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Oberhavel Überfall in Oranienburg
Lokales Oberhavel Überfall in Oranienburg
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00:17 17.10.2016
Vor dem Landgericht Neuruppin müssen sich derzeit zwei mutmaßliche Räuber verantworten. Quelle: dpa
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Oranienburg

Werner B. erwartete am frühen Abend des 13. Januar in seinem Geschäft in Wensickendorf noch einen Kunden. Nichtsahnend öffnete er die Tür und sah sich drei maskierten Männern gegenüber, die sofort auf ihn einschlugen, ihn mit einer Waffe bedrohten, ihn mit einem Messer verletzten und Geld, Münzen und Schmuck raubten.

Dritter Räuber zwischenzeitlich gestorben

Seit Freitag müssen sich Tomas K. und Radek R. unter anderem wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Die beiden 35 und 52 Jahre alten Tschechen packten aus. Demnach war der inzwischen verstorbene Dritte, Walter S., die treibende Kraft. Er wollte wissen, dass bei Werner B. 100 000  Euro und andere Vermögenswerte zu holen seien. Das Geld brauchte Walter S. dringend. Er fragte Radek R., ob er mitmachen würde. „ S. war einer meiner besten Freunde. Für mich war es selbstverständlich, ihm zu helfen“, sagte Radek R. Er selbst sollte umgerechnet 1500 Euro von der erhofften Beute bekommen. Das brauchte er für eine Augenoperation seiner Mutter. Glaubt man dem Dritten im Bunde,Tomas K., so wusste er überhaupt nicht, wie hoch sein Beuteanteil sein sollte.

Täter zeugen sich geständig

Gezielt fuhren die drei Männer nach Wensickendorf, ausgerüstet mit zwei Pistolen. Obwohl, so Radek R. die Vereinbarung gewesen sei, keine körperliche Gewalt anzuwenden. Geplant war „ein eleganter Diebstahl“. Der Geschäftsmann sollte in den Keller gesperrt und dann die Räume durchsucht werden. Doch es lief anders als geplant. Denn Werner B. wehrte sich. „Ich habe ums Überleben gekämpft“, sagte der 55-Jährige. Ihm gelang es, Walter S. zwischen die Beine zu schlagen und offensichtlich auch, ihm den Fuß zu brechen. Während Werner B. am Boden lag, zeigte S. ihm mehrfach seine Waffe.

„Das war für mich sehr sehr bedrohlich. Ich glaubte, die wollten mich umbringen. Ich wollte weiter leben, das war mein Hauptanliegen.“ Die drei Messerstiche habe er im Eifer des Gefechts gar nicht gespürt. Schmerzen habe er nicht gefühlt. Er habe zwar Blut gesehen, das aber nicht mit sich in Verbindung gebracht. Erst als er die Flüchtenden mit dem Auto verfolgen wollte, habe er gemerkt, dass das wegen „des Blutverlustes keine gute Idee war“. Auch einen Schlag mit der Waffe gegen den Kopf habe er bewusst nicht registriert.

Letztendlich habe er auf nachdrückliche Aufforderung den Tresor aufgeschlossen. „Ich wollte heil aus der Sache herauskommen und habe versucht, mich so kooperativ wie möglich zu verhalten.“ Aufgefallen sei ihm, dass die Täter immer von zwei Tresoren sprachen. Vieles erschien ihm im Nachhinein komisch. So, das die Männer nichts dabei hatten, um die Beute zu verstauen und dass sie Laptops und Kameras liegen ließen.

Nur kurze Freude am Diebesgut

Weit kamen die Räuber nicht. Kurz hinter der polnischen Grenze wurden sie von der Polizei erwischt. Seitdem sitzen die beiden Angeklagten in Untersuchungshaft. Und auch die Beute blieb weit hinter dem zurück, was besprochen worden war. Abgesehen davon, dass sie das Diebesgurt schneller wieder los waren als gedacht. Der reine Materialwert des bei ihnen gefundenen Schmucks belief sich laut Werner B. auf 5000 Euro, der der Münzen auf 2000 Euro. An Bargeld ergatterten sie um die 2500 Euro.

Das Trauma von Werner B. dagegen hält noch an. „Ich habe gedacht, ich sei ein harter Kerl, der das so einfach wegsteckt.“ Doch gerade jetzt, wenn es wieder früher dunkel wird, merke er, wie sehr ihn das Erlebte verfolge. Auch körperlich leidet er noch unter Einschränkungen.

Die Verhandlung wird am 25. Oktober fortgesetzt .

Von Dagmar Simons

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