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Velten Zwischen Bagger und Pool steht der Bauzaun
Lokales Oberhavel Velten Zwischen Bagger und Pool steht der Bauzaun
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00:17 03.07.2018
Wolfgang Böttcher und Heike und Andreas Klingauf (v.l.) zeigen wie nahe die Autobahnbaustelle den Gärten gekommen ist. Quelle: Ulrike Gawande
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Velten

Zur Zeit kommt Heike Klingauf aus Hennigsdorf nur selten in ihren Garten in die Kleingartenanlage des Vereins „Adlerstonberg“ in Velten. Der Anblick des Bauzaunes von der Großbaustelle der Autobahn A10, der direkt neben Pool und Liegestuhl steht, geht ihr zu nahe. Besonders als die Abrissarbeiten Ende Mai begonnen haben, seien ihr die Tränen gekommen. „Ich konnte nicht hingucken und bin nur gekommen, um Fotos zu machen“, erzählt Klingauf, die zusammen mit ihrem Mann als Servicekraft in den Wandlitz-Kliniken arbeitet.

Für den sechsspurigen Ausbau der nördlichen A10 mussten Lauben, Bäume, Gewächshäuser und Gärten weichen.

Auf einer Länge von elf Metern und einer Breite von 14 Metern mussten Klingaufs Gartenfläche für den Autobahnbau abgeben. Neben allen Anbauflächen für Gemüse, musste auch das von ihrem Vorgänger errichtete stabile Gewächshaus weichen. „Jetzt haben wir einen Naherholungsgarten“, zeigt Andreas Klingauf Hang zu schwarzem Humor. Natürlich hätten sie gewusst, dass die Autobahn erweitert werden soll, als sie 2012 den Garten der Parzelle 32 erstanden. Doch, dass ihnen die Baustelle einmal so nah kommen würde, damit haben sie dann doch nicht gerechnet. Aber nicht nur räumlich sei die Baustelle nahe gekommen, sondern besonders belastend sei der emotionale Ärger. Denn im Verein, der seit November 2017 einen neuen Vorstand hat und zu dem 44 Gartengrundstücke am Veltener Ortsausgang nach Leegebruch gehören, laufe auch nicht alles rund, berichten Klingaufs.

25 Grundstücke direkt vom Autobahnausbau betroffen

25 Grundstücke sind konkret vom Autobahnausbau betroffen, auf zweien mussten letztlich die Lauben weichen. Doch die Entschädigungen seien lächerlich, so Wolfgang Böttcher, der bis November 2017 Vereinsvorsitzender war. Wochenendhäuser würden oft nur als Schuppen eingestuft, für große Bäume gebe es 20 Euro, für eine monolithe Abwassergrube 200 Euro, obwohl sie 5000 Euro wert sei und für massive Gewächshäuser wurden 150 Euro gezahlt, berichtet er. Mittlerweile habe er die Lust am Garten verloren, so Böttcher, und ist auf der Suche nach einem Käufer. „Meine komplette Grünfläche ist weg. Was soll ich noch hier?“ Vom Schwimmbecken aus kann er den Bauzaun berühren. Vorbote einer sieben Meter hohen Lärmschutzwand, die später dort stehen wird. Früher schluckte dort eine dichte Hecke den größten Teil des Verkehrslärms.

Die Baustellenzäune kippen bei Wind um

Die Zäune seien neben Lärm und Sandstürmen ein weiteres Baustellenärgernis, so die Kleingärtner, die eigentlich nach Feierabend oder am Wochenende nur zum Entspannen in ihre grüne Oase kommen wollen. Bei viel Wind kippen die Bauzäune, trotz Versteifung, regelmäßig um. „Wer haftet dann?“, fragen sie. Und wer sorgt für die Sicherheit von Kindern und Tieren, die auf die Baustelle laufen können? „Da muss was Stabiles hin, was nicht bei jedem Wind umkippt“, wünscht sich Andreas Klingauf. Auch zum Müllabladen oder von Mountainbikern sei der Baustellenstreifen neben der A10 schon missbraucht worden, erzählen Klingaufs und Böttcher.

Guter Umgang mit den Bauarbeitern

Dafür pflegt Böttcher einen guten Umgang mit den Bauarbeitern, für die es auch mal einen Kaffee gibt. Ursprünglich habe er sogar überlegt, den Arbeitern das Vereinsheim während der Bauphase anzubieten. Der Lärm der vorbeifahrenden Autos habe jedoch wegen der Temporeduzierung auf 60 km/h nicht wesentlich zugenommen. Laut seien nur die Baufahrzeuge direkt hinter dem Bauzaun. „Wenn die Bagger arbeiten, zittern die Gläser im Schrank.“ Und wegen der Erschütterungen der Bau-Lkws beginne der Putz seines Hauses zu reißen, so Böttcher. „Aber man hängt doch auch daran, schließlich hat man hier etwas geschaffen“, erklärt Heike Klingauf. Auch wenn man durch den mit weißen Folien behangenen Bauzaun den Verkehr rollen sehen kann.

Ist Stau, fehlt etwas – der Lärm

Wenn mal wieder irgendwo Stau sei, merke man das sehr schnell, verrät sie. „Es fehlt dann was.“ Der Lärm der Straße. „Ich höre das kaum noch.“ Böttcher hat sich an die Verkehrsgeräusche gewöhnt. Lediglich Polizei oder Motorräder seien störend. „Mit der Lärmschutzwand werden wir uns verbessern.“ Und die Grundstücke seien trotz aller Probleme gefragt, weil der Verein Gartenland verpachtet, auf dem nicht wie in anderen Kleingartenvereinen angebaut werden muss. Doch die Verträge mit der Stadt Velten laufen nur bis 2022. Was danach kommt, weiß noch keiner.

Von Ulrike Gawande

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