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Oberhavel Tote Obdachlose im Wald: Entsetzen in Schönfließ
Lokales Oberhavel Tote Obdachlose im Wald: Entsetzen in Schönfließ
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00:19 25.12.2017
An dieser Stelle hatte die Tote in den vergangenen Wochen ihr Lager aufgeschlagen. Am Tag nach ihrem Auffinden zeugen nur noch Absperrbänder der Polizei von dem Drama, was sich hier abgespielt hat. Quelle: Helge Treichel
Schönfließ

Ein tragischer Todesfall erschütterte Donnerstag die Bewohner von Schönfließ und der Region. Wie bekannt wurde, hatte die Polizei am Mittwoch nach Informationen von Anwohnern der Glienicker Chaussee im Waldgebiet an der Bieselheide, unweit der dortigen Bushaltestelle, gegen 11.15 Uhr eine leblose Person auf einem Waldweg aufgefunden. Vor Ort eingetroffene Rettungskräfte konnten nur noch den Tod der 75-Jährigen feststellen, die zuletzt in Bremen amtlich gemeldet war. Nach ersten Erkenntnissen war die Frau bereits seit ein bis zwei Tagen tot.

Während der polizeilichen Aufnahme erschien unerwartet eine weitere erwachsene Frau an der Fundstelle. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um die Tochter der Toten. Während der Vernehmung gab sie an, dass ihre Mutter stets viel geschlafen und äußerst mürrisch reagiert habe, wenn sie geweckt worden sei. Sie habe daher ihre Mutter auch nicht aufgeweckt.

An dieser Stelle wurde die 75-jährige Frau gefunden. Quelle: Helge Treichel

Nach Aussagen von Anwohnern sollen die beiden Frauen seit mehreren Wochen im Waldgebiet an der Bieselheide gelebt haben. Das bestätigt auch Guido Fahrendholz, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Obdachlose engagiert. „Diese Stelle ist als Aufenthaltsort von Obdachlosen bekannt“, erklärt der 51-Jährige. Bis zu fünf Menschen hätten dort zeitweise in der Vergangenheit schon gelebt. Zugleich sei der „Spot“ kein Einzelfall. Vielmehr gebe es im Bereich der Nordbahngemeinde noch drei weitere solcher Plätze. Mehrere Male war Fahrendholz in der Vergangenheit an der Bieselheide, habe nach den Leuten schauen, seine Hilfe anbieten wollen. „Leider habe ich nie jemanden angetroffen, jedoch eine Nachricht hinterlassen.“

Das Telefon von Fahrendholz, der sich gemeinsam mit den „Charity Banditen“ für Obdachlose in der Region stark macht, lief am Donnerstag heiß. „Es findet langsam ein Umdenken, auch in den Gemeinden statt. Der aktuelle Fall zeigt auf tragische Weise, dass dringender Bedarf da ist, tätig zu werden.“ Er sei sicher: „Der nächste Winter wird nicht mehr so unstrukturiert ablaufen wie der diesige.“ Wichtigster Hinweis von Guido Fahrendholz für Anwohner und Passanten, die helfen wollen: „Nicht von der Polizei abwimmeln lassen, wenn Hilfe für obdachlose Menschen benötigt wird. Für die Abwendung von Gefahr und Notsituationen ist die Polizei immer der richtige Ansprechpartner.“

Unweit der Bushaltestelle hatten die Frauen im anliegenden Wäldchen ihr Lager aufgeschlagen. Quelle: Helge Treichel

Passanten reagieren entsetzt auf die Nachricht, dass dort eine Frau im Wald starb. „Ich finde es einfach nur traurig“, sagt eine junge Frau mit Babybauch, die in der Nähe wohnt. Auch Angelika Marggraff aus Berlin-Reinickendorf, die jeden Morgen an der betreffenden Bushaltestelle wartet. Schon seit einigen Wochen hat immer wieder mal eine Frau beobachtet, die auf einem unscheinbaren Pfad an der Bushaltestelle im Wald verschwand. Daraufhin seien ihr die zwei farbigen Punkte im Geäst aufgefallen. „Zelte“, sagt sie. Dort lebten die beiden Frauen.

Deren Unterschlupf sei aber nicht so offensichtlich gewesen, sagt Angelika Marggraff. Ihrem Sohn, der keine 100 Meter weit entfernt auf dem Sportplatz Bieselheide regelmäßig sein Fußballtraining absolviert und zu Fuß an der Bushaltestelle vorbeikommt, seien die Zelte noch gar nicht aufgefallen. Der provisorische Unterschlupf ist mittlerweile weggeräumt. Polizei, Ordnungsamt und Rettungsdienst waren am Mittwoch ab Mittag im Einsatz. Lediglich ein Absperrband der Polizei markiert die betreffende Stelle im Wald am Tag danach noch.

Die Polizei leitete ein Todesermittlungsverfahren ein und beschlagnahmte den Leichnam. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung gibt es nicht. Die Tochter der Toten wurde durch die Polizei vernommen und anschließend in einer Obdachlosenunterkunft untergebracht.

Von Nadine Bieneck und Helge Treichel

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