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Unheimliche Gäste auf dem Schlossplatz

Oranienburg Unheimliche Gäste auf dem Schlossplatz

„Die Wölfe sind zurück?“ ist der Titel einer Ausstellung, die vom 1. bis 5. Juni auf dem Schlossplatz zu sehen ist. 32 Bronzeskulpturen zeigt der Brandenburger Künstler Rainer Opolka – diese sind bis zu zwei Meter groß und 450 Kilogramm schwer. Hasserfüllte, unterwürfige und angriffslustige Gestalten. Es geht um die Ursachen von Angst, Hass und Rassismus im Land.

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Rainer Opolka mit einem kleinen Modell seiner Wolfsfiguren. Am Sonnabend haben alle Oranienburger Haushalte eine Broschüre zur Ausstellung im Briefkasten.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. „Vorurteile und Hass gibt es wohl in jeder Gesellschaft, aber wenn sie nicht mehr versteckt, sondern öffentlich erklärt werden, ist das ein schlechtes Zeichen. Wir haben ein Problem mit entfesselten Ressentiments“, sagt Rainer Opolka. Das Ergebnis sind brennenden Flüchtlingsunterkünfte, „die Welle von Angriffen, die wir erlebt haben.“ Die Ursache sieht der Künstler im „Mangel an Gerechtigkeit“ im Land, der zu einer „kulturellen Verwahrlosung führt“. Dem setzt Rainer Opolka Kunst entgegen, mit einem Ziel: „Darüber nachzudenken und zu reden. Ich möchte werben für die Demokratie und die Teilhabe der Menschen daran.“

„Die Wölfe sind zurück?“ ist der Titel eine Ausstellung, die vom 1. bis 5. Juni auf dem Schlossplatz zu sehen ist. Eröffnet wird sie am 1. Juni um 18 Uhr und wird unterstützt von Musikern der Band Stampede, dem Bürgermeister, der Runge-Theatergruppe Obst, Lesungen und vielen Ehrenamtlichen.

Opolkas Kunstwerke sind imposant-schauerliche Charakter-Wölfe aus Metall. Gegossen aus Eisen, Messing und Bronze, bis zu zwei Meter groß und 450 Kilogramm schwer. 90 Exemplare gibt es davon, 32 sind in Oranienburg zu sehen. Alle habe einen Namen: Blind Soldier, Blinder Hasser, Anführer, NSU-Mann, Mitläufer – „so, wie es unendlich viele in der Nazizeit gab“. Damals wurde sich der Aggressivität der Tiere bedient. „Es geht um das Symbolhafte, den eigentlichen Lupo mag ich“, sagt Opolka. Die Reaktion der Menschen auf seine Werke sei ganz unterschiedlich, haben Ausstellung in Berlin, Potsdam und Dresden gezeigt: „Manche Kinder sehen darin Fantasiemonster. Viele sprechen dabei über ihre Zukunftsängste, trotz geringe Arbeitslosigkeit im Land.“

Opolka ist im Ruhrgebiet geboren. Ein Arbeiterkind. Der Vater war Bergmann. Er studierte Psychologie und Sozialwissenschaften. 1993 gründete er mit seinem Zwillingsbruder Harald eine Firma, sie erfanden die LED-Metalltaschenlampe, später die Fokussierung des Lichts. Mehr als 1000 Mitarbeiter hat die Firma in Solingen heute. Die Brüder verkauften ihre Anteile 2011, widmen sich seitdem dem Malen, Schreiben und politischen Kunstwerken wie der „Wolfsausstellung“. Bisher war sie viermal zu sehen. „Ich freue mich auf Oranienburg, die Stadt mit ihrer besonderen Geschichte“, so Rainer Opolka.

„Sollte sich die Situation um die Flüchtlinge, den Hass und die Gewalt erneut verschärfen“, will Opolka die Wölfe weiter zeigen, ansonsten sei Oranienburg die letzte Station, dann kommen sie auf Schloss Hubertushöhe bei Storkow, dass die Brüder gekauft haben und zum Kunst- und Literaturpark umbauen. Hier wie dort „soll die Kunst den Menschen ergreifen.“

Von Heike Bergt

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