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Oberhavel Straßenbäume massenhaft gefällt
Lokales Oberhavel Straßenbäume massenhaft gefällt
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15:23 26.02.2018
Ralf Bönisch kann die Entscheidung über Baumfällungen in Zühlsdorf so gar nicht nachvollziehen. Quelle: Enrico Kugler
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Zühlsdorf

157 Straßenbäume wurden in der vergangenen Woche in Zühlsdorf gefällt. Ein Aufschrei ging durch den Ortsteil. Anwohner Hans-Jürgen Baske nutzte daraufhin das Rathausfest am Sonnabend, um dem Bürgermeister ein liebevoll eingepacktes Bild vom Ortswappen zu übergeben. Statt des Mühlrades sind dort zwei gekreuzte Kettensägen dargestellt.

Die Fällungen ärgern Ralf Bönisch aus der Puttlitzstraße in besonderer Weise. Vor seinem Grundstück wurden zwei stattliche Eichen gefällt. „Lustigerweise erlaubte man mir die Fällung einer mitten auf meinem Baugrundstück stehenden Kiefer nach zehn Monaten Bearbeitungszeit nicht. Ich solle mein Haus anderswo hinstellen.“ Der 54-Jährige fühlt sich wie im falschen Film. Denn die Eichen sollen weg, damit die Fahrbahn, die dort neu gebaut werden soll, 5,10 Meter breit sein kann – damit der „Verkehrsfluss“ nicht beeinträchtigt werde. Dies Begründung kann der Berliner, der erst in ein, zwei Jahren mit dem eigentlichen Hausbau beginnen möchte, nicht nachvollziehen. Denn Autos erlebe er dort nur sehr sporadisch.

An der Puttlitzstraße wurden wunderschöne Eichen ohne Probleme gefällt. Quelle: Enrico Kugler

Die Entscheidung beruhe auf der Tatsache, dass Ralf Bönisch derzeit ein „leicht verschiebbares Gebäude“ nutzt, sagte Bau-Fachbereichsleiter Hanns-Werner Labitzky auf Nachfrage. Und laut Gehölzschutzsatzung sei ein gesunder Baum eben zu erhalten. Unter Berücksichtigung der Grundstücksbreite von 18 Metern und den Abstandsflächen von beiderseitig drei Metern stelle sich die Situation bei einem massiven Gebäude voraussichtlich anders dar: „In dem Fall ist anzunehmen, dass er eine Fällgenehmigung bekommen würde“, sagt Labitzky.

Eindeutig stelle sich die Situation auch hinsichtlich der geplanten Fahrbahnbreite in der Puttlitzstraße mit ihren 45 Grundstücken dar. Dazu habe es eine Befragung gegeben. Von den 19 stimmberechtigten Eigentümern zwischen Friedrichstraße und Sackgasse hätten 14 ihre Stimme fristgerecht abgegeben (73,68 Prozent). Acht hätten für 5,10 Meter gestimmt, fünf für die schmalere Variante von 3,50 Metern, bei einer Enthaltung. Allerdings sei eigens die Fahrbahntrasse verlegt worden, um trotzdem möglichst viele Bäume zu bewahren, betonte Labitzky.

Eine Kiefer, die seinen Wohnwagen blockiert, muss dagegen stehen bleiben. Quelle: Enrico Kugler

Nach individuellen Lösungen sei in allen fünf Straßen gesucht worden. So werde die Ottostraße zwischen Friedrichstraße und Sackgasse nur 3,50 Meter breit, dem Votum der Eigentümer folgend. Auch die Fuchsgasse soll aus dem selben Grund in einem Abschnitt schmaler gebaut werden. In der Friedrichstraße und der Ottostraße hatten sich die befragten Grundstückseigner mehrheitlich für die durchgängig breitere Fahrbahn entschieden.

Nach einer Einwohnerversammlung im Dezember sei die Planung trotz der Befragungen nochmals überarbeitet worden. Sollten ursprünglich rund 200 Bäume gefällt werden, so seien es nun am Ende gut 20 Prozent weniger, argumentierte der Bau-Fachbereichsleiter.

Während der Baumfällungen in Zühlsdorf. Quelle: privat

Hans-Jürgen Baske und Alwin Schuster von der Bürgerinitiative „Baumschutz Kommunal“ hatten am Montagnachmittag einen Gesprächstermin beim Bürgermeister. Klare Botschaft: „Aus unserer Sicht sind noch immer zu viele und vor allem auch zu viele stattliche Bäume gefällt worden“, sagt Schuster. Besonders ärgert sich der Baumschutzaktivist darüber, dass seine Initiative mit den Fällungen einmal mehr vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Das Argument, wonach Straßeneinengungen für Bäume die Kosten in die Höhe treiben würden, lässt Schuster nicht gelten. Er stellt vielmehr den Wert der Bäume dagegen. Eine einzige hundertjährige Buche komme beispielsweise auf 66 000 Euro. So gesehen, sei dieser Verlust höher zu beziffern als die Mehrkosten beim Straßenbau.

Übrigens hatten Anlieger, die gern noch mehr Bäume gefällt haben wollten, zusätzliche Bäume mit grünen Fällmarkierungen am Stamm versehen. Der Betrugsversuch flog jedoch rechtzeitig auf, weil der Farbton nicht identisch war.

Ausbauprojekt Fuchswinkel

Im Fuchswinkel in Zühlsdorf sollen in diesem Jahr die Sandstraßen ausgebaut werden.

Betroffen sind die Ottostraße, Florastraße und die Putlitzstraße. Hinzu kommen die Fuchsgasse und die Friedrichstraße im jeweiligen Abschnitt zwischen Grenzstraße und Florastraße. Insgesamt sind das rund 1680 Meter neue Fahrbahn.

Die Ausbaukosten tragen zu 75 Prozent die Grundstückseigentümer.

Von Helge Treichel

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