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Oberhavel Training für den Ernstfall
Lokales Oberhavel Training für den Ernstfall
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02:15 18.05.2017
Trainiert werden Szenarien wie Epidemien, Flutkatastrophen oder Winterstürme. Quelle: Fotos: dpa, Archiv
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Hennigsdorf

Wenn irgendwann Jets auf dem Großflughafen BER landen, betreten viel mehr Menschen aller Kontinente Berliner Boden. Dann steigt die Gefahr von Epidemien. Was in einem solchen Fall mit der Lebensmittelversorgung passiert, damit beschäftigen sich die vier Mitarbeiter und Chef Götz von Arnim vom „Nations Health-Career School of Management“ GmbH (NHCS) aus dem Blauen Wunder. Seit zwei Jahren bieten die Hennigsdorfer den Workshop „Ernährungsnotfallversorgung“ in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Ahrweiler bei Bonn an. Etwa 200 Mitarbeiter aus Landes- und Kreisverwaltungen in ganz Deutschland haben teilgenommen. Die Kurse finden zweimal im Jahr statt, erklärt Götz von Arnim von der NHCS.

In den Workshops, die zwei bis drei Tage dauern, werden Gruppen gebildet, die bis zu 30 Verwaltungsmitarbeiter spielen das Szenario einer Katastrophe wie Flut, Epidemie oder Wintersturm. Dabei sitzen die Teilnehmer mit einer Landkarte in verschiedenen Räumen. „Es gibt Behörde, Logistikunternehmen, Bürgerschaft und Hilfsorganisationen“, erklärt von Arnim. Je nach Katastrophe kommen ständig Pressemitteilungen, Bestandszahlen oder Reaktionen aus der Bevölkerung bei den Gruppen an. Sie müssen auf jede Problemlage reagieren: Bei einer Pandemie etwa fallen Arbeitskräfte aus, weil sie erkrankt sind, auch im Lebensmittellager. Wie organisiert man in einer solchen Lage den Transport der Nahrung zur Bevölkerung?

Nach Ende des Spieles gibt es eine Auswertung. „Dann entsteht meistens schon ein Aha-Effekt“. Die Teams werden neu zusammengesetzt, das Szenario wieder durchgespielt. „Beim zweiten Mal läuft es viel zielorientierter und reibungsloser.“ Ziel sei es, zu demonstrieren, wie man im Vorfeld ein Eskalieren der Versorgungssituation vermeiden kann oder Zeit zu gewinnen, um den Höhepunkt der Katastrophe zu vermeiden. Etwa, indem die Hilfsorganisation Fahrer stellt, die die Nahrung aus Logistiklagern zu den Menschen bringen. Kommunikation spiele in solchen Situationen eine zentrale Rolle, so Götz von Arnim.

Rund 100 Lager mit Trockennahrung, Dosen und Decken halte der Bund in Deutschland für solche Katastrophen bereit, die jährlich etwa elf Millionen Euro kosten. Das sei aber gar nicht unbedingt nötig. Es gebe Potenziale in der Lebensmittelwirtschaft – wie etwa das Rewe-Lager in Oranienburg. „Warum können wir die im Vorfeld nicht schon mit einbinden?“, fragt Götz von Arnim.

Das Interesse aus Brandenburgischen Verwaltungen an dem Workshop sei bislang noch nicht groß. „Im Landkreis haben wir bis auf Trockenheit nicht so große Bedrohungsszenarien“, so von Arnim. Auch Flutkatastrophen und Pandemien seien unwahrscheinlich.

Kreis-Sprecher Ronny Wappler erklärt, dass Mitarbeiter der Verwaltung unter anderem die Angebote der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz (LSTE) in Eisenhüttenstadt und auch der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler nutzen – dort allerdings nicht den Workshop der Hennigsdorfer NHCS. Dort lasse sich die Ausbildung in drei aufeinanderfolgenden Jahren auf jeweils zwei bis drei Tage pro Jahr splitten. Fortbildungen sollten alle fünf Jahre stattfinden, erklärt Ronny Wappler.

Götz von Arnim indes rät auch Bürgern, sich intensiver mit dem Thema Nahrungsvorräte auseinanderzusetzen. „Wenn jeder sich darüber Gedanken machen würde, könnte das im Katastrophenfall einen positiven Effekt haben.“ Informationen, wie man etwa Vorräte anlegt, gibt es auf den Internetseiten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe unter dem Stichwort „Vorsorge für den Katastrophenfall“.

Von Marco Paetzel

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