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Toter SS-Mann unerwünscht

Hennigsdorfer wollen kein Begräbnis des Kriegsverbrechers Priebke Toter SS-Mann unerwünscht

In Hennigsdorf sind Widerstandskämpfer wie Klara Schabbel begraben. Dass daneben künftig der Nazi-Kriegsverbrecher Erich Priebke liegen könnte, ist für viele eine Horrorvorstellung, wie es eine Stadtverordnete formuliert. Sie befürchten, der Ort werde ein Wallfahrsort für Neonazis. Durch einen Rechtsgrundsatz der Friedhofsverordnung könnte das abgewendet werden.

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Unvorstellbar, dass hier auf dem Hennigsdorfer Waldfriedhof der Kriegsverbrecher Priebke neben den Opfern des Zweiten Weltkriegs liegen könnte.

Quelle: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Herbstsonne fällt auf die Grabsteine, von den Bäumen singen die Vögel ihr Lied. Mit dieser Idylle könnte es bald vorbei sein auf dem Hennigsdorfer Waldfriedhof. Denn NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke, der vergangenen Freitag im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben ist, könnte demnächst in seiner Geburtsstadt Hennigsdorf beigesetzt werden. Das schlägt zumindest die jüdische Gemeinde Roms vor.

Der Name Priebke steht für eines der schlimmsten Nazi-Massaker in Italien. Erich Priebke war im März 1944 als Hauptsturmführer an der Erschießung von 335 Zivilisten in der Nähe von Rom beteiligt, zwei Männer soll er dabei selbst getötet haben. In Rom stand der lebenslang verurteilte Kriegsverbrecher seit vierzehn Jahren unter Hausarrest. Doch die Italiener wollen den toten Nazi nicht begraben, auch Argentinien, wo Erich Priebke viele Jahre lebte, will den Leichnam nicht.

Auch in der Hennigsdorfer Stadtverwaltung lehnt man eine Bestattung kategorisch ab. „Das ist ein Kriegsverbrecher, den wir überhaupt nicht beerdigen müssen“, sagt Sprecherin Ilona Möser. Sie verweist auf die Friedhofssatzung der Stadt. Danach dürfen auf den Hennigsdorfer Friedhöfen nur Menschen bestattet werden, die entweder zum Zeitpunkt ihres Todes Einwohner der Stadt waren, in Hennigsdorf tot aufgefunden wurden oder ein besonderes Anrecht, etwa durch ein Familiengrab, besitzen. „Allein die Geburt in Hennigsdorf berechtigt aber niemanden dazu, hier auch beerdigt zu werden“, so die Sprecherin.

Bei der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten sieht man das anders. „In Europa hat jeder ein Recht auf eine Grabstätte – egal welche Verbrechen er begangen hat”, sagt Günter Morsch, Direktor der Stiftung. Maßgeblich, sagt Morsch, sei der Wille der Angehörigen. Doch ob es die in Hennigsdorf überhaupt noch gibt, ist ungewiss. Im Stadtarchiv findet sich kein Eintrag mehr zum Namen Priebke in der Kreismeldekartei. „Es ist also eher unwahrscheinlich, dass es in Hennigsdorf noch Nachkommen gibt“, sagt Mitarbeiterin Jeanette Voigt. Gänzlich ausschließen kann sie es aber nicht.

Für Wera Quoß, die für die Linke in der Hennigsdorfer Stadtverordnetenversammlung sitzt, wäre die Bestattung Priebkes in der Stadt eine Horrorvorstellung. „Der Mann hat so viel Unheil über die Menschheit gebracht. Sollen sie ihn doch in Rom begraben, meinetwegen auf irgendeiner grünen Wiese“, schlägt Quoß vor. Allein die Beisetzung, fürchtet sie, könnte viele Rechtsextreme anziehen. Auch sei nicht auszuschließen, dass das Grab des Kriegsverbrechers ein Wallfahrsort für Neonazis werden könnte.

Unwahrscheinlich ist das nicht. Erich Priebke wird nach wie vor verehrt in der Neonazi-Szene. Nicht zuletzt, weil er bis zu seinem Tod niemals Reue für seine Taten gezeigt hat, auch den Holocaust hatte Priebke bis zuletzt geleugnet. Im Juli 2012, als der Alt-Nazi seinen 99. Geburtstag feierte, zogen in der Nacht rund 40 Neonazis mit Erich-Priebke-Masken durch die Hennigsdorfer Innenstadt, huldigten dem Ex-SS-Offizier mit Fackeln und Runen-Bannern.

Auf dem Waldfriedhof will man den toten Priebke dagegen nicht sehen. „Hier liegen Widerstandskämpfer wie Klara Schabbel, Kriegsverbrecher wollen wir nicht haben“, sagt die Hennigsdorferin Sabrina Schurig. Sie schlägt vor, Priebkes Asche an einem unbekannten Ort zu verstreuen. Auch Erika Elsner will nicht, dass der tote Nazi in der Nähe ihrer Verwandten liegt. „Dann kommen viele dieser Typen her, die ihn verehren. Der soll woanders bestattet werden, selbst wenn er hier geboren ist“, sagt die Hennigsdorferin. Ein bisschen Mitleid gibt es aber doch. Wer weiß, so die Hennigsdorferin Helga Müller, warum der Mann so geworden ist, wie er war. „Sollen sie ihn doch hier bestatten, aber möglichst still.“

Von Marco Paetzel

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Kommantar zur möglichen Bestattung von Erich Priebke

Brandenburg hat bereits ein Beispiel, wie mit dem Grab eines Kriegsverbrechers umgegangen werden kann: MAZ-Autorin Marion Kaufmann über die Pläne, den NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke in seiner Heimat Brandenburg zu bestatten.

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