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Umweltaktivist wird beigesetzt

Schildow Umweltaktivist wird beigesetzt

In dieser Woche wird der Mitte Juli verstorbene Umweltaktivist Rudolf Strobl aus Schildow beigesetzt. Er hatte bereits in den 1980er-Jahren eine Umweltgruppe im Ort aufgebaut. Die kümmerte sich unter anderem um Bäume, Kompostierung und Krötenbestände.

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Rudolf Strobl wird am 1. September beigesetzt.

Quelle: privat

Schildow. „Der Löwe kämpft nicht mehr.“ So steht es auf der Einladungskarte für die Beisetzungsfeier von Rudolf Strobl am 1. September (13 Uhr, Waldfriedhof Glienicke). Der Umweltaktivist aus Schildow starb am 16. Juli nach schwerer Krankheit – im Alter von 78 Jahren. Bis zuletzt hatte er sich für Naturschutzbelange eingesetzt, bereits von der Krankheit gezeichnet. Ihm ging es dabei um den Erhalt der ortsbildprägenden Pappelreihe in Schildow. Doch seit Ende Februar steht fest, dass die gut 60 Bäume entlang der südlichen Mönchmühlenstraße gefällt und durch Neupflanzungen ersetzt werden sollen. „Das war der Nagel zum Sarg meines Mannes“, sagt Irmtraut Strobl-Sucher. Diese Entscheidung der Gemeindevertretung, basierend auf einem 15-seitigen Neugestaltungskonzept, sei eine der sehr wenigen Niederlagen in seinem Leben gewesen.

Rudolf Strobl war nicht nur Naturliebhaber, er war auch Techniker. Als junger Elektromeister baute er Medizintechnik für die Charité und für den Naturwissenschaftler und Erfinder Manfred von Ardenne unter anderem die Nullserie von Ultraschallgeräten, deren Nachfolger heute jeder aus der Schwangerschaftsdiagnostik kennt. In Ost-Berlin betrieb er eine eigene Firma. „Fernseh-Strobl“ reparierte defekte Geräte. Als passionierter Angler lernte er die Natur kennen. Ein Bauernhof in der Uckermark war für ihn Ort der Erholung und Arbeit.

In den 1980er-Jahren besuchte er Veranstaltungen der kirchlichen Umwelt- und Friedensbewegung, nahm an Aktionen teil. Der pazifistische Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ brachte ihm zum Beispiel einen Tag mit Verhören in einer Stasi-Dienststelle ein. Die Staatssicherheit war ohnehin Dauergast in seiner mit zahlreichen Beschränkungen belegten Privatfirma. Grund: Viele Ausreisewillige fanden in volkseigenen Betrieben kaum Arbeit, in Handwerksbetrieben wie seinem schon. Doch für ihn selbst galt eine andere Maxime: „Es können nicht alle abhauen, wir müssen hier was verändern.“

Mitte der 1970er-Jahre lernte er die Kunstpädagogin Irmtraut Sucher kennen. 36 Jahre wohnten sie gemeinsam in Schildow. „Das ist ein großes Stück Leben“, sagt sie. 1986 bauten sie gemeinsam eine Umweltgruppe unter dem Dach des Kulturbundes auf. Es gab einen Schaukasten im Ort, Info-Blätter und Zeitungsartikel. Neben dieser Aufklärungsarbeit war die Gruppe aber auch ein Sammelbecken der Unzufriedenen. „In der DDR hat man uns deshalb kriminalisiert“, so Irmtraut Strobl-Sucher. Ein Stück dieser Ideologie sei geblieben. Dabei seien die Umweltgesetze der DDR gar nicht schlecht gewesen. „Sie wurden bloß nicht umgesetzt.“ Und auch heute würden die Paragrafen „ausgehöhlt“.

Rudolf Strobl ärgerte sich zum Beispiel über alljährlich brennende Laubhaufen im Wohngebiet. Die Umweltgruppe warb für die Kompostierung – und richtete in der Wendezeit mit Spendenhilfe sogar einen öffentlichen Platz dafür ein. Auch Bäume wurden gepflanzt. Der größte Erfolg ist allerdings mit dem Herthasee verbunden: Der wurde noch vor der Wende zum Flächennaturdenkmal erklärt. Das Gewässer war in der Region das größte Laichgewässer für Kröten. Auch deren Wanderung versuchen die Naturschützer noch immer alljährlich abzusichern.

Nach 1990 wurde Rudolf Strobl zum ersten Naturschutzbeauftragten der Gemeinde und beriet fortan auch zum Baumschutz. Dadurch machte er sich jedoch nicht nur Freunde. Über das Tegeler Fließ wurde eine wissenschaftliche Arbeit und eine Broschüre erstellt. Die Umweltgruppe, deren Zugpferd und geistiger Vater Strobl war, gibt es nicht mehr. Die Bürgerinitiative „Baumschutz Kommunal“, in der auch Strobl aktiv war, versucht diese Arbeit fortzusetzen. „Mein Mann war ein Mensch, der sich für andere einsetzte“, sagt Irmtraut Strobl-Sucher – „besonders, um die Natur für nachfolgende Generationen zu erhalten.“

Von Helge Treichel

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