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Oberhavel Unterrichtsausfall: Eine Million Euro pro Halbjahr für Vertretungslehrer
Lokales Oberhavel Unterrichtsausfall: Eine Million Euro pro Halbjahr für Vertretungslehrer
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00:21 30.06.2018
Die Stühle bleiben unbesetzt – ein Zeichen von Unterrichtsausfall. Quelle: Armin Weigel
Oberhavel

Celina Hollmann fand es – gelinde ausgedrückt – „nicht gut“. Lange besuchte sie das Oberstufenzentrum Georg Mendheim in Zehdenick, der Unterrichtsausfall habe aus ihrer Sicht bis zum Schluss zugenommen. Die vergangenen drei Jahre, in denen sie ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau machte, seien „schlimm“ gewesen, vor allem die letzten Monate bis zur Prüfung. „Ein Lernfeld aus der Prüfung – Geschäftsprozess – wurde kaum noch unterrichtet. Wir haben uns diesen Stoff zu Hause selbst erarbeitet und uns richtig reingekniet“, sagt die 23-jährige Oranienburgerin, die im Mai den Abschluss machte.

Es gibt keine Vertretungsreserve mehr

Beim Thema Unterrichtsausfall klingelt es bei Schulleitern, Lehrern, Eltern und Kindern in den Ohren – aus unterschiedlichen Gründen. Dieter Starke ist der Schulleiter des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums. Er kann dass krass gezeichnete Bild nicht bestätigen. „Uns fiel am Anfang dieses Schuljahres eine Kollegin aus, die schwanger wurde, sie erhielt ein Beschäftigungsverbot. Wir konnten eine ehemalige Kollegin aktivieren.“ Er versteht Schüler, die im dritten Ausbildungsjahr sind und nervös werden, wenn der spezielle Unterricht ausfällt. Sie hätten Angst, die Prüfung nicht zu schaffen. Trotzdem, so Dieter Starke, sei das OSZ gut aufgestellt. „Wir sind selbstständig und können daher schneller reagieren, wenn wir Lehrer brauchen, um einen Ausfall zu verhindern.“ Dieter Starke bedauert aber, dass es keine Vertretungsreserve mehr gibt.

Kein einfaches Jahr für die Comeniusschule

Bei Recherchen äußerten sich Eltern darüber, dass die Comenius-Grundschule Oranienburg auch von regelmäßigem Unterrichtsausfall betroffen ist. Die offiziellen Zahlen des Bildungsministeriums vom Schuljahr 2016/17 bestätigen, dass hier im ersten Halbjahr 3,2 Prozent des Unterrichts wegfiel, im zweiten Halbjahr 2,5 Prozent. Der Landesdurchschnitt liegt bei 1,5 Prozent. Über das jetzt zu Ende gehende Schuljahr sagt die kommissarische Konrektorin Kerstin Wilhelm: „Es war kein einfaches Jahr. Wir haben mit allen Mitteln versucht, den Unterrichtsausfall so gering wie möglich zu halten.“ Die Schule mache von dem Vertretungsbudget Gebrauch, das für „Ersatzlehrer“ zur Verfügung steht. „Nicht immer funktioniert das so reibungslos und schnell, wie wir es uns wünschen. Schließlich ist bekannt, dass an vielen Schulen Lehrerinnen und Lehrer gesucht werden“, so Kerstin Wilhelm. „Am Ende wollen wir für die Kinder das Beste.“

Die kommissarische Schulleiterin unterstreicht, „dass die Schüler in einem wunderbaren neuen Gebäude von einem tollen Team unterrichtet werden“. Jeder Lehrer hätte prima Ideen, entwickele und begleite Projekte. Fahrradprüfung, „Theaterschüff“, Basketball, Leichtathletik, Drachenbootrennen, Schwimmmeisterschaft – das sind Wettbewerbe oder Projekte, an denen sich die Schule beteilige und die in der Regel von Lehrern betreut würden. Jeder leiste mehr, als er müsse, so Kerstin Wilhelm.

„Gefühlter Ausfall ist höher als der tatsächliche“

Der Leiter des Staatlichen Schulamtes in Neuruppin, Dietmar Menzel, versichert, dass das Land „wahnsinnige Anstrengungen unternimmt, um den Unterrichtsausfall zu beheben“. Seine Behörde gebe demnach pro Halbjahr eine Million Euro für Vertretungsunterricht aus. „Wir stellen sofort Referendare, ältere Lehrkräfte ein, um den Unterrichtsausfall zu kompensieren. Die Schulen nehmen dieses Angebot sehr gut an.“

Schulausfall in Oberhavel

Im Durchschnitt fallen im Land Brandenburg in den Grundschulen 1,5 Prozent der Unterrichtsstunden aus.

Im Vergleich einige Grundschulen aus Oberhavel (1. und 2. Halbjahr):

Grundschule Mildenberg (3,6/0,7 Prozent)

Comenius-Grundschule Oranienburg (3,2/2,6)

Fontane-Grundschule Hennigsdorf (0,6/0,3)

Wald-Grundschule Hohen Neuendorf (2,6/2,6)

Stadtschule Gransee (3,4/4,1)

Linden-Grundschule Velten (1,7/1,2)

Dietmar Menzel sagt aus Erfahrung, dass der „gefühlte Unterrichtsausfall“ häufig höher liege als der tatsächliche. Seine Mitarbeiter würden gemeldeten Problemen sofort nachgehen. „Oft stellt sich her­aus, dass der Ausfall nicht so hoch ist wie behauptet.“ Es gebe Schwerpunktschulen, an denen phasenweise viele Lehrer fehlen würden und demnach der Unterrichtsausfall höher sei. Aber solche Durststrecken gingen auch wieder vorbei.

Von Stefan Blumberg

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