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Oberhavel Stolperstein erinnert an Rosa Baumgarten
Lokales Oberhavel Stolperstein erinnert an Rosa Baumgarten
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08:10 27.09.2016
Aus einer normalen Toreinfahrt wurde in Glienicke ein persönlicher Gedenkort. Quelle: Helge Treichel
Glienicke

Eines Tages war Rosa Baumgarten einfach verschwunden. Die Nazis suchten ihren erwachsenen Sohn, durchkämmten Häuser in der Nachbarschaft in der Glienicker Theodor-Körner-Straße, heute Schillerstraße. Daran erinnert sich Gerda Milz (geborene Rennack), damals 21-jährig und direkte Nachbarin.

Am Montag hat der Künstler Gunter Demnig in der Toreinfahrt des Hauses Schillerstraße 5 einen Stolperstein ins Pflaster eingelassen. Eingraviert in blankes Messing ist zu lesen: „Hier wohnte Rosa Baumgarten, Jahrgang 1885, deportiert 1943, ermordet in Auschwitz“.

Gunter Demnig bei der Arbeit. Quelle: Helge Treichel

Es war am 15. Februar 1943, als die Opernsängerin in das sogenannte „Judenlager“ in der Großen Hamburger Straße in Berlin-Mitte eingewiesen wurde. Von dort wurde sie am 19. Februar mit dem 29. „Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und wahrscheinlich sofort nach der Ankunft ermordet. „Der Auszug aus der Transportliste gibt darüber Auskunft“, sagt Theodor Scharnholz. Der promovierte Historiker hat als Mitglied der Glienicker Stolpersteininitiative wochenlang recherchiert. Er durchstöberte Archive, Telefonbücher, das Internet. „Mit Freude durfte ich feststellen, dass die Leute außerordentlich freundlich reagierten, wenn ich das Stolpersteinprojekt erwähnte“, sagt er. Negative Erfahrungen habe er lediglich mit Behörden gemacht. Und er fand, was er suchte.

Petra Kempf mit einem Foto, das ihren Kinderwagen vor dem Haus an der Schillerstaße 5 zeigt. Quelle: Helge Treichel

Mehr noch. Rosa Baumgartens Sohn Karl-Heinz, Jahrgang 1912, überlebte die Nazi-Diktatur. Dessen Tochter Petra Kempf, geborene Baumgarten, konnte Scharnholz schließlich im französischen Capbreton in der Gascogne ausfindig machen. Gemeinsam mit ihrem Sohn Sascha Kempf kam die 70-Jährige nach Glienicke, um an der Stolpersteinverlegung teilzunehmen – und an der Gedenkstunde für ihre Großmutter am Vorabend in der Kirche. „Sehr schön, sehr festlich“, beschreibt die Sonderschullehrerin die Atmosphäre. Die Ehrungen bedeuten ihr viel: „Ich bin sehr betroffen“, sagt sie. Schließlich habe sie zuvor gar keinen Bezug zu ihrer Glienicker Großmutter gehabt, obwohl sie bis zum 5. Lebensjahr selbst in derem Haus wohnte. Ihr Vater habe so gut wie nie über seine Erlebnisse gesprochen: „Er war traumatisiert.“ Die Nazizeit habe er vermutlich nur überlebt, weil er als Ingenieur in der kriegswichtigen Raketenforschung tätig war.

Rosa Baumgarten. Quelle: Privat

Theodor Scharnholz hält die Arbeit der örtlichen Stolpersteininitiative für getan. Nur einem wertvollen Hinweis des Oranienburger Historiker Hans Biereigel sei es überhaupt zu verdanken, dass er Dokumente über Rosa Baumgarten fand – in Ergänzungskarten zur Volkszählung von 1939. Allerdings bestehe eine gute Zusammenarbeit mit dem Neuen Gymnasium. In der zehnten Jahrgangsstufe hatte Scharnholz allein über Rosa Baumgarten viermal Vorträge gehalten.

Die Stolpersteininitiative

Im Oktober 2014 wurden bereits fünf Stolpersteine für Familie Liebermann in den Gehweg der Tschaikowskystraße 1 in Glienicke eingelassen – für Martha, Ernst, Ingeborg, Hannelore und Max Moritz Liebermann. Alle fünf sind 1943 im Vernichtungslager Treblinka ermordet worden.

Damals wie aktuell wird das Projekt aus Spendenmitteln finanziert.

Das Neue Gymnasium Glienicke ist jeweils involviert. Diesmal haben Schüler die Plakate gestaltet.

Von Helge Treichel

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