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Velten Begleiter auf der letzten Tour
Lokales Oberhavel Velten Begleiter auf der letzten Tour
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00:22 09.11.2018
Romano Bergling fuhr in diesem Jahr Sterbende nach Erfurt, Trinwillershagen und Heringsdorf. Quelle: Privat
Velten

Einmal noch wollte Herr Z. sein Haus in Trinwillershagen (Mecklenburg-Vorpommern) sehen, einen letzten Kaffee im Wohnzimmer trinken. Und es kam fast das ganze Dorf, um sich von dem alten Herrn zu verabschieden. Auch eine Seniorin, die 103 Jahre alt war. „Sie sagte, sie kann ihn zwar nicht mehr sehen, findet aber schön, dass er gekommen ist“, sagt Romano Bergling. Das Wichtigste aber: Der alte Herr wollte nochmal ans Grab seiner Frau, die schon vor drei Jahren gegangen war. „Ich bin überglücklich“, flüsterte er dem Ehrenamtler-Team am Ende der Reise zu. Für Bergling&Co. ist das der schönste Lohn.

Der Wünschewagen fährt durchs ganze Land. Quelle: www.GordonWelters.com

Drei todkranke Menschen, die in Pflegeheimen oder Hospizen im Land Brandenburg leben, hat der Veltener in diesem Jahr auf ihrem wohl letzten Ausflug begleitet. Es ging auch nach Heringsdorf und Erfurt. „Dort wollte sich eine Mutter von ihrem Sohn verabschieden, ihn ein letztes Mal sehen“, sagt Romano Bergling. Nach Heringsdorf fuhr der Wünschewagen, weil der Sterbende als Kind mit seinen Eltern dorthin verreist war und schöne Erinnerungen hatte. „Wir haben in der Sonne gesessen, Kaffee getrunken und eine ganze Weile aufs Meer geschaut“, sagt Romano Bergling.

Mehr als 100 ehrenamtliche Wünsche-Erfüller

Für den Veltener Familienvater ist es eine Herzensangelegenheit, Menschen einen Herzenswunsch zu erfüllen. „Mir gibt das inneren Frieden.“ Anfang des Jahres hat der Krankenpfleger den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) im Netz entdeckt. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer aus dem Land Brandenburg engagieren sich im Team – vom Rettungsassistenten bis hin zum Palliativmediziner. Das Ziel: Sterbenden ihren letzten großen Wunsch zu erfüllen. Einmal noch das Meer sehen, einmal noch ein Konzert der Lieblingsband erleben oder einmal noch Familie oder Freunde in die Arme schließen. Das Projekt wird rein ehrenamtlich und durch Spenden getragen. Insgesamt 53-Mal fuhr der Wünschewagen seit dem Projektstart 2016 bereits durch die Lande. Die weiteste Strecke waren 1300 Kilometer von Neuruppin nach Wuppertal zur Jugendweihe des Enkelkindes, die kürzeste 64 Kilometer vom Hospiz Wannsee nach Teltow zur Hochzeit des Sohnes. Im Schnitt fährt das Brandenburger Wünschewagen-Team 600 Kilometer pro Tour.

Vier Touren mussten abgesagt werden, weil die Patienten vorher starben

„Ich fahre morgens zur Frühstückszeit los, mitunter kommen wir erst gegen Mitternacht zurück“, so Bergling. Wichtig ist, dass die Touren – für die ein Arzt sein Okay geben muss – nicht auf die lange Bank geschoben werden. Denn vielen Patienten bleibt nur noch wenig Zeit. Allein vier Touren, die Romano Bergling in diesem Jahr machen wollte, kamen nicht mehr zustande. Die Patienten erlebten den großen Tag nicht mehr. „Mit einem wäre ich nach München zum Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger gefahren“, seufzt Romano Bergling. Er fährt nie alleine, mit dabei muss immer ein Rettungssanitäter oder Rettungsassistent sein. „Wir müssen dem Patienten helfen können, falls auf der Fahrt etwas passiert.“

Das ist aber noch nie vorgekommen. Die Leute würden auf den Fahrten viel aus ihrem Leben erzählen, sie seien den Ehrenamtlern dankbar für ihren Dienst. Dass sie sterben müssen, damit hätten die Patienten im Wünschewagen schon ihren Frieden gemacht, sagt Romano Bergling aus seiner bisherigen Erfahrung. „Nach dieser Fahrt wissen die Leute, dass sie ruhigen Gewissens einschlafen können. Denn den Wunsch, der ihnen am Herzen lag, haben wir noch erfüllt.“

Ein Todkranker wollte ein letztes Mal ans Grab seiner geliebten Frau. Quelle: ASB Brandenburg

Ob die Leute, mit denen Romano Bergling die Touren gemacht hat, noch am Leben sind, kann er nicht sagen. Wenn die Mission des Wünschewagen-Teams erfüllt ist, endet in der Regel auch der Kontakt. Was die Leute dann bräuchten, sei Ruhe. „Die Familie“, sagt Romano Bergling, „steht dann im Mittelpunkt.

Von Marco Paetzel

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