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Velten Wenn Plan A nicht klappt, hilft Plan B
Lokales Oberhavel Velten Wenn Plan A nicht klappt, hilft Plan B
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12:46 17.04.2018
Sarah Mickan (l.) betreut das Projekt „Plan Bildung“, bei dem jungen Leuten wie July (M.) und Lea eine Perspektive geboten wird. Quelle: Jeannette Hix

Stress mit den Eltern, mit der Schule oder ein schlimmer Schicksalsschlag: Es gibt immer wieder Abschnitte im Leben, wo man einen Plan B braucht, wenn Plan A nicht klappt. Diesen Plan bietet die Lernwerkstatt „Plan Bildung“, in der alten Stadtvilla, wo sich viele Veltener schon gefragt haben, wer in dem Haus Breite Straße jetzt eigentlich eingezogen ist. Denn noch kürzlich war hier das Jugendförderungsprojekt „Outlaw“ ansässig.

15 Schüler werden in der alten Stadtvilla betreut

„Wir haben die Räume letzten August bezogen und wie Outlaw wollen wir gestrandete junge Leute auf den richtigen Weg zurück bringen“, sagt Lernwerkstatt-Chefin Sarah Mickan (29) von der Stiftung SPI, die die Lernwerkstatt betreibt.

Aktuell werden dort 15 junge Leute im Alter zwischen 14 und 18 Jahren betreut, meist aus Brennpunkt-Familien, bei denen es zu Hause nicht gut läuft. Wie in einer normalen Schule kommen die Schüler von zu Hause hierher zum Unterricht (es gibt drei Lehrer). Allerdings muss nur montags, dienstags und donnerstags die Schulbank gedrückt werden. Die anderen Tage haben die jungen Leute ihre Praktikumstage. „Viele Schüler sind der reinen Theorie überdrüssig und blühen erst in der Praxis auf“, sagt die Sozialpädagogin.

Schule und Praktikum fließen ineinander über

Ziel des Projekts ist auch, die jungen Leute in einen geregelten Tagesablauf zu bringen und ihnen eine berufliche Perspektive zu geben. So ist morgens um 8 Uhr erstmal ein gemeinsames (Gratis-)Frühstück angesagt – ein willkommener Brauch, denn viele Schüler kommen mit leerem Magen zum Unterricht. Außerdem tagt montags immer der Klassenrat. „Dort werden Probleme, Sorgen und Wünsche angesprochen“, sagt Sarah Mickan. Auch ein Ordnungsgong wird an dieser Stelle gerne mal verteilt – er kommt aber von den Schülern selbst. Denn wer zum Beispiel zu spät kommt, den kann der Klassenrat verdonnern, die Zeit nachzusitzen. „So erziehen sich die jungen Leute selbst“, sagt die Pädagogin.

Lea (16): „Ich will Friseurin werden.“

Auch die hübsche Lea (16) sieht jetzt eine Perspektive für sich. „Ich hatte nur noch Stress mit meiner Mutter und keinen Bock mehr auf Schule. Dann bin ich von zu Hause abgehauen und habe sogar kurz auf der Straße gelebt“, erzählt die Schülerin. Über die Goethe-Oberschule Kremmen, in der Lea mehr abwesend als anwesend war, wurde sie zur Lernwerkstatt vermittelt. Lea: „Ich wohne inzwischen wieder zu Hause und hier macht mir die Schule auch Spaß. Inzwischen habe ich gelernt, Probleme anzusprechen, damit sie nicht eskalieren. Seitdem läuft es auch zu Hause mit meiner Mutter besser.“ Über die Lernwerkstatt hat Lea ihr Interesse am Friseurberuf entdeckt. „Ich mache ein Praktikum bei Magic Hairstyle hier gleich um die Ecke. Das macht großen Spaß. Ich will mal Friseurin werden. Vielleicht schiebe ich später noch eine Zusatz-Ausbildung zur Kosmetikerin hinterher. Dann könnte ich Visagistin werden.“

July (15): „Hier finde ich Halt.“

Auch July (15) fand in der Lernwerkstatt wieder Halt. „Meine Eltern haben sich oft sehr laut gestritten. Dann konnte ich nicht schlafen und hatte dann früh keinen Bock aufzustehen und zur Schule zu gehen. Meine Noten wurden immer schlechter und ich kam immer weniger mit den Lehrern klar. Irgendwann bin ich gar nicht mehr zum Unterricht gegangen.“ Und dann schlug das Schicksal bei July richtig zu. „Vor zwei Monaten ist mein Stiefvater gestorben. Er war immer für mich da. In der Lernwerkstatt habe ich Halt gefunden, weil ich hier alle meine Sorgen und Gedanken ansprechen kann und mir zugehört wird.“

Für July ist auch klar, welchen Beruf sie mal erlernen möchte. „Ich will gerne Erzieherin werden, um Kindern, denen es ergeht wie mir, zu helfen und sie zu unterstützen.“

Von Jeannette Hix

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