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Tod im Stacheldraht

Hohen Neuendorf Tod im Stacheldraht

Niemand kennt genau die Zahl derer, die an der Berliner ums Leben kamen. Allein in Hohen Neuendorf waren drei 19-jährige Maueropfer zu beklagen. Derer gedachte am Sonnabend der Bürgermeister von Hohen Neuendorf und erinnerte an das Schicksal von Joachim Mehr, Willi Born und Rolf-Dieter Kabelitz. Drei junge, lebenshungrige Menschen.

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Verharrt schweigend vor den Stelen: Bürgermeister Steffen Apelt.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Hohen Neuendorf. Joachim Mehr hatte keine Chance. Der 19-Jährige wurde erschossen, nachdem er sich bereits im Stacheldraht verheddert hatte, sagt Steffen Apelt. Vergangenen Sonnabend erinnerte der Bürgermeister von Hohen Neuendorf an das Schicksal des jungen Mannes, der bei einem Fluchtversuch sein Leben lassen musste. So wie zwei weitere, ebenfalls 19-jährige Maueropfer. Willi Born erschoss sich, nachdem sein Flucht entdeckt worden war. Rolf-Dieter Kabelitz wurde angeschossen und erlag 23 Tage später im Hennigsdorfer Krankenhaus einer Lungenentzündung.

Anlass für das Gedenken war der Bau der Berliner Mauer, der vor genau 55 Jahren begonnen hatte. Und die so auch den heutigen Hohen Neuendorfer Ortsteil Bergfelde von Berlin-Frohnau trennte. Hier waren die jungen Leute zwischen 1964 und 1971 mit ihrer Flucht gescheitert. An sie erinnern nun drei Stelen am Waldjugendweg, unweit des einstigen Grenzturms.

Uwe Sukowski ergriff als Zweiter das Wort

Uwe Sukowski ergriff als Zweiter das Wort.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Zweiter Redner war Uwe Sukowski, zweiter Stellvertreter der Hohen Neuendorfer Stadtverordnetenversammlung.

Nach einem Moment des stillen Gedenkens legen er und Steffen Apelt an den Stelen einen Blumenkranz nieder. Marienetta Jirkowsky, deren Fluchtversuch an der Florastraße 1980 tödlich endete, wurde ebenfalls erwähnt. Auch der 100-Meilen-Mauergedenklauf trug zur Erinnerung bei. Nach der Kranzniederlegung wurden die ersten Läufer am Grenzturm begrüßt.

Waren die Opfer besonders mutig? Oder extrem dumm? Alle jedenfalls, so der Bürgermeister, waren jung und lebenshungrig. Wahrscheinlich wollten sie ihr Leben nicht in den engen geistigen und materiellen Grenzen verbringen, die ihnen ihr Staat diktiert hatte, fährt er fort. Die Mauer sei zwar nun Geschichte, aber man dürfe sie nicht vergessen. „Wer sich mit ihr auseinandersetzt, wird sensibel gegenüber Unrecht und totalitären Ideologien“, so Steffen Apelt. Ausdrücklich dankt er dem ebenfalls anwesenden Marian Przybilla, habe doch besonders der Vorsitzende des Vereins „Deutsche Waldjugend Naturschutzturm“ zu Aufarbeitung der Opferschicksale beigetragen.

Drei Stelen erinnern an das Schicksal der jungen Männer

Drei Stelen erinnern an das Schicksal der jungen Männer.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Der Bau der Mauer war gerade für Hohen Neuendorf und die damals hier lebenden Menschen einschneidender als für viele andere Orte in der DDR, sagt Uwe Sukowski. Die Menschen hatten sie ständig vor Augen, mussten lernen, mit ihr zu leben, so der zweite Vorsitzende der SVV: „Hier wurden Bande zerrissen, die in Jahrzehnten gewachsen waren.“ Auch habe sich die Einwohnerschaft verändert, sagt er, schließlich habe die DDR im Grenzgebiet ausgewählte Personen angesiedelt. Mit diesem Gedenken, so Uwe Sukowski, erinnere man zugleich auch an den Wagemut und Ideenreichtum der Menschen, die die Mauer mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln überwinden wollten oder überwunden haben. Ihr Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmheit habe schließlich zum Fall der Mauer geführt.

Als sie gebaut wurde, war ihm das allerdings herzlich egal. Uwe Sukowski war schließlich erst zehn Monate alt: „Damals interessierte ich mich mehr für Milch und Schlafen.“

Die Berliner Mauer

28 Jahre, bis zum 9. November 1989, bestand die Mauer um West-Berlin. Im Zuge der politischen Wende wurde sie geöffnet.

Ziel war es, den anhaltenden Flüchtlingsstrom zu stoppen.

Sie maß rund 160 Kilometer.

Sie kostete rund 400 Millionen Mark der DDR.

Der Schießbefehl galt in Fällen des „ungesetzlichen Grenzübertritts“.

Der Plan zum Mauerbau war ein Staatsgeheimnis der DDR-Regierung.

Die genaue Zahl der Mauertoten ist nicht bekannt. Laut der Arbeitsgemeinschaft 13. August soll es 138 Todesopfer gegeben haben.

Einige Grenzsolldaten starben ebenfalls bei gewalttätigen Vorfällen an der Mauer.

Von Fritz Hermann Köser

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