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12:01 11.09.2018
Leonie-Sophie und Papa Jürgen Raczek an der Naturbadestelle in Nieder Neuendorf. Quelle: Enrico Kugler
Hennigsdorf/Velten

Als er wieder am Wasser stand, atmete Jürgen Raczek einmal tief durch. Die Saunafreunde in Heiligensee glitten beim Langestreckenschwimmen durchs Wasser, und der Retter fühlte sich in diesem Moment so richtig gut. „Ich wusste plötzlich, was mir all die Jahre gefehlt hatte“, sagt der Veltener. Sein ganzes Leben lang war er Rettungsschwimmer, 2012 kehrte er seiner DLRG den Rücken. Nun wagt Jürgen Raczek ein Comeback. „Nächste Woche beginne ich mit dem Schwimmtraining im Hennigsdorfer Stadtbad, im Dezember bin ich dann hoffentlich konditionell so weit, wieder an Einsätzen teilnehmen zu können“, sagt der 42-Jährige.

Talent zum Rettungsschwimmer früh erkannt

Jürgen Raczek war schon immer eine Wasserratte. Zu DDR-Zeiten verbrachte er jede freie Minute im Hennigsdorfer Freibad, das es damals noch am Waidmannsweg gab. Der damalige Bademeister Harald Hübner erkannte das Talent des Teenagers, der daraufhin als „Junger Rettungsschwimmer“ unterwegs war. Seine Sommerferien verbrachte Jürgen Raczek fortan an der Ostsee. Ückeritz und die Insel Poel waren seine Einsatzorte. „Damals habe ich einige Leute gerettet, die waren kurz vor dem Ertrinken.“ Nach der Wende waren die DDR-Retter heimatlos geworden, Jürgen Raczek wechselte zusammen mit Bademeister Harald Hübner zur DLRG in Hennigsdorf. Er machte seine Ausbildung zum Rettungsschwimmer, die er bald auch selbst ausbilden durfte. Es folgten Boots- und Rettungsbootsführerschein, eine Breitenportlizenz C und eine Sanitäterausbildung, sodass Jürgen Raczek Erste-Hilfe-Kurse leiten konnte. Er war auch im Vorstand der DLRG, und quasi unverzichtbar in der Ortsgruppe.

Leonie und Jürgen Raczek von der DLRG Hennigsdorf. Quelle: Enrico Kugler

Im Jahr 2004 kam Tochter Leonie-Sophie auf die Welt, bald folgte ein Häuschen in Velten. „Ich konnte meine Funktionen zeitlich nicht mehr erfüllen und wurde passives Mitglied“, so Jürgen Raczek. 2012 trat er dann aus der DLRG aus und wechselte zum „Konkurrenten“, der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes in Oranienburg. Dort boten sich anfangs bessere Perspektiven für die Schwimmausbildung seiner Tochter Leonie-Sophie, die genauso wasserverrückt ist wie der Papa. Auch er wollte sich dort engagieren. „Aber ich habe immer wieder von der DLRG gesprochen, das war dort einfach nicht mein Ding“, so Raczek.

Tochter Leonie peilt bereits das Silber-Level als Rettungsschwimmer an

Mit dem Wechsel aufs Veltener Hedwig-Bollhagen-Gymnasium kam seine Tochter 2016 dann schließlich zur DLRG. Heute hat sie ihren Rettungsschwimmer in Bronze, Silber ist bereits in Arbeit. Seit diesem Jahr ist die 14-Jährige auch bei Einsätzen dabei, schaute etwa am Bernsteinsee, dem Veltener Hafenfest oder dem Hennigsdorfer Havelspektakel den Rettern über die Schulter. Und dann hatte Sandro Zick, der technische Leiter Einsatz der Hennigsdorfer DLRG-Ortsgruppe, einen Arbeitsunfall. „Er hat mich gefragt, ob ich ihm nicht aushelfen konnte“, so Jürgen Raczek, der im OP der Sana-Kliniken Sommerfeld arbeitet.

Jürgen Raczek und Tochter Leonie an der Naturbadestelle in Nieder Neuendorf Quelle: Enrico Kugler

Und so fuhr er mit Tochter Leonie-Sophie zum Sanitätereinsatz nach Heiligensee. Ein Foto, das Vater und Tochter am Morgen davor im roten DLRG-Dress zeigt, brachte gut und gerne 50 Likes auf Facebook. „Und ich hatte wieder Blut geleckt“, sagt der Retter. Die Überzeugungsarbeit der DLRG-Männer Florian Kuhs und Sandro Zick tat ihr Übriges. Tochter Leonie-Sophie grinst, für sie ist es toll, dass ihr Papa wieder mit an Bord ist. „Es ist richtig cool, mit ihm kann ich nun über Dinge reden, die meine Freunde nicht verstehen.“ Den Rautek-Griff zum Beispiel, mit dem man Ertrinkende aus dem Wasser ziehen kann.

In der DLRG-Ortsgruppe, die derzeit 235 Mitglieder hat, ist das Comeback ein Novum. Es komme schonmal vor, dass junge Leute, die nach dem Abi ausgeflogen sind, wieder in den Verein zurückkehren. „Aber dass nach so langer Abwesenheit jemand wieder zu uns kommt, das habe ich noch nicht erlebt“, sagt DLRG-Sprecherin Juliane Brosowsky. Jürgen Raczek sei wichtig für den Verein, weil er Einsatzerfahrung vorweisen könne. „Solche Leute können wir hier immer gebrauchen“, sagt die DLRG-Sprecherin.

Erstmal muss der Rost ab

Doch der Retter braucht nun erstmal ordentlich Training. „Ich bin ganz schön eingerostet“, sagt der 42-Jährige. Aber auch seine Lizenzen müssen nach der langen Pause erneuert werden, das werde auch eine gewisse Zeit dauern. Aber das lohnt sich. Immerhin sind noch viele Kumpels von einst in der DLRG. „Und es macht viel Spaß, Leuten helfen zu können und für sie da zu sein.

Mehr Informationen: www.hennigsdorf.dlrg.de

Von Marco Paetzel

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