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Trödelmarkt im "Filmtheater"

Ehemaliges Kino in Zehdenick Trödelmarkt im "Filmtheater"

Der ehemalige Kinosaal in Zehdenick ist ein Fundus für Schnäppchenjäger und Nostalgiker. Nach Aufzeichnungen des Zehdenicker Heimatforschers Ulrich Drewin wurde das Kino um 1958 eröffnet. Zur Eröffnung wurde der Western "Die sieben Aufrechten" gezeigt.

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Beata Cyl hat aus dem Festsaal eine Trödelscheune gemacht

Quelle: Cindy Lüderitz

Zehdenick. Die erste Zeit im "Wolfskrug" war abenteuerlich. Beata Cyl hatte kein fließend Wasser und keinen Strom, aber ein großes Loch im Dach und ein Leck im Fußboden. "Es regnete praktisch von oben nach unten durch", erinnert sich die 46-Jährige.

Der Saal des ehemaligen "Filmtheaters der Werktätigen" war komplett leergeräumt, wirkte stellenweise ramponiert und abgerissen. Wenig erinnerte an die rauschenden Feste, die die Zehdenicker hier früher feierten. Den Ansprüchen von Beata Cyl genügte das. "Ich habe einfach einen großen Raum gesucht, den ich als Lager nutzen kann. Dafür war es perfekt", sagt die gelernte Schneiderin, die in Berlin ein Möbelgeschäft führte und ihre Polsterwaren in Zehdenick "parkte".

Inzwischen ist aus dem Polsterwaren-Lager in der Liebenwalder Straße eine Trödelscheune geworden, offiziell geöffnet ist seit einem Monat. Beata Cyl staunt, wie viel Freude die Kunden daran haben zwischen den alten Dingen zu stöbern. "Ich hatte ein paar Sachen gesammelt, die ich nicht wegschmeißen wollte, und habe damit das Lager dekoriert. Und statt Polstermöbel zu verkaufen, habe ich Deko verkauft. So bin ich zum Trödel gekommen und dabei geblieben", erzählt die gebürtige Polin.

Das, was sie über die Geschichte der früheren Gaststätte weiß, hätten ihr die Kunden erzählt. So wie die junge Frau, die gestern da war: "Meine Oma hat hier getanzt", sagte sie. An einer Seitentür hängt noch das Schild des damaligen Betriebsarztes Maier. "Ohne SV-Ausweis keine Behandlung" steht darauf und "Sprechstunde immer mittwochs". Noch nicht gänzlich verblasst ist auch der Schriftzug "Filmtheater der Werktätigen" an der Hausfassade.

Nach Aufzeichnungen des Zehdenicker Heimatforschers Ulrich Drewin wurde das Kino um 1958 eröffnet. Viele Freiwillige hatten damals beim Aufbau geholfen. Zur Eröffnung wurde der Western "Die sieben Aufrechten" gezeigt. Das Kino war einige Male ausverkauft. Aber dann kam das Fernsehen in Mode, die Leute blieben zu Hause und die Sitze im Kino blieben öfter leer. Als es sich nicht mehr rentierte, wurde das Filmtheater geschlossen. Danach stand es für lange Zeit leer. Bis die PGH Schuhmacher Zehdenick den Saal für eine Schuhproduktion umbaute. Auch davon hat Beata Cyl gehört. Sie will sich demnächst mal bei den Nachbarn umhören, weitere Geschichten und alte Fotos sammeln. "Dann kann ich eine Ausstellung machen."

Ihren Trödel findet die Händlerin vor allem bei Wohnungsauflösungen. "Es gibt so viele Dinge, die zu schade sind für den Sperrmüll", sagt sie. Neulich habe sie zwei alte Frisierstühle entdeckt, die noch erstaunlich gut in Schuss waren. "Ich freue mich immer, wenn ich solche Sachen retten kann", sagt Cyl. Es habe auch nicht lange gedauert, bis die Stühle verkauft waren. Solche besonderen Dinge setzen keinen Staub an. Vor allem Berliner seien für Trödel zu begeistern. Aber auch junge Leute entdeckten wieder den Charme von Omas Küchenzeile.

Von Cindy Lüderitz

Filmtheater der Werktätigen

Das Kino der Werktätigen am Wolfskrug wurde um 1958 eröffnet, der Saal der Gaststätte selbst war schon 1948 Filmkulisse – die Defa drehte dort Szenen für „Die Brücke“. Viele Zehdenicker waren damals als Statisten dabei. Der Film wurde auch in der Havelstadt gezeigt.
Älter und länger „am Markt“ als das Filmtheater war das „Alhambra“. Das Lichtspieltheater wurde erst 1989 geschlossen.

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