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Oberhavel Velten: Ofenstadt ohne Ofenfabrik?
Lokales Oberhavel Velten: Ofenstadt ohne Ofenfabrik?
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07:10 09.06.2016
Im Dachgeschoss der 1872 gegründeten Ofenfabrik befindet sich das Ofen- und Keramikmuseum. Quelle: dpa-Zentralbild
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Velten

Die Spatzen haben es schon länger von den Dächern gepfiffen, dass in der letzten Ofenfabrik Veltens – von einst 37 –, der 1872 gegründeten Ofenfabrik Schmidt, Lehmann & Co., seit dem Frühjahr nicht mehr produziert wird. „Uns wurde am 4.Feburar vom Eigentümer mitgeteilt, dass ein Eigentümerwechsel stattfindet“, berichtet Udo Arndt, Vorsitzender des Fördervereins des Ofen- und Keramikmuseums, das sich im Obergeschoss der Fabrik befindet, auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Dienstagabend.

Die zuletzt zwölf Angestellten der traditionsreichen Fabrik arbeiten seitdem in der Manufaktur der HB-Werkstätten für Keramik in Marwitz, dessen Inhaber Alexander Grella seitdem auch als Geschäftsführer der Ofenfabrik von Rolf Schmidt ins Handelsregister eingetragen ist. Grella bestätigte zum damaligen Zeitpunkt, dass der Betrieb in der Ofenfabrik eingestellt wurde und, dass man die Mitarbeiter der Produktion und den Auszubildenden übernommen habe. Zu eventuellen Verkaufsabsichten der Fabrik wollte sich weder der neue Geschäftsführer, noch Eigentümer Rolf Schmidt äußern.

Aus diesem Grunde kritisierten sowohl Walter Krahn (CDU), Andreas Noack (SPD), als auch Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD), dass man auf der Ausschusssitzung, in Abwesenheit des Eigentümers, die Zukunft des Museumsstandortes Velten besprechen wolle. „Ich möchte hier nicht auf Spekulationen eingehen“, empörte sich Noack. „Ich weiß vom Eigentümer nichts Verbindliches über einen Verkauf, aber Rolf Schmidt, Gründungsmitglied des Fördervereins, hat immer versichert, dass er den Museumsstandort erhalten will,“ so Bürgermeisterin Hübner. Walter Krahn ging noch einen Schritt weiter: „Warum äußert sich Frau Michaelis als Miteigentümerin nicht zu den Verkaufsabsichten?“ Vergeben. Marianne Michaelis (Pro Velten), Schwester von Rolf Schmidt, als Zuschauerin in der Sitzung, verweigerte eine Antwort.

Und so bestand der Ausschussvorsitzende Stefan Gansel, auch ohne konkrete Informationen, auf dem Tagesordnungspunkt, zu dem man die Museumsleiterin Nicole Seydewitz und den Fördervereinsvorsitzenden Udo Arndt eingeladen hatte, die bereits ein ausführliches Konzept zum Erhalt des Museumsstandort in der Wilhelmstraße erarbeitet haben.

„Wir haben allen Grund uns Sorgen zu machen, weil der Mietvertrag nicht langfristig ist“, zeigte Arndt seine Besorgnis. Im Gegensatz zum benachbarten BollhagenMuseum, das auf städtischem Grund steht, befindet sich das 1905 gegründete Ofen- und Keramikmuseum im von der Stadt gemieteten Dachgeschoss der Fabrik. Mit einem jährlich zum 30. Juni kündbaren Mietvertrag., mit einer jährlichen Miete von rund 25 000 Euro plus Nebenkosten.

Arndt:„Die Fabrik ist bei den Führungen ein Teil des Museums.“ Stets hatte man damit geworben, dass einzige Museum in einer noch produzierenden Fabrik zu sein. „Durch die Produktion ist es ein lebendiges Museum, hat es ein Alleinstellungsmerkmal, dass vielleicht so verloren gehen könnte“, bestätigte Seydewitz.

„Es gibt sehr konkrete Verkaufsabsichten, “, stellte Arndt klar. „Ich möchte nicht erst vom Notar erfahren, wer der neue Eigentümer ist.“ Man sorge sich, als Museum seine Bleibe zu verlieren. In dieem Falle bestünde zudem die Gefahr, Fördergelder – auch für das Bollhagen Museum – zurückzahlen zu müssen. Auf 1,2 Millionen Euro wird, laut einem Gutachten von 2014, der Verkehrswert inklusive des 8800 Quadratmeter großen Geländes geschätzt. Doch steht das Gebäude, wie auch rund 15 darin befindliche Anlagen unter Denkmalschutz. „Die Ofenfabrik ist ein mehrfaches Denkmal: städtebaulich, technisch- und industriegeschichtlich.“

Das Ofenmuseum sei ein Museum von nationalem Rang, das älteste und bedeutendste seiner Art in Deutschland. Daher sei man nun auf der Suche nach einer Lösung. Kreis, Land und Bund sowie Freunde des Museums wurden aufgerufen zu helfen. Man favorisiert die Gründung einer Stiftung, mit der man die Ofenfabrik kaufen und den Museumsstandort erhalten will. Arndt: „So wäre das Grundstück nie mehr veräußerbar.“ Zusammen mit einer Behindertenwerkstatt will man eine gläserne Manufaktur aufbauen, und so Kultur mit Sozialem verbinden.

Doch sind alle Pläne spekulativ. „Der Eigentümer trifft die Entscheidung“, merkte Noack an und wies daraufhin, dass seitens der Stadt ein möglicher Erwerb, zu dem eine hohe Summe für Sanierungsarbeiten käme, schwer zu stemmen sei. „Können wird das schultern? Wir reden hier nicht über Peanuts.“

Eine Frage, die während der Sitzung nicht zu beantworten war.

Von Ulrike Gawande

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