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16:34 27.06.2018
Karin Kasböck und Christoph Leitner mit Kunstobjekten in ihrem Garten. Quelle: Heike Bergt
Oranienburg

Musik ertönt aus dem überdimensionalen Lautsprecher. Auch das Mikro ist weit wuchtiger als sein Vorbild. Kleine Büsten und mannsgroße Gesichtsmasken von der deutschen Kanzlerin oder EZB-Chef Mario Draghi im Atelier von Karin Kasböck und Christoph Leitner berichten von Performances auf den Straßen von Berlin, Zürich, Wien und Bratislava.

Seit drei Jahren lebt das Künstlerpaar in Oranienburg-Eden und hat hier ein neues Zuhause in einer alten Heimstätte gefunden. Angetan von den Edener Reformideen, gehörten sie zu den Mitorganisatoren des Festumzuges zu 125 Jahre Eden Ende Mai.

Aufgewachsen sind Karin Kasböck und Christoph Leitner in Altötting, auf halbem Weg zwischen München und Salzburg. Studiert haben sie anfangs an der Akademie der Bildenden Künste in München, später an der Akademie der Künste in Berlin. „Berlin war für uns sehr attraktiv. Da die Kunstszene Münchens eher konservativ war, strömte vor 20 Jahren die Kunst damals in die Hauptstadt“, erinnert sich Christoph Leitner. „Ein Traum ging für uns in Erfüllung. In den 1990er-Jahren war alles möglich“. Wohnung und Atelier hatten sie in Friedrichshain, in der Boxhagener Straße.

„Künstler sollen sich einmischen in Krisensituationen. Kunst ist unser Mittel, Position zu beziehen, Alternativen zu zeigen“, beschreibt Karin Kasböck ihr Ziel. Zum Beispiel mit skulpturalen Performances, wie bei den Wiener Festwochen, am Reichstag in Berlin oder wie gerade im Rahmen der Karachi Biennale in Pakistan. „Es gibt genug Spannungsfelder der Gesellschaft, wo etwas nicht so ist, wie wir es uns wünschen. Dort involvieren wir uns mit unserer Kunst. Zeigen neue Sichtweisen, wollen über die Kunst vermitteln“, beschreibt Leitner seinen Auftrag.

Ihr ungewöhnliches Gewächshaus. Quelle: Heike Bergt

So hätten sie zum Beispiel beim „Steierischen Herbst“, dem großen Festival für zeitgenössische Kunst, über die Musik aus einem überdimensionalen Megaphon einen Dialog zu den dort lebenden Flüchtlingen aufgebaut. Die Künstler kritisieren in einer ihrer letzten Arbeiten, „dass es an progressiven Ideen für Europa fehlt. Deutschland sei Krisengewinner und sehe keinen Bedarf für Veränderung, „aber die Krisen und Kriege kommen näher“, so Leitner und Kasböck übereinstimmend.

In den übergroßen Skulpturen der Performance „Die Irrenden. Europäische Defigurationen“ stecken Schauspieler. „Wenn die sich plötzlich in Bewegung setzen, werden die monströsen Skulpturen lebendig und nehmen mit ihrer besonderen Energie Kontakt zum Publikum auf “, so Karin Kasböck.

Als Berlin immer dichter und teurer wurde, suchten die Künstler ein neues Zuhause und wurden in Eden fündig. Gepachtet haben sie Haus und Garten von Erna Danielzick, die inzwischen hochbetagt in einem Seniorenheim lebt. Und mit der sie sich gut verstehen. Die Künstler haben das Haus ein Jahr lang saniert und unter anderem einen großen Lehmofen eingebaut. Eine Gratwanderung zwischen Edener Heimstätten-Original und heutigem Leben.

Im Atelier. Quelle: Heike Bergt

„Das utopische Projekt hat uns fasziniert, die alternative Bewegung, der Gründungsmythos, das waren die Anknüpfungspunkte für uns.“ Die Edener Nachbarn hätten sie freundlich aufgenommen, von der Beharrungskraft und Hemmung der Genossenschaft sind sie allerdings entsetzt. „Wir versuchen nun, als Künstler die Grundideen der Lebensreformsiedlung Eden mit aktuellen Bewegungen zu verknüpfen, um einen Weg aus der gegenwärtigen seltsamen Stockung zu finden.“ Unter anderem haben sie mit anderen Edenern den Verein re:form gegründet. Die Parade zu 125 Jahre Eden war ein großer Erfolg. Sie vereinte mehr als 100 Menschen.

Der Verein lädt auch in den kommenden Wochen und Monaten zu Events und Gesprächen sein, so für kommenden Sonntag, 1. Juli, ab 15 Uhr zum „Ideenforum Eden“ mit Studierenden des Instituts für Architektur der TU Berlin und ab 17 Uhr in den „2. Eden Salon“, diesmal zum Thema Bodenreform mit David H. Haney, Sabine Horlitz, Marco Clausen und Mitgliedern der Genossenschaft. Es geht um die Frage: Was ist aus Eden und den Edener Ideen eigentlich geworden? Treff ist in der Pension Eden im Lilienthalhaus im Struveweg 102. Die Wirtschaftsreform steht im Fokus beim „3. Eden Salon“, ab 17 Uhr am 26. August.

Ein Stück ihres großen Gartens haben Karin Kasböck und Christoph Leitner schon bewirtschaftet. Im kugeligen Gewächshaus stehen erste Tomaten. Die Edener Idee wollen sie auf jeden Fall hier leben.

Von Heike Bergt

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