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Unmut über Prignitzexpress wächst

Kremmen Unmut über Prignitzexpress wächst

Die Pläne des Landes für den Ausbau des Bahnverkehrs sorgen in der Region für Verwunderung und Ärger. Die Neuruppiner fühlen sich in Sachen Prignitzexpress noch mehr abgehängt. In Kremmen herrscht Resignation, auch weil die Züge schon jetzt nicht verlässlich sind.

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Viele Kremmener Pendler fühlen sich in Sachen Prignitzexpress wie auf einem Abstellgleis.

Quelle: Robert Tiesler

Kremmen/Neuruppin. Die Pläne des Landes für den Ausbau des Bahnverkehrs sorgen insbesondere in Neuruppin für Verwunderung und Ärger. Das, was dort zur weiteren Entwicklung des Prignitzexpresses zu lesen ist, scheint allem zu widersprechen, was seit fast 20 Jahren zwischen der Stadt und dem Land vereinbart wurde. Seit den 90ern kämpft Neuruppins Vize-Bürgermeister Arne Krohn darum, für Pendler endlich eine schnellere Verbindung ins Berliner Zentrum zu bekommen. Bisher war es erklärtes Ziel, dass der RE 6 irgendwann einmal nach Berlin-Gesundbrunnen fahren soll. Das Land hatte sich schon vor Jahren hinter diese Forderung gestellt und auch die Berliner Regierung hatte das in ihrem Koalitionsvertrag geschrieben. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis die sogenannte Kremmener Bahn so ausgebaut wird, dass der Prignitzexpress über Hennigsdorf und Tegel in die Berliner Mitte rauschen kann. Doch plötzlich scheint alles anders.

Kommt der Zug

Kommt der Zug?

Quelle: Robert Tiesler

Als Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) am Montag in Potsdam den neuen Entwurf des Landesnahverkehrsplanes für die kommenden Jahren vorstellte, spielte der Prignitzexpress nur am Rande eine Rolle. Auf etlichen Bahnlinien will das Land in den nächsten Jahren für ein besseres Angebot sorgen. Auch für Neuruppin sieht das Ministerium in Potsdam Handlungsbedarf. Neuruppin gehört zu den wenigen Orten, in denen Pendler ganz besonders auf die Bahn angewiesen sind.

Umso mehr ist Neuruppins Vize-Bürgermeister Arne Krohn vom Entwurf des Nahverkehrsplanes enttäuscht. Da ist nicht mehr von Gesundbrunnen als ­Endbahnhof des Prignitzexpresses die Rede. Stattdessen sollen die ­Züge weiter über Spandau fahren und nach 2022 in Berlin-Charlottenburg enden. Der Zeitgewinn für Pendler dürfte damit dahin sein. Krohn war entsetzt, als er das hörte: „Ich kann überhaupt nicht begreifen, warum man beim Land plötzlich Charlottenburg favorisiert.“ Steffen Streu vom Infrastrukturministerium in Potsdam versteht den Ärger nicht. „Der Bahnhof Charlottenburg ist genauso gut wie Gesundbrunnen“, sagt der Ministeriumssprecher. Beide liegen nahe am Zentrum und beide haben eine gute Verkehrsanbindung.

Der Prignitzexpress in Neuruppin

Der Prignitzexpress in Neuruppin.

Quelle: Peter Geisler

Bahn und Land müssten prüfen, ob und wie die Durchbindung nach Gesundbrunnen möglich ist. Studien dazu liegen seit Jahren vor, auch bezahlt mit Geld des Landes. Trotzdem soll noch einmal diskutiert werden. Frühestens in zehn Jahren ist damit zu rechnen, dass Regionalzüge über die Kremmener Bahn direkt nach Tegel und vielleicht bis Gesundbrunnen fahren.

Bis nach Spandau

Bis nach Spandau.

Quelle: Peter Geisler

In Kremmen sieht man noch ein ganz anderes Problem. „Die sind ja nicht mal in der Lage, jetzt schon sichere, pünktliche Verbindungen zu schaffen“, sagte Werner Rosenberg am Mittwoch. Der Kremmener kümmert sich seit vielen Jahren um das Bahnthema. „Der Zustand der Strecke in Sachen Pünktlichkeit und Sicherheit ist so katastrophal wie in den letzten 15 Jahren nicht.“ Bevor über eine Durchbindung nach Berlin gesprochen werde, müsse erst mal die Grundsatzfrage geklärt werden. „Wir stehen auf dem Bahnhof in Kremmen und werden nicht informiert.“ Wer den RE 6 nutzen wolle, müsse schon von vornherein Verspätungen bis zu einer Stunde einkalkulieren. Verspätungen würden oft nicht mal mehr in Kremmen bekannt gegeben. „Wir fühlen uns richtig abgehängt. Wir lesen immer wieder von geplanten Verbesserungen, aber wenn das ewig bei uns so weitergeht, dann werden wir mutlos“, so Rosenberg weiter. Die Verbindung nach Berlin sei schlecht und kompliziert – und eben vor allem nicht verlässlich. Rosenberg kritisiert, dass es insbesondere für den Bahnhof Velten kein Gesamtkonzept gebe. Er befürchtet, dass der Prignitzexpress, wenn die S-Bahn nach Velten fährt, gar nicht mehr Hennigsdorf ansteuere, sondern schon hinter Velten in Richtung Falkensee abbiege.

Von Reyk Grunow und Robert Tiesler

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