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Velten Ein Sportladen kämpft gegen die Internet-Giganten
Lokales Oberhavel Velten Ein Sportladen kämpft gegen die Internet-Giganten
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20:49 30.10.2018
Ute Knaak und Jörg Dann betreuen die Kunden. Katrin Dann, die auch für das SOS-Kinderdorf arbeitet, ist Betreiberin. Quelle: Foto: Marco Paetzel
Velten

Es ist ein trüber Montagmorgen, im Sekundentakt donnern Lastwagen am Laden vorbei. Nur ein schmaler Gehweg trennt ihn vom Asphalt. Drinnen, bei „Sport-Dann“, hört man vom Verkehr kaum etwas. „Wir haben Spezialscheiben, damit wir es hier schön ruhig haben“, sagt Jörg Dann. Früher, zu DDR-Zeiten, sei das mit dem Verkehr lange nicht so schlimm gewesen, da sei die Straße ja auch schmaler gewesen und der Bürgersteig viel breiter. Seitdem wurde die Straße zigmal ausgebaut. Nur das Geschäft, das hat all die Jahrzehnte überdauert. Seit Anfang der 1960er-Jahre gibt es den Sportladen an der Breiten Straße, es ist ein echtes Original in der Ofenstadt. Bis zur Wende gehörte das Geschäft zur Handelsorganisation der DDR (HO). „Es war aber schon immer das Wohnhaus meiner Familie, und wir haben den Laden im September 1990 übernommen“, sagt Jörg Dann, der zu DDR-Zeiten selbst ein HO-Sportgeschäft in der Fabrikstraße in Hennigsdorf hatte.

Die Konkurrenz heißt Amazon, Zalando& Co.

Heute arbeitet der 58-Jährige mit seiner Frau Katrin, einer ehemaligen DDR-Leistungssportlerin und Betreiberin des Ladens, und der Verkäuferin Ute Knaak in dem rund 130 Quadratmeter großen Geschäft. Im Sortiment haben sie alles – vom Jogginganzug über Sportschuhe bis zu Fußbällen und Hanteln. In den vergangenen Jahren hätten viele Sportgeschäfte im Landkreis aufgegeben. Schuld sei das Internet. Amazon, Zalando & Co. würden den Händlern das Leben schwer machen. Nicht nur den Großen. „Selbst die Großen wie Kaufhof oder Karstadt haben damit zu kämpfen, die schließen sich ja nicht umsonst zusammen“, sagt Jörg Dann. Doch der Sportladen sei seit 1990 ein Genossenschaftsmitglied der Verbundgruppe Intersport, 1400 solcher Geschäfte gibt es im ganzen Bundesgebiet. Sein Laden könne dadurch preislich mit dem Netz durchaus konkurrieren, sagt Dann. Doch es gebe auch Grenzen nach unten. „Leben und leben lassen. Ich muss nicht was verkaufen, wo ich eigentlich nur Geld wechsele.“

Den Internetgiganten setzt das Veltener Sportgeschäft vor allem gute Beratung entgegen. „Wir beraten die Kunden eben genau, was zu ihnen passt und was nicht.“ Ein Laufschuh etwa sei nicht gleich ein Laufschuh. „Die Leute bringen den alten Schuh mit und daran können wir sehen, ob der Schuh nach innen oder nach außen abgelaufen ist. So kann man den neuen Schuh auswählen“, erklärt Jörg Dann.

Fitnessstudios liegen voll im Trend

Die meisten Kunden kommen tatsächlich wegen Schuhen. Vom Runningschuh bis zum Wanderschuh. „Die sind dann meistens alle mit Membran, damit die Leute keine nassen Füße kriegen.“ Was die Trends angeht, so ist der Boom des Nordic Walking abgeebbt. Zwar würden noch Leute vereinzelt die markanten Nordic-Walking-Stöcke kaufen, doch vor sieben, acht Jahren gingen noch viel mehr davon über die Ladentheke. Dafür gebe es nun immer mehr Fitnessstudios in der Region. Entsprechend würden die Leute auch T-Shirts, kurze Hosen & Co. dazu kaufen. „Da sollte man ein atmungsaktives Shirt wählen, weil das den Schweiß besser transportiert und das am Körper einfach angenehmer ist“, erklärt der Fachmann. Auch das Abschneiden von Jogi Löws Nationalelf bei großen Turnieren bestimmt, was im Veltener Sportladen über die Theke geht. Beim WM-Titel 2014 gab es eine riesige Nachfrage nach Fußballartikeln vor allem für Kids, nach dem Ausscheiden in der Vorrunde dieses Jahr fiel das Interesse bescheidener aus. Was die Zukunft des Geschäfts angeht, so wollen Jörg Dann und seine Frau so lange weitermachen wie möglich. „Wer weiß schon“, so Dann, „was in fünf Jahren ist?“

Von Marco Paetzel

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