtgut-Affäre hinaus eine weitere Ungereimtheit. Es laufen nämlich Rückübertragungsansprüche von Nachkommen der Alteigentümer. Die Enkel der Familie Veltheim, die das Gut von 1825 bis 1937 besaß, Burghard Rübcke von Veltheim und sein Bruder Christoph von Witzleben, monieren, dass ihr Großvater als Gutsbesitzer 1936 von den Nazis verhaftet wurde. Er hatte der Bekennenden Kirche angehört und im Stolper Gemeindekirchenrat gegen die Nazis Front gemacht. Nach dem damaligen sogenannten Heimtücke-Gesetz kam der Großvater ins Zuchthaus. Die Familie wurde ähnlich jüdischen Eigentümern zum Verkauf des Gutes gezwungen.

Weil sie der Zustand des früheren Familienbesitzes deprimiert, bemühen sich die Veltheims um eine Rückübertragung. Burckhard Rübcke von Veltheim, der das Jagdschloss Quitzin in Mecklenburg-Vorpommern saniert hat und es bewohnt, teilt auf Nachfrage mit, dass die „prozessuale Aufarbeitung des Zwangsverkaufes des Stolper Gutes noch nicht abgeschlossen ist“.

Über mehrere Jahre sei das zuständige Verwaltungsgericht, nachdem das Bundesverwaltungsgericht die Sache zur nochmaligen Prüfung zurückverwiesen hat, bemüht, die ihm gestellten Fragen dazu zu bearbeiten.

Von Hajo Eckert

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