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Oberhavel Tränen der Freude: Endlich Knochenmarkspender!
Lokales Oberhavel Tränen der Freude: Endlich Knochenmarkspender!
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12:03 11.11.2016
Markus Kulling ließ sich vor vier Jahren als Spender registrieren, im Oktober kam die Nachricht, dass er Leben retten kann. Quelle: Marco Paetzel
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Hennigsdorf

Es war nur eine E-Mail, ein paar dürre Sätze. „Wir wenden uns nun an Sie, da Sie in die engere Auswahl gekommen sind, für einen erkrankten Patienten zu spenden.“ Als Markus Kulling diese Zeilen las, konnte er seine Tränen nicht zurückhalten. Sergine Bosch, Mitarbeiterin der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei), hatte dem Hennigsdorfer an jenem 5. Oktober mitgeteilt, dass er einem anderen Menschen mit seinen Stammzellen das Leben retten könnte. Der 42-Jährige weiß nicht, wer der Patient ist, er sieht ihn aber als so etwas wie seinen genetischen Zwilling. „Er kann jede Hautfarbe haben, überall auf der Welt. Das ist Wahnsinn.“

Tatsächlich ist es sehr selten, dass Menschen sich genetisch ähnlich genug sind, damit die Knochenmarkspende vom Empfänger nicht abgestoßen wird. Zwar hat die DKMS weltweit rund 6,7 Millionen Menschen in ihrer Spenderkartei registriert. Doch tatsächlich gibt es statistisch gesehen nur 18 Spender, die pro Tag auf dem gesamten Globus gefunden werden. „Das ist also ein bisschen wie ein Sechser im Lotto, dass ich jemandem helfen kann“, sagt Markus Kulling.

Dem gegenüber stehen zig Millionen von Menschen, die auf Knochenmarkspenden angewiesen sind. Allein in Deutschland erhält laut Angaben der DKMS jede Viertelstunde jemand die schlimme Diagnose Blutkrebs. Viele von ihnen sind Kinder und Jugendliche, deren Leben von einer Stammzellspende abhängt.

Markus Kulling, ein Kerl wie ein Bär, hat sich vor vier Jahren typisieren lassen. Er musste mit einem Wattestäbchen einen Abstrich seiner Mundschleimhaut machen und sie per Brief an die DKMS schicken. Das war’s. Die Organisation übernimmt die Portokosten und auf Wunsch auch die 40 Euro für die Registrierung. „Ich habe trotzdem 50 Euro gespendet“, so Kulling, der als Technologe beim Zughersteller Stadler-Pankow arbeitet.

Der Hennigsdorfer weiß selbst, was die Diagnose Krebs bedeutet. Vor einem Jahr hat eines seiner engsten Familienmitglieder den Kampf gegen die Krankheit verloren. Nach Jahren voller Hoffnung und Tiefschlägen. Eine Stammzellspende half nichts mehr, der Krebs siegte. Für Markus Kulling und seine Familie ging ein Riss durch die Zeit, die Trauer war übermenschlich. Wen Kuling betrauert, darüber kann er auch heute noch nicht reden. „Es ist besser so.“

Bei seinen Besuchen in der Charité hat er auch krebskranke Kinder gesehen, die auf drei Mal drei Metern isoliert sind, ihre Eltern nur durch eine Folie berühren dürfen. „Jeder Virus, jede Bakterie kann für sie den Tod bedeuten.“ Auch die vielen Ehrenamtlichen, die die übermüdeten Eltern auf der Station mit Kaffee und Kuchen versorgen, haben ihn tief beeindruckt. Markus Kulling froh, mit seiner Spende nun auch etwas tun zu dürfen.

Wenn alles klappt, wird er im Januar ins Klinikum nach Dresden fahren, um sich die Stammzellen entnehmen zu lassen. Es gibt die Variante, die Zellen per Blutabnahme zu spenden, die Spende kann aber bis zu acht Stunden dauern. Kulling zieht eher die zweite Variante vor. Dabei wird dem Spender – unter Vollnarkose – das Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Dabei muss sich Kulling auf etwa drei Tage Aufenthalt im Krankenhaus gefasst machen. Die Kosten für die Fahrt, den Eingriff und den Arbeitsausfall übernimmt die DKMS, Kulling muss sich um nichts kümmern.

Dass er helfen will, kommt bei Freunden und Bekannten gut an. Drei Leute konnte er schon davon überzeugen, sich auch registrieren zu lassen. „Viele haben Angst davor, dass ihnen die Spende mit einer Punktionsnadel aus dem Rückenmark entnommen wird, aber das ist totaler Quatsch.“

Ob er jemals erfahren will, wer sein „Zwilling“ ist? Kulling zögert, nickt dann aber. Es wäre toll, wenn der Mensch gerettet wäre. „Ich muss dann aber auch ertragen können, wenn er es nicht überlebt hat.“

Von Marco Paetzel

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