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Tödliche Unfälle zwingen zum Handeln

Radfahren in Oranienburg Tödliche Unfälle zwingen zum Handeln

Nach zwei tödlichen Unfällen mit Radfahrern in Oranienburg rief die MAZ dazu auf, Gefahrenstellen in der Stadt zu melden. Das Echo war enorm, es gibt auch viele Verbesserungsvorschläge. Die MAZ übergab das Material der Unfallkommission von Oberhavel. Im MAZ-Interview versichert deren Chef: „Jeder Hinweis wird geprüft“.

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Hardy Henke ist Fachdienstleiter Verkehr in der Kreisverwaltung Oberhavel und Leiter der Unfallkommission des Kreises.
 

Quelle: Frank Pawlowski

Oranienburg.  Sind Oranienburgs Straßen nicht mehr sicher für Radfahrer? Diese Frage stellte die MAZ im Dezember. Anlass war eine traurige Bilanz: Zwei Tote und eine Schwerverletzte waren zuvor binnen zwei Monaten zu beklagen. Viele Leser antworteten auf den MAZ-Aufruf, machten Vorschläge für mehr Sicherheit auf den Straßen. Darüber und über die Arbeit der Verkehrsunfallkommission von Oberhavel sprach die MAZ mit deren Leiter Hardy Henke.

MAZ: Herr Henke, MAZ-Leser haben viele Vorschläge gemacht, wie die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger in Oranienburg verbessert werden kann. Sie haben alle Hinweise auf dem Tisch – können Sie schon sagen, was sich davon umsetzen lässt?

Hardy Henke: Zunächst einmal: Jeder einzelne Hinweis wird durch uns geprüft, wir nehmen jeden Hinweis sehr ernst. Die Erkennbarkeit von Querungshilfen ist zum Beispiel ein Punkt, den wir rasch angehen werden. Wir wollen sie besser sichtbar machen, eventuell auch Reflektoren an den Hochborden anbringen, zum Beispiel am Amtsgericht in der Berliner Straße oder im Kreisverkehr vor der Dekra in der Walther-Bothe-Straße sowie in der Berliner Straße in Höhe der Tankstelle.

Für die Schlossplatz-Kreuzung, wo im Oktober einer der drei tödlichen Unfälle passierte, gab es den Vorschlag, getrennte Grünphasen der Ampeln für Radfahrer und Autofahrer einzurichten – so wie das sehr gut an der Kreuzung Picanstraße, Bernauer Straße funktioniert. Ist das machbar?

Henke: Wir haben uns die Kreuzung direkt nach dem tragischen Unfall angeschaut. Die Markierungen, Beschilderungen und die Ampelschaltungen sind nach unserer Einschätzung in Ordnung. Mehr kann ich zu diesem konkreten Fall noch nicht sagen, weil es sich um ein laufendes staatsanwaltliches Verfahren zur Klärung des Unfallhergangs handelt. Gleiches gilt für den tödlichen Unfall in der Saarlandstraße, Ecke Wernigeroder Straße.

Das heißt, an der Schlossplatz-Kreuzung kann jetzt erst mal gar nichts geändert werden?

Henke:Das ist richtig, wir müssen das Ergebnis des Verfahrens abwarten. Erst dann können wir entscheiden, ob dort Maßnahmen ergriffen werden müssen. Bisher ist die Schlossplatz-Kreuzung übrigens kein Unfallschwerpunkt. Trotzdem kann es sein, dass wir dort etwas tun müssen, ebenso in der Saarlandstraße.

Die MAZ rief  ihre Leser auf, Gefahrenstellen für Radfahrer zu benennen

Die MAZ rief ihre Leser auf, Gefahrenstellen für Radfahrer zu benennen. das Echo war riesig, es wurden auch viele Vorschläge für mehr Sicherheit auf den Straßen gemacht.

Quelle: Repro

Aber der Vorschlag vieler Leser, die Ampelschaltung am Schlossplatz zu verändern, klingt doch plausibel. Warum wird das nicht gemacht?

Henke: So einfach ist das leider nicht. Die Regelung an der Picanstraße lässt sich nicht eins zu eins an einem anderen Knotenpunkt umsetzen. Der Schlossplatz ist mit Abstand der höchst frequentierteste Knotenpunkt in Oranienburg. Wenn wir an dieser Stelle die Signalsteuerung auch nur geringfügig ändern, wird das den Verkehrsfluss in der gesamten Stadt drastisch beeinflussen. Wir müssen immer das ganze System im Blick haben. Ähnlich ist es mit der Ampelschaltung ein paar Meter weiter an der Kreuzung Sachsenhausener Straße. Beide Lichtsignalanlagen sind aufeinander abgestimmt. Auch hier sind Veränderungen nicht ohne weiteres möglich. Aber wie gesagt, wir sind hier noch in der Prüfung.

Der neue Kreisverkehr in der Sachsenhausener Straße, Rungestraße war ebenfalls ein viel diskutiertes Thema. Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer tun sich gleichermaßen schwer damit. Besteht dort Handlungsbedarf?

Henke: Nach unserer Einschätzung besteht jetzt kein Handlungsbedarf für bauliche oder verkehrstechnische Änderungen. Dieser Kreisverkehr ist in dieser Ausführung mit Fußgängerüberwegen und der Besonderheit, dass Radfahrer im Kreisverkehr mitfahren, der erste im Stadtgebiet. Daran müssen sich alle Verkehrsteilnehmer erst einmal gewöhnen. Da dieser Kreisverkehr der erste seiner Art im Stadtgebiet ist, wird er besonders beobachtet. Wir werten alle Erfahrungen aus und entscheiden dann über eventuell notwendige Veränderungen. Übrigens hat die Stadt Oranienburg gerade bei diesem Kreisverkehr eine vorbildliche Informationspolitik gemacht. Ein Flyer wurde veröffentlicht, der die Verkehrsführung und die Vorfahrtsregelung sehr anschaulich erklärt.

 Oranienburg könnte für Radfahrer vielerorts sicherer sein, gilt aber auch als fahrradfreundliche Stadt

Oranienburg könnte für Radfahrer vielerorts sicherer sein, gilt aber auch als fahrradfreundliche Stadt.

Quelle: dpa

MAZ-Leser kritisieren die Verkehrsführung in der Saarlandstraße, Ecke Birkenallee und schlagen vor, die jetzige Vorfahrtsregelung zu ändern. Der Hauptstraßenverlauf sollte so sein, wie die meisten Autos fahren – also als abbiegende Hauptstraße Richtung B96 und in Richtung Stadt. Was spricht dagegen?

Henke: Die Stelle dort ist kein Unfallschwerpunkt, die jetzige Vorfahrtsregelung funktioniert. Eine abbiegende Hauptstraße würde außerdem Fußgänger und Radfahrer benachteiligen. Wir werden aber versuchen, auf der Birkenallee die Straßenführung besser mittels Markierung zu kennzeichnen – mit einem Linksabbiegerpfeil und einer Wartelinie. Dann ist das eindeutiger für die Verkehrsteilnehmer.

Als große Gefahrenstelle sehen Leser auf der Straße der Einheit den Kreuzungsbereich Waldstraße, Sandhausener Weg, Straße der Nationen. Dort sind viele Schulkinder unterwegs, es gab schon einige Unfälle. Was können Sie dazu sagen?

Henke: Auch diese örtliche Situation wird durch die Straßenverkehrsbehörde geprüft werden.

Sind Oranienburgs Straßen sicher für Radfahrer?

Henke: Ich denke, insgesamt ja. Nicht umsonst hat Oranienburg im vorigen Jahr das Prädikat fahrradfreundliche Stadt bekommen. Wir sind im ersten Halbjahr 2015 das gesamte Stadtgebiet im Rahmen einer Radverkehrsschau abgefahren. Des Weiteren erfolgte eine gesonderte Verkehrsschau an allen Lichtsignalanlagen unter dem Gesichtspunkt der Radfahrerführung – und signalisierung. Dabei haben wir uns jede Kreuzung angeschaut und eine Reihe von Maßnahmen festgelegt, die teilweise noch in der Umsetzung sind, zum Beispiel bei Ampelschaltungen.

Zur Arbeit der Unfallkommission. Wer gehört ihr an und was ist ihre Aufgabe?

Henke: Die Verkehrsunfallkommission ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Gremium, das die Kreise und kreisfreien Städte einsetzen müssen. Mitglieder sind die Straßenverkehrsbehörde, dessen Leiter auch den Vorsitz in der Kommission inne hat, der Landesbetrieb für Straßenwesen, die Polizei und der jeweilige Eigentümer der Straße, zum Beispiel die Stadt Oranienburg. Die Kommission ist, mit Ausnahme der Autobahnen, für alle öffentlichen Straßen in Oberhavel zuständig – von der Bundesstraße bis zur Anliegerstraße. Die Kommission ist ein Instrument der Prävention, mit dem Unfallschwerpunkte für die Zukunft sicherer gestaltet werden sollen.

Wie sieht das konkret aus?

Henke: Grundlage unserer Arbeit sind die Statistiken der Polizei für verschiedene Zeiträume. Wenn es zum Beispiel binnen eines Jahres an einer Stelle fünf gleichartige Unfälle gibt, zum Beispiel Vorfahrtsunfälle, dann ist das ein Unfallschwerpunkt, um den wir uns kümmern müssen. Im Dreijahres-Zeitraum gilt das für fünf Unfälle mit Personenschaden und drei Unfällen mit Schwerverletzten. Die Kommission schaut sich die Lage vor Ort an, beurteilt die Beschilderung, die Markierungen, den Straßenverlauf und den baulichen Zustand. Dann wird entschieden, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation ergriffen werden müssen. Bei tödlichen Unfällen sind wir verpflichtet, das sofort vor Ort zu prüfen.

Wie lange dauert es, bis Unfallschwerpunkte entschärft werden?

Henke: Das hängt von den Maßnahmen ab. Wenn zur besseren Einsehbarkeit einer Kreuzung zum Beispiel nur Sträucher entfernt, Verkehrsschilder gesetzt oder Straßenmarkierungen aufgetragen werden müssen, dann kann das relativ schnell umgesetzt werden. Bauliche Veränderungen wie die Verbreiterung von Straßen dauern mitunter einige Jahre.

Die MAZ-Leser haben immer wieder auch appelliert, gegenseitig mehr Rücksicht zu nehmen, um Unfälle zu vermeiden. Wie wichtig ist das?

Henke: Das ist sehr wichtig! Der Faktor Mensch gehört immer mit dazu. Ich bin sicher, dass es deutlich weniger Unfälle geben würde, wenn nicht jeder im Straßenverkehr auf sein Recht pocht. Deshalb auch mein Appell: Bitte nicht auf seinem Recht bestehen und im Zweifel lieber zurückstecken.

Von Frank Pawlowski

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