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Velten „Sonst kann man es irgendwann sein lassen“
Lokales Oberhavel Velten „Sonst kann man es irgendwann sein lassen“
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17:20 26.09.2018
Marcel Siegert, hier mit Moderator Mario Große (l.), wünscht sich mehr Engagement und neue Leute für Pro Velten. Quelle: Marco Paetzel
Velten

Am Eingang begrüßte Marcel Siegert die Gäste mit Sekt, doch viele Gläser blieben stehen. Am Ende waren die Reihen im Saal des Kommunikationszentrums nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Dabei beging Pro Velten, 2013 aus Protest gegen den Supermarkt in der Innenstadt gegründet, am Dienstagabend sein fünftes Jubiläum. Das Problem der leeren Stühle sprach Vereinsmitglied Axel Jakobeit im Saal offen an. „Wir wissen nicht, wie wir die Leute noch erreichen sollen.“ Versuche wie das Bürgerstübchen, samt Kaffee- oder Skatrunden, hätten nur wenige Bürger erreicht. „Das waren zehn, zwölf Leute, und immer die gleichen.“ Aber Pro Velten, das 2014 mit neun Sitzen in die SVV einzogen war und nach der Spaltung 2017 noch drei Stadtverordnete hat, werde nicht aufgeben, erklärte Axel Jakobeit. „Na klar hätten wir uns heute mehr Publikum gewünscht, aber das wird uns nicht abhalten, bis zur nächsten Kommunalwahl durchzustarten.“

SVV-Laienspiel: Mandy Krüger spielte Bürgermeisterin Ines Hübner, Axel Jakobeit Vorsteher Hans-Jörg Pötsch. Marcel Siegert (l.) war ganz er selbst. Quelle: Marco Paetzel

Pro-Velten-Chef Marcel Siegert indes sieht den Grund für das mangelnde Interesse an der Politik vor allem im Umgang miteinander. Dieses Grundproblem gebe es nicht nur in Velten, sondern auch im Bund. „Solange wie SPD, CDU oder Linke nur mit den Fingern auf andere zeigen, statt sich selbst zu hinterfragen, solange wird diese Spalterei so bleiben.“ Beim Ergebnis der Bürgermeisterwahl 2017, bei der Siegert hauchdünn gegen Ines Hübner verloren hatte, habe ihn vor allem enttäuscht, dass die Wahlbeteiligung nur um die 50 Prozent gelegen habe. „Wir müssen versuchen, die Leute wachzurütteln. Sonst kann man es irgendwann auch sein lassen“, so Siegert. Um das Schiff in ruhige Fahrwasser zu bekommen, müssten dann eben mehr Leute mit anpacken und sich einbringen. „Egal in welche Richtung: Mitmachen ist immer wichtig.“

Man könne „jeden Idioten“ in die SVV setzen

Der Pro-Velten-Chef äußerte sich auch zum Hassvideo gegen sechs Stadtverordnete und Bürgermeisterin Ines Hübner, das die Stadt im Mai erschütterte. Er wies jede Beteiligung von sich. „Wenn mir jemand unterstellt, ich würde Morddrohungen durch die Weltgeschichte schicken, frage ich mich, ob dieser Mensch in der Lage ist, irgendeine leitende Tätigkeit in der Stadtverordnetenversammlung zu übernehmen“, so Siegert. Man könne aber sowieso jeden Idioten dort hinsetzen, weil er ja nur gewählt werde. Wen er meinte, ließ Siegert offen.

Die Ränge waren nicht voll besetzt. Quelle: Marco Paetzel

Natürlich gab es an diesem Abend die volle Breitseite gegen die anderen Fraktionen. In einem Laienspiel, bei dem Pro-Velten-Leute andere Stadtverordnete mimten, wurden Szenen – mehr oder weniger improvisiert – der vergangenen Jahre nachgespielt. Der Moment, als SPD-Mann Andreas Noack nach der Kommunalwahl 2014 aufstand, weil er nicht mit dem Rechtsextremen Robert Wolinski (NPD) an einem Tisch sitzen wollte. Das Ergebnis der Bürgerumfrage, das die Verwaltung als „Ja“ zum Einkaufszentrum interpretierte, Pro Velten aber nicht. Oder der abgelehnte Antrag der Fraktion, das Kommunikationszentrum als Ort für die SVV zu nutzen. Alle, so die Botschaft, arbeiten zusammen gegen Pro Velten. Die Vertreter der anderen Fraktionen wurden als dümmlich, patzig, herablassend dargestellt. Allen voran Bürgermeisterin Ines Hübner, die von der Pro-Velten-Stadtverordneten Mandy Krüger mit SPD-Shirt gespielt wurde.

Scharfe Kritik von der Stadtverwaltung

Ivonne Pelz, Sprecherin der Verwaltung, saß im Publikum und war sauer. „Politische Mitstreiter zu diskreditieren, indem man behauptet, sie würden unqualifizierte Kommentare abgeben oder ,Idioten’ sein, ist nicht akzeptabel.“ Es sei unerträglich, wenn ehrenamtlich Tätige in der Stadt auf solche Art verhöhnt und diskreditiert würden. Solche populistischen Bühnenspiele, wenn auch überspitzt gedacht, trügen nicht zur Entspannung bei. Das habe nicht zuletzt Einfluss auf das Vorankommen wichtiger Projekte für die Stadt. „Denn hier“, so Pelz, „ist die Verwaltung auf eine konstruktive Sacharbeit der Kommunalpolitik angewiesen.“

Von Marco Paetzel

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