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Und noch ein Hafen

Ein stolzes Projekt in Liebenwalde Und noch ein Hafen

Die kleine Ackerbürgerstadt Liebenwalde hat bereits eine Marina und einen Stadthafen. Nun haben sich vier Privatleute zusammengetan, um am Schnittpunkt von Malzer Kanal und Finowkanal einen weiteren Hafen zu bauen und auf einem 4,4 Hektar großen Areal ein Wohn- und Erholungsgebiet zu entwickeln. Es sollen 75 Häuser mit eigenem Wasserzugang und Steg entstehen,

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„Dieses Gelände schreit danach, etwas daraus zu machen“, sagt Architekt Marc Rehle von der Fläche des ehemaligen Werfthafens.

Quelle: ENRICO KUGLER

Liebenwalde. Sie haben die Landschaft und das Wasser in Liebenwalde lieben gelernt – die vier Privatleute, die auf die Idee kamen, einen Hafen mit 75 Häusern am Malzer Kanal zu bauen. Einer von ihnen ist Architekt Marc Rehle, der Büros in München und Berlin unterhält. „Seit acht Jahren sind wir da dran“, erzählt Rehle. Ein befreundetes Ehepaar von ihm hatte ein altes Haus an der Berliner Straße gekauft und es als Feriensitz hergerichtet. Es ist das alte rosafarbene Gebäude in der Nähe der neuen Klappbrücke über den LangenTrödel. Auf dem hinteren Grundstück liegt der alte Werfthafen von Liebenwalde. Das kleine Hafenbecken ist noch gut zu erkennen. Die verbliebenen Holzschuppen sehen arg verwittert aus. Der Werfthafen war vielleicht der Anlass, über eine neue Hafenanlage und Wohnhäuser nachzudenken. „Das Gelände schreit doch danach, etwas draus zu machen“, schwärmt Rehle.

Das Projekt soll auf der insgesamt mehr als vier Hektar großen Fläche entstehen, die sich zwischen Malzer Kanal und Berliner Straße, angefangen vom Langen Trödel bis über das gesamte Betriebsgelände des ehemaligen Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL) erstreckt. 15 000 Quadratmeter Land werden für zwei Kanäle ausgebaggert, die eine Mittelinsel umschlingen und in einem kleinen Hafen enden. Entlang der zehn Meter breiten Wasserarme werden die Häuser entstehen. Ein kleines Hotel mit Gastronomie, ein wenig Einzelhandel, vielleicht sogar ein Meditationszentrum gehören zu den Ideen der Geschäftspartner.

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Noch stehen nur die alten, verfallenen Hallen und Bürotrakts auf dem Gelände des ehemaligen KfL-Geländes an der Berliner Straße. in zwei Jahren sollen dort hübsche Häuser mit eigenen Wasserzugang gebaut werden.

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„Wir wollen keine Ferienhaussiedlung und kein Hafendorf“, sagt Rehle. Ferienhäuser stehen ohnehin das halbe Jahr leer. Davon gibt es schon genug schlechte Beispiele „Sowas kann man schöner machen.“ Das Gebiet soll eher klein, klein gestaltet sein, sehr naturbelassen bleiben und Menschen anziehen, die sich für Wasser begeistern. Jedes Grundstück, zwischen 500 und 750 Quadratmeter groß, wird deshalb einen Zugang zum Wasser haben. Sowohl vom Langen Trödel als auch vom Malzer Kanal wird es einen Zugang zum Hafen geben. Die Häuser sind höchstens zweigeschossig mit zurückgesetztem Dachgeschoss. Auch wer nur zwei Zimmer benötigt, findet das auf der Mittelinsel im Hafen. „Wir wollen sehr ökologisch bauen“, meint Rehle. Eine eigene Wärmeversorgung gehört dazu. Es gebe inzwischen viele Menschen, die auch von Zuhause aus arbeiten. „Warum sollen sie das nicht in dieser wunderbaren Natur tun.“ Er selbst und seine Geschäftspartner sind inzwischen selbst Wassersportfreunde geworden. Und können sich vorstellen, dass ihr Wohnkonzept aufgeht, auch wenn Berlin nicht direkt vor der Haustür liegt.

Anfangs hatten sich die Vier ihr Projekt einfacher vorgestellt. Doch die Probleme fingen schon damit an, die Besitzer der Flächen ausfindig zu machen. Zwei Brüder hatten das Areal nach der Wende gekauft, aber nie bezahlt. Von den beiden gab es keine Spur mehr. Eine Bank hatte das Areal übernommen, und fast vergessen. „Schließlich haben wir das Gelände bei einer Zwangsversteigerung erworben“, sagt Marc Rehle. Der Kaufpreis war eher ein „Schnäppchen“. Aber: „Wir müssen einen Haufen von Altlasten entsorgen.“ Und damit sind nicht nur die Ruinen und eingefallenen Hallen des KfL gemeint, wo Unmengen an Beton, Glas und Wellasbest zu entsorgen sind. „Auf den Grünflächen wurden große Menge Schutt verbuddelt, das ist alles belastet.“ Mit einer Million Euro Entsorgungskosten rechnen die Geschäftspartner. Der alte Schornstein mache ihnen große Sorgen. Der zeigt schon erhebliche Risse.

Die Stadt Liebenwalde steht den Plänen sehr positiv gegenüber. Schließlich ist es eine gute Chance, dass die hässlichen KfL-Gebäude am Ortseingang verschwinden. „Aber die Auflagen vom Land sind sehr streng“, stöhnt Marc Rehle. Die letzten drei Jahre war der Architekt mit Umweltstudien beschäftigt. Das hydrologische Gutachten war sehr aufwendig. Schließlich musste sichergestellt sein, dass die umliegenden Häuser nicht plötzlich Wasser im Keller haben. Die Naturschutzvorschriften seien sehr streng, meint der Architekt. Auf dem KfL-Gelände leben inzwischen viele Mauerschwalben, die in den alten Gemäuern brüten. Und ein Pärchen von Neuntötern wurden gesichtet. Das sind Vögel, die ihre gefangenen Insekten nicht sofort fressen, sondern sie auf Dornen aufspießen, sozusagen zur Lagerhaltung. „Nun pflanzen wir extra 50 Meter Dornenhecke an“, erzählt Rehle. Die gibt es nämlich noch gar nicht auf dem Areal. Aber das sei schon alles richtig so, findet der Architekt. Er verspricht sich auch weitere Synergien von dem Projekt. Die Nachbarn seien sehr offen für die Ideen. Mit der Marina und dem Stadthafen wolle man gar nicht in Konkurrenz treten, sondern sich gegenseitig befördern. Und neue Arbeitsplätze würde der Hafen auch mit sich bringen. Im Moment sucht Marc Rehle noch nach Partnern mit Vertriebserfahrungen. Dann stünde auch fest, wie groß genau die Häuser ausfallen sollen. Danach richtet sich der „Feinschliff“ für den Bebauungsplan. „Bis Ende dieses Jahres soll der B-Plan rechtskräftig sein“, nennt Rehle das nächste Ziel. 2017 könne man dann in die Ausführungsplanung gehen. Für 2018 ist die Bauausführung angepeilt. „Für den Abriss kalkulieren wir etwa ein halbes Jahr ein.“ Gebaut wird sicherlich in mehreren Abschnitten. „Naja, und Ende 2018 wollen wir die ersten Bewohner begrüßen.“

Ein Millionenprojekt

Eine Gruppe von vier Privatleuten möchte am Schnittpunkt von Malzer Kanal und Finowkanal (Langer Trödel) in Liebenwalde einen weiteren Hafen bauen und damit ein Wohn- und Erholungsgebiet entwickeln. Architekt Marc Rehle vom Büro „RRP Architekten und Ingenieure“ gehört zu den Geschäftsleuten und hat die Planungen erarbeitet.

Die Fläche für das Hafenprojekt ist insgesamt 4,4 Hektar groß und erstreckt sich zwischen Malzer Kanal und Berliner Straße, beginnt am Langen Trödel und schließt das ehemalige Betriebsgeländes des Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL) mit ein.

Auf dem Hafengelände sollen 75 Häuser mit eigenem Wasserzugang und Steg entstehen. Zusätzlich sind Gastronomie mit Hotel sowie Einzelhandel für den Sportboottourismus vorgesehen. Die Investitionssumme wird mit rund 22 Millionen Euro kalkuliert.

 

Von Andrea Kathert

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