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Udo Semper ist tot

Oranienburg Udo Semper ist tot

Udo Semper, der erste nach der Wende frei gewählte Bürgermeister, ist tot. Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) hat daraufhin einen Nachruf veröffentlicht.

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Udo Semper (l.) im Juni vergangenen Jahres mit Seelsorger Sven Täuber vor der Betlehem-Kapelle in Oranienburg.

Quelle: Kugler

Oranienburg. Udo Semper ist tot. Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) hat daraufhin den folgenden Nachruf veröffentlich:

Der erste nach der Wende frei gewählte Bürgermeister hat für immer seine Augen geschlossen. Er wird vielen Menschen in unserer Stadt in bester Erinnerung bleiben.

Seit frühester Jugend, die er zunächst in Lehnitz verbrachte, war er der Stadt Oranienburg eng verbunden. Hier heiratete er 1963 seine Frau Gisela, die vielen als Ärztin vertraut ist und die ihm drei Töchter und einen Sohn schenkte. In ihrem Haus in Oranienburg-Süd verlebten sie viele gemeinsame, glückliche Jahre. Hier trafen sich ebenso die Familie wie der große Bekanntenkreis, den er sich durch seine zahlreichen Aktivitäten aufgebaut hatte.

So war Udo Semper, der ursprünglich Geophysik studiert hatte und in ganz unterschiedlichen Wirkungsstätten in Oranienburg tätig war, zeitlebens ein Mann, der die Welt verbessern wollte und den die dabei vorhandenen Hindernisse nicht abschreckten. Mit tiefem Gottvertrauen und einer fast unerschütterlichen Menschenliebe folgte er seinen Idealen. Trotz zahlreicher Anfeindungen, die der beharrliche Dickkopf erfahren musste, fand er noch mehr Verbündete, die sich seinem fast missionarischen Eifer nicht entziehen konnten und deshalb ihn und seine Projekte unterstützen.

Obwohl seine Amtszeit als erster frei gewählter Bürgermeister der Stadt Oranienburg nur 18 Monate währte, bis er entnervt seinen Rücktritt erklärte, weil die Mehrheit der Oranienburger Stadtverordnetenversammlung ihm die Gefolgschaft aufgekündigt hatte, verkörperte er mit seiner Persönlichkeit stets den demokratischen Neuanfang nach dem Zusammenbruch der DDR. Sein demokratisches Selbstverständnis war durch seine langjährigen Erfahrungen als Synodale, also als Abgeordneter des frei gewählten evangelischen Kirchenparlaments, dem er seit 1969 angehörte, geprägt.

Ebenso war ihm die Jugendarbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Oranienburg stets eine Herzensangelegenheit. Legendär sind seine Paddelfahrten, die er mit der Jungen Gemeinde über Jahrzehnte durchführte. Aber auch die familiären Gottesdienste und kleinen Konzerte in der Bethlehemkapelle in Oranienburg-Süd werden viele auch künftig mit Udo Semper verbinden.

Als in der großen Politik noch kaum jemand die unerträglichen Lebensbedingungen der Menschen in weiten Teilen Afrikas auf der Agenda hatte, leistete Udo Semper, gemeinsam mit anderen Oranienburger Protestanten, bereits Hilfe zur Selbsthilfe in Zimbabwe.

Seit mehr als 20 Jahren engagierte sich der Christ in praktizierter Nächstenliebe nicht nur für die Linderung der materiellen Not der Menschen am Sambesi sondern baute auch Brücken der Verständigung zu den Oranienburgern. Bei regelmäßigen Besuchen fanden die Menschen zueinander und entwickelten gegenseitiges Vertrauen.

Für sein außergewöhnliches Engagement wurde er von unserem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, mit dem er bereits seit 1954 durch eine Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinden Oranienburg und Wuppertal befreundet war, im Jahr 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Trotz seiner Krebserkrankung, die 2014 diagnostiziert wurde, blieb sein Engagement für Andere ungebrochen.

Sein 80. Geburtstag, den er am 15. August 2017 feiern konnte, sollte, wie wir heute wissen, den Schlusspunkt seines Lebens darstellen.

Bei strahlendem Augustwetter musizierten seine Kinder im Orangesaal „seines“ Oranienburger Schlosses für ihn und anschließend feierte er in der Nicolaikirche mit zahlreichen Verwandten und Weggefährten seinen runden Geburtstag, den er noch einmal genießen konnte.

Kurz darauf war seine Lebenskraft aufgebraucht. Das erfüllte Leben einer außergewöhnlichen Persönlichkeit hat sich am vergangenen Wochenende vollendet.

Wir werden ihn nicht vergessen!

Von MAZonline

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