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Tödliche Attacke auf Mieterin: lebenslange Haft gefordert

Oberhavel Tödliche Attacke auf Mieterin: lebenslange Haft gefordert

Die Staatsanwältin hält den 82-Jährigen, der im Juli vorigen Jahres im Kreis Oberhavel seine 75-jährige Mieterin erstach, für einen „kaltblütigen Mörder“. Sie hat deswegen am Donnerstag eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt. Der Verteidiger bewertet die Tat deutlich anders.

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Die Spurensicherung bei ihrem Einsatz im Juli 2016

Quelle: Helge Treichel

Glienicke. Für Staatsanwältin Dorit Herrmann ist klar: Der 82-jährige Jürgen F. lauerte seiner Mieterin Hannelore K. am 11. Juli vorigen Jahres auf, um sie „kaltblütig zu ermorden“. „Dafür gibt es nur eine Strafe: Lebenslang“, sagte sie vor dem Landgericht Neuruppin.

Lebenslang für kaltblütigen Mord gefordert

Motiv für die Tat waren jahrelange Streitigkeiten zwischen Jürgen F. und dem Ehepaar K., das auf dem Grundstück in der Glienicker Koebisstraße im Hinterhaus zur Miete wohnte. Das gesamte Objekt hatte das Ehepaar 2011 an den Angeklagten verkauft. Wie Verteidiger Georg Unnebrink sagte, sei der Mietvertrag manipuliert gewesen, mit dem Ziel, dass das Ehepaar K. bis zum Lebensende dort zu einer geringen Miete wohnen kann. „Das hat ein Geschmäckle“, so Unnebrink. Jürgen F. zog durch alle Gerichtsinstanzen, die nicht so ausgingen, wie er es wollte: Das Ehepaar K. musste das Haus nicht räumen.

Angeklagter setzte seinen Willen durch

„Sein Leben verlief im Großen und Ganzen so, wie er es wollte“, sagte Dorit Herrmann. Lief es mal nicht wunschgemäß, half er nach. So versprach er seinen Kindern ein Haus, wenn sie ihn zum Opa machen. Nur bei Hannelore K., die er für diejenige hielt, die sich gegen den Auszug sperrte, biss er offensichtlich auf Granit. Das Grundstück an der Koebisstraße hatte er bereits seiner Tochter und der Enkelin überschrieben, er verwaltete das Haus allerdings und war ein- bis zweimal die Woche vor Ort. Am Tattag flatterte ihm Anwaltspost in den Briefkasten. Demnach musste er an die ungeliebten Mieter noch zuvor einbehaltenes Geld auszahlen. Außerdem wartete er auf eine Vollmacht seines Mieters, dem Schwiegersohn der Eheleute K. – und er hatte kurz zuvor erfahren, dass er Hautkrebs hat.. „Er meinte aufgrund seines Alters und seiner Krankheit nichts mehr zu verlieren zu haben“, sagte die Staatsanwältin. Aus ihrer Sicht hat er die Tat ganz gezielt geplant. „Es kann nicht sein, dass er Selbstjustiz übt, weil er mit den Urteilen der Gerichte nicht einverstanden war“, so Herrmann.

Für Verteidigung hat der Angeklagte im Affekt gehandelt

Für den Verteidiger hatte sich bei dem Angeklagten über Jahre etwas angestaut. Der Streit habe sein Leben bestimmt. Am Tattag habe dann der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht und er habe zum Messer gegriffen, im Affekt. „Jürgen F. konnte nicht anders handeln“, so Unnebrink. Sein Mandant sei nicht mehr in der Lage gewesen, das Unrecht seines Handelns einzusehen beziehungsweise danach zu handeln. Deshalb müsse das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgehen. Der psychiatrische Sachverständige jedoch hatte eine Affekttat ausgeschlossen und den Angeklagten als voll verantwortlich gesehen. Eine Sichtweise, die dem Verteidiger nicht behagte. Für ihn hat der Angeklagte keinen Mord, sondern einen Totschlag begangen. Er forderte eine Haftstrafe von vier Jahren.

Die Entscheidung des Gerichts wird am Dienstag verkündet.

Von Dagmar Simons

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