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Turbo-Abi: Lust oder Frust?

Schüler aus der Region über ihre Erfahrungen Turbo-Abi: Lust oder Frust?

Die Diskussion um G 8 oder G 9, also Abitur in zwölf oder 13 Jahren zu machen, ist ein Dauerbrenner. Bedeutet Turbo-Abitur auch Turbo-Stress? Die Meinungen gehen dazu auseinander. Wir haben Jugendliche aus Oberhavel und dem Havelland dazu befragt.

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Abiturienten des Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasiums.

Quelle: Foto: Juliane Weser

Oberhavel/Havelland. Bedeutet Turbo-Abitur auch Turbo-Stress? Die Diskussion um G 8 oder G 9, also Abitur in zwölf oder 13 Jahren zu machen, ist ein Dauerbrenner. Die Meinungen gehen dazu auseinander. In Deutschland ist man sich weiter uneins über G 8 oder G 9. In Rheinland-Pfalz wurde das verkürzte Abitur nie eingeführt. Es gab lediglich Testphasen an einigen Gesamtschulen. Niedersachsen plant nun die Rückkehr zu G 9.

In Brandenburg können Schüler wählen, ob sie an Gymnasien ihr Turbo-Abi durchziehen wollen. Als Alternative gibt es Gesamtschulen und Oberstufenzentren, die 13 Jahre anbieten. Da in Berlin und Brandenburg die Grundschule bis zur sechsten Klasse geht, müsste es eigentlich faktisch G 6/G 7 heißen. Daraus ergibt sich: Sechs Jahre Grundschulzeit, plus sechs Jahre oder sieben Jahre an den weiterführenden Schulen bis zum Abitur.

Die Abiturprüfungsaufgaben sind in beiden Varianten identisch. „Die Einführung des zwölfjährigen Bildungsgangs war eine Notwendigkeit im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit unserer Schüler im bundesweiten Vergleich“, erklärt Florian Engels, Leiter der Pressestelle des Potsdamer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (MBJS). Die Beibehaltung beider Varianten habe dazu geführt, dass es eine „vergleichsweise ruhige Einführung des zwölfjährigen Bildungsganges mit einer hohen Akzeptanz, anders als in anderen Bundesländern, gegeben habe“, so Engels.

Maximilian Machon (18), Lucas Herholt (18), Hendrik Thieding (18), Victoria Engel (17) und Theresa Vorreiter (17) haben in den vergangenen Wochen ihre Abiturprüfungen am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium geschrieben. Alle sind sich einig: „Abi in zwölf Jahren zu machen ist definitiv besser, als noch ein Jahr dranzuhängen.“ Die Abiturienten glauben, das eine Jahr mehr wäre nur Zeitverschwendung. „Natürlich ist es viel Lernstoff, aber es ist zu schaffen“, erklärt Lucas Herholt. „Der Übergang von der zehnten zur elften Klasse ist wirklich eine Umstellung. Aber das muss so sein“, ergänzt der Hennigsdorfer Schüler Maximilian Machon.

Rückblickend haben sich die Abiturienten die zwei Jahre „schwerer vorgestellt“ erzählen sie. Die immer wieder aufkommende Kritik am verkürzten Abi, es gäbe für die Schüler keine Zeit mehr für Freizeitaktivitäten durch den hohen Lernstoff, kann Theresa Vorreiter nicht nachvollziehen: „Ich bin sehr gut in der Schule und habe auch genug Zeit für andere Dinge. Es ist alles eine Frage der Zeiteinteilung.“ Zudem sei das aufmerksame Zuhören im Unterricht schon die halbe Miete, so die Gymnasiasten.

Erhöhte Anforderungen

Die reguläre Schulzeit bis zum Abitur beträgt seit dem Schuljahr 2009/10 in Brandenburg an Gymnasien zwölf Jahre. An Gesamtschulen oder Oberstufenzentren wird das Abi in 13 Jahren abgelegt. An den Gesamtschulen wird das elfte Schuljahr als Einführung und Vorbereitung auf das Abitur verstanden.

Früher gab es die Unterscheidung in Grundkurse und Leistungskurse. Heute müssen Schüler Kurse mit erhöhtem Anforderungsniveau (vier Wochenstunden) und Kurse mit grundlegendem Anforderungsniveau (zwei Wochenstunden) belegen. Dazu kommen Sport und gewählte Fremdsprachen (drei Wochenstunden). Es müssen fünf Kurse mit erhöhtem Anforderungsniveau und sechs Kurse mit grundlegendem Anforderungsniveau gewählt werden. Bei den Kursen mit erhöhtem Anforderungsniveau müssen Mathematik, Deutsch, eine Naturwissenschaft, eine fortgeführte Fremdsprache aus der Sekundarstufe 1 und ein Fach nach Wahl des Schülers aus dem Kursangebot der Schule gewählt werden.

Markus Kaiser und Belana Klug besuchen die elfte Klasse des Hennigsdorfer Gymnasiums. Sie sehen mehr Nachteile, als Vorteile am Turbo-Abitur. „Der gleiche Stoff wird zeitlich komprimiert. Uns Schülern bleibt wenig Zeit alles zu verinnerlichen“, sagt der 17-Jährige. Wenn er die Wahl hätte, dann würde er am Gymnasium das Abi in 13 Jahren absolvieren wollen, so der Nieder Neuendorfer. Belana Klug findet, dass die Zeit für die Freizeit fehlt. Das bedeute auch, dass Zeit fürs Selbststudium fehle: „Jetzt gibt es fünf Kurse mit erhöhtem Anforderungsniveau. „Wir müssen mehr leisten und haben weniger Zeit.“

Jonas Ambs machte 2014 sein Abi am Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasium. Auch sein Fazit zum verkürzten Abitur fällt alles andere als positiv aus. Durch die Einführung des Turbo-Abis seien Lehrer nicht richtig vorbereitet gewesen. „Es gab die Stimmung von Unsicherheit. Letztlich waren wir Schüler besser informiert über Fristen, Benotung und Regeln.“ Ambs kritisiert, dass der Stoff zu schnell durchgerattert wurde: „Wer Defizite hatte, kam nicht mit. Da sind viele auf der Strecke geblieben.“

Janine Bernhardt entschied sich vor drei Jahren bewusst ihr Abi am Hennigsdorfer Oberstufenzentrum zu machen: „Es ist entspannter, in 13 Jahren das Abi zu absolvieren.“ Von ihren Mitschülern waren viele vorab auf einem Gymnasium und empfanden das Turbo-Abi als riesengroßen Stress, so die 19-Jährige. Sie sieht einen klaren Vorteil am „verlängerten Abi“: „In der elften Klasse werden alle auf das gleiche Level gebracht. Das gibt einem Zeit, vieles aufzufrischen und zu verinnerlichen.“

Durch die Einführung des Turbo-Abis haben sich auch die Anforderungen verändert. Gab es früher zwei zu wählende Leistungskurse, sind es heute fünf Kurse mit erhöhtem Anforderungsniveau. „Zusammen mit den Grundkursen kommen die Schüler in der Oberstufe auf ein Stundenkonto von in etwa 34 Wochenstunden“, erklärt Marcel Mettner, Oberstufenkoordinator des Puschkin-Gymnasiums. Die Debatte kann Mettner nachvollziehen.

Der Lehrer sieht in der Summe aber die Vorteile für das verkürzte Abitur. „Der Übergang von der Sekundarstufe eins zur Sek II wird von den Schülern als besonders stressig empfunden. Für die guten Schüler ist das aber keine große Belastung.“ Auch wenn in Brandenburg erst seit 2009/2010 das Turbo-Abi möglich ist, so konnte Marcel Mettner als Oberstufenkoordinator bisher im Durchschnitt keine Verschlechterung der Abi-Noten feststellen. Lediglich die Anzahl der freiwilligen Wiederholer habe leicht zugenommen, so Mettner. „Schüler müssen sich bewusst machen, dass man sich für das Abitur schon befleißigen muss. Das ist einfach so.“

Von Juliane Weser

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