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Träume von einem ganz normalen Leben

Oranienburg Träume von einem ganz normalen Leben

Seine Uraufführung erlebte am Mittwochnachmittag der 20-minütige Streifen des iranischen Filmemachers Milani Rahman in der Aula der Havelgrundschule. Er hat Flüchtlingskinder aus Lehnitz im Alltag und vor allem in der Schule begleitet, mit ihnen über ihre Träume gesprochen.

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Lydia Grimm mit den Protagonisten des Films Yosaman, Sahar, Samira, Navid, Sabi und Hussein.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Sie spielen leidenschaftlich Fußball, mögen nicht so viele Hausaufgaben und wollen Arzt werden. Oder Ingenieur. Sie sind mit ihren Eltern geflohen vor Zerstörung, Krieg und Waffengewalt. Und sie setzen so große Hoffnungen in ihr Leben. Ob sie es hier leben können, ist noch ungewiss. Aber sie lernen für die Erfüllung ihrer Träume die deutsche Sprache, besuchen die 5. beziehungsweise 6. Klasse der Oranienburger Havelgrundschule. Yosaman aus dem Iran, Navid, Sahar, Sabi und Hussein aus Afghanistan und Samira aus Tschetschenien.

Ihnen hat der iranische Regisseure Milani Rahman jetzt einen Film gewidmet. Hat die Elf- und Zwölfjährigen, die mit ihren Familien im Flüchtlingsheim in Lehnitz leben, mit der Kamera begleitet. 18 Stunden lang im November vergangenen Jahres. Am Mittwochnachmittag erlebte der 20-minütige Streifen in der Aula der Schule seine Uraufführung. Landkreis, Schulförderverein und Schulsozialarbeiter haben das Projekt unterstützt.

Er beginnt mit dem Rattern eines S-Bahn-Zuges über die Gleise. Der tägliche Weg der Schulkinder von Lehnitz nach Oranienburg. Mancher scheint schon ein Havelschüler zu sein, andere sind sehr schüchtern vor der Kamera. Sie interviewen Schulleiter und Sekretärin, stehen selbst Rede und Antwort. Navid aus Afghanistan ist seit einem Jahr in Deutschland. „Die Taliban haben die Schule kaputt gemacht. Warum tun sie so etwas?“, fragt er. Hier in Deutschlang „spiele ich beim OFC Fußball. Ich spiele gut“, sagt er.

Josaman kam aus dem Iran: „Dort muss ich Kopftuch tragen, hier muss ich nicht“, sagt die Schülerin der 6. Klasse. Samira (11) erinnert sich daran, dass sie all ihre Freunde in Tschetschenien zurücklassen musste. Bisher konnte sie nur zwei Jahre zur Schule gehen und „die Lehrer schlagen denen auf die Hände, die keine Hausaufgaben gemacht haben.“ Mehdi aus dem Iran will Arzt werden. Am Drehtag geht er „erst mal in die Bibliothek, dann spiele ich ein bisschen Fußball. Hausaufgaben mache ich am Wochenende“.

Schulleiter Andreas Deutschländer erinnerte bei der Filmpremiere an den schwierigen Anfang und seine Zweifel angesichts der vielen Flüchtlingskinder, „ob wir das schaffen, vor allem gut schaffen“.

„Die Kinder kommen heute gut voran“, bestätigt Lehrerin Lydia Grimm. Sie hofft vor allem, „dass die, die hier sind, bleiben können. Die Politik entscheidet willkürlich“, kritisiert sie. Über jeder Familie schwebe das Damoklesschwert der Abschiebung. Nur ein Kind aus der Filmgruppe habe eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre, alle anderen wissen nicht, ob sie bleiben dürfen. „Dass sie plötzlich gehen müssen, ist für uns unvorstellbar. Die Familien haben zu Hause alles verkauft.“ Und wenn doch: „Wir müssen versuchen, ihnen hier so viel wie möglich an Bildung mitzugeben.“ Drei ihrer Schüler gehen im Sommer in eine neue Schule: Navid in die 7. Klasse des Mosaikgymnasiums, die beiden anderen werden Torhorstschüler.

22 Mädchen und Jungen aus Flüchtlingsfamilien besuchen die Havelgrundschule.

Den DAZ-Unterricht (Deutsch als Zweitsprache) leitet Lydia Grimm.

Als „Deutschlehrer der ersten Stunde“ an der Schule wurden am Mittwoch auch Jenny Barz und Claudia Altmann gewürdigt.

Die Kinder im Film kommen aus Afghanistan, aus Tschetschenien und dem Iran. Sie besuchen die fünfte beziehungsweise sechste Klasse.

Regie geführt hat bei dem 20-minütigen Streifen Milani Rahman. Der Iraner lebt als freischaffender Filmemacher in Berlin.

18 Stunden hat er die Kinder in Unterricht und Alltag mit der Kamera begleitet.

 

Von Heike Bergt

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